the power of pattern

Textilien und Muster tragen tief verwurzelte Macht oder Ohnmacht, geprägt durch Stereotype und historische Symboliken. Der Mensch wird zur Leinwand des Textils, wobei eine wechselwirkende Beziehung zwischen Textil und Körper entsteht. Nadelstreifen symbolisieren urbane Macht und Erfolg, lange eng verknüpft mit Männlichkeit, während der Blaudruck eher ländliche, konservative Werte verkörpert. Die Versuchsreihe analysiert, wie kleine Änderungen verschiedener Parameter die Wahrnehmung und Aussage von Mustern verändern und Stereotype entkoppeln können. Was liegt dazwischen – hängt Macht am einzelnen Faden?

Mind the gap

Im Rahmen des Klimawandels gewinnen öffentliche Verkehrsmittel zunehmend an Bedeutung. „Mind the gap“ denkt das Sitzen in Bus und Bahn neu und erkundet textile Flächenstrukturen, die selbst zum Sitzträger werden. So entsteht eine ressourcen- und umweltschonende Alternative zu herkömmlichen Sitzen, die erstmals Recyclingkreisläufe der Textilien im Transportsektor ermöglicht. Gleichzeitig wurden im Gestaltungsprozess wichtige funktionale Aspekte wie Brandschutz und Schmutzresistenz integriert. Der Fokus liegt allerdings nicht nur auf einer neuen Form der Anwendung, sondern ebenso auf der Entwicklung einer innovativen Ästhetik, die zu einer angenehmen und wertschätzenden Atmosphäre und somit zu einer positiven Nutzer:inneninteraktion beiträgt.

meet me halfway

In vielen Städten prägen Anonymität, Effizienz und Konsum den öffentlichen Raum. Spontane zwischenmenschliche Begegnungen werden seltener, obwohl das Bedürfnis nach sozialer Resonanz bleibt. “meet me halfway” ist eine Einladung zur Begegnung – mitten im urbanen Trubel. Mit dem Blick für geteilte Momente und dem Potenzial für nonverbale Interaktionen laden die Objekte dazu ein, sich gegenseitig wahrzunehmen und stärken das Gemeinschaftsgefühl im Alltag. Die erhöhten Ausguck-Trichter fordern eine bewusste Veränderung der Perspektive. Sie rahmen den Blick und ermöglichen unerwarteten Blickkontakt zwischen Fremden. Die Vierer-Wippe lädt zur spielerischen Interaktion ein und eröffnet Situationen, in denen geteilte Momente inmitten städtischer Distanziertheit möglich werden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Gestaltung als Impulsgeber für zwischenmenschliche Resonanz wirken kann.

SUMO

SUMO ist ein 2,80 m großes, pinkes Wesen – eine überdimensionale, weiche Stoffskulptur, die zum Verweilen einlädt. SUMO verbindet spielerische Monumentalität mit der Idee des Müßiggangs und stellt die Frage: Warum fällt es uns so schwer, nichts zu tun? Mit seiner auffälligen Präsenz im semi-öffentlichen Raum (beispielsweise im Büro, der Bibliothek oder der Uni) schafft es einen sichtbaren Ort für Entspannung und fordert dazu auf, Pausen ohne Scham zu nehmen.

Durch seine flexible Konstruktion mit Karabinern an den Ohren und Laschen an den Beinen kann es in verschiedene Positionen gebracht und mit der Umgebung verbunden werden. So kann SUMO ein Sessel, eine Möglichkeit zum Füße hochlegen, eine Liege und vieles Weitere sein. SUMO ist mehr als ein Möbelstück, es ist ein Statement für die Notwendigkeit des Nichtstuns in einer Gesellschaft, die Produktivität über alles stellt.

Q • MED

Die heutige Erfassung von Gesundheitsdaten ist fragmentiert, ineffizient und oft mit Informationsverlusten verbunden. Q • MED nutzt modernste Technologien, um die Diagnostik der Zukunft intelligenter, schneller und persönlicher zu machen. Es revolutioniert den Prozess, indem es den Menschen ins Zentrum der Gesundheitsversorgung stellt. Statt aufwendiger Arztbesuche erfolgt die Datenerhebung kontinuierlich und unbewusst im Alltag durch intelligente, KI-gestützte Technologien, die in der gewohnten Umgebung eingesetzt werden. So lassen sich individuelle Gesundheitsmuster frühzeitig erkennen, Krankheiten im Anfangsstadium identifizieren und präventiv behandeln. Q • MED ermöglicht eine einfache, nicht-invasive Nutzung und schafft durch greifbare, vertrauensvolle Systeme Sicherheit, besonders für eine alternde Gesellschaft. So entsteht ein neues Gesundheitsverständnis: präventiv, effizient und menschenzentriert.

pod

Die Elektromobilität ist entscheidend für die Energiewende, doch eine unzureichende Ladeinfrastruktur bremst ihre Verbreitung. Schwere Ladekabel, lange Wartezeiten, schlecht zugängliche Stationen und städtische Vorschriften erschweren besonders in Ballungsräumen das Laden von E-Fahrzeugen. Dieses Designprojekt entwickelt ein mobiles Ladesystem, das wie ein Lieferroboter arbeitet: Es bringt Strom direkt zum Fahrzeug und startet den Ladevorgang automatisch. So entfällt der Weg zur Ladestation. Das System „pod“ ergänzt die bestehende Infrastruktur flexibel und effizient – etwa in Parkhäusern, auf Außenparkplätzen oder in Wohngebieten ohne eigene Lademöglichkeiten. Per App steuerbar, kompakt und benutzerfreundlich gestaltet, ermöglicht „pod“ eine zeitsparende und zugängliche Ladelösung für den urbanen Raum. Ziel ist es, Ladebarrieren abzubauen, die Akzeptanz von E-Mobilität zu erhöhen und nachhaltige Mobilität zu fördern.

Gaia in Wonderland

Mehr wie die Natur sein – uns anpassen, das ist die große Herausforderung unserer Zeit, um uns eine aussichtsreiche Zukunft auf der Erde zu schaffen. Eine Utopie, unsere Kulturen so zu transformieren, dass sie durchweg vereinbar – vielleicht sogar symbiotisch – mit der Natur sind.

Bewährte Designlösungen der Natur geben uns Inspiration und Anleitung zur Gestaltung einer natürlicheren Umwelt. Sie zu erforschen und zu imitieren, ist zentrale Aufgabe der Produktgestaltung nach meinem Re-Evolutions-Prozess.

Die Geschirrserie „Gaia in Wonderland“ ist ein Beispiel eines natur-imitierten Gestaltungsergebnisses. Aus der Recherche nach natürlichen Formen, Materialien und Prozessen – die sich für eine Tasse eignen würden – entstand die Aufgabe, Geschirr aus einem kalkbasierten Biomaterial im 3D-Druck-Verfahren zu fertigen. Es geht darum, natürliche Ressourcen (der lebendigen Erde „Gaia“) für menschliche Bedürfnisse lediglich in unsere Kultur (das Wunderland) auszuleihen.

Regalsystem #1470

Knoten begleiten den Menschen seit jeher als Werkzeug und Hilfsmittel im Alltag.
Doch mittlerweile existiert eine Vielzahl von Ersatzprodukten, die den Knoten überflüssig erscheinen lassen. Dabei stellt der Knoten eine simple und nachhaltige Lösung für verschiedenste Verbindungsanforderungen dar und kann allein mit Hand und Seil erzeugt werden.

Das Regalsystem #1470 macht den Knoten als einfache, aber äußerst funktionelle Verbindung wieder sichtbar. Im Fokus steht der Blake’s Hitch, auch bekannt unter der Nummer #1470. Dieser Klemmknoten aus der Schifffahrt hält die Regalböden sicher in Position und ermöglicht eine stufenlose Höhenverstellung. Weitere Knoten sorgen für Stabilität und Erweiterbarkeit. Durch Seile und Knoten ist das Regal flexibel, modular und passt sich verschiedensten Raumsituationen an. #1470 zeigt, dass Knoten weit über ihre konventionelle Anwendung hinaus als zuverlässige Verbindungselemente im Industriedesign eingesetzt werden können.

My Home, My Data

Im Spannungsfeld zwischen zunehmender Digitalisierung im Wohnraum und wachsender Sorge um Datenschutz stellt das Projekt die Frage: Wie können Bürger:innen wieder selbstbestimmt über ihre Smart-Home-Daten verfügen? Der Entwurf einer App setzt genau hier an. Sie ermöglicht es Nutzer:innen, die Weitergabe ihrer IoT-Daten bewusst und aktiv zu steuern – nicht automatisiert, sondern auf Basis informierter Zustimmung. Neben der Transparenz darüber, wer welche Daten erhält, erlaubt die App eine individuelle Konfiguration der Datenfreigabe und macht so Datenflüsse sichtbar. Für freiwilliges Teilen erhalten Nutzer:innen Punkte, die sie einlösen oder an lokale Nachhaltigkeitsprojekte spenden können. Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Fraunhofer ISST und basiert auf aktuellen Forschungen zu Data Spaces. Es wurde durch einen nutzerzentrierten Designprozess, visuelle Benchmark-Analysen sowie gestalterisches Feedback iterativ entwickelt.

Ima Summis

Ima Summis untersucht, wie sich religiöses Dogma in der asketischen Schlichtheit monastischer Architektur manifestiert und das Sakrale durch Rhythmus, Proportion, Materialität und Licht evoziert wird. Im Zentrum steht die Korrelation von Architektur und Gefäß – beide fungieren als Behältnis für Raum und Licht. Ihre gemeinsamen phänomenologischen Qualitäten – wie Taktilität und Tonalität, Maßstab und Proportion, Reihung und Rhythmus, Masse und Leere – werden aus dem architektonischen Kontext in die Gestaltung zeremonieller Gefäße übertragen. Ziel ist es, kontemplative Tiefe in säkularer Form erfahrbar zu machen und die immateriellen, symbolischen sowie rituellen Qualitäten von Designobjekten sichtbar zu machen.