Diese Masterarbeit stellt SteadyGo vor, eine modulare Mobilitätshilfe, die sich an die fünf fortschreitenden Stadien der Parkinson-Krankheit anpasst. Durch persönliche Erfahrungen motiviert, widmet sich das Projekt den sich verändernden motorischen Herausforderungen, denen Patient*innen begegnen – von ersten Tremorsymptomen bis hin zur fortgeschrittenen Bewegungslosigkeit. SteadyGo verwandelt sich mithilfe austauschbarer Teile von einem Gehstock in eine Krücke, einen Rollator und einen Rollstuhl, wobei die Benutzerfreundlichkeit und das Design durchgehend erhalten bleiben. Dieses vertraute, ergonomische System fördert die Selbstständigkeit, reduziert Stigmatisierung und erleichtert emotionale Übergänge. Durch die Nutzung in allen Krankheitsstadien werden zudem Materialverschwendung minimiert und nachhaltiges Design gefördert. SteadyGo soll zeigen, wie einfühlsames Produktdesign die Lebensqualität verbessern und eine bedeutende Unterstützung für Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen bieten kann.
Kategorie: German Design Graduates
NOTHING TO SEE HERE
Typografie im öffentlichen Raum ist für viele Menschen auf der ganzen Welt ein alltägliches Phänomen; sie begegnet uns heutzutage meist in der Form von Werbung oder Straßenschildern beim Navigieren durch eben diesen.
Was ist jedoch mit jener Typografie, die nicht durch moderne Reproduktionstechniken große Bereiche des öffentlichen Lebens bespielt, sondern in den kleinen Nischen stattfindet, in denen Menschen sie – entweder aus Notwendigkeit, manchmal aber auch ganz bewusst – mit ihren eigenen Händen produzieren?
Aus der Neugier auf diese Frage hin wurden insgesamt 300 einzelne Schriftproben per Google Street View aus der ganzen Welt gesammelt, katalogisiert und anschließend in einem Buch zusammengeführt, um nicht nur das Vorkommen dieser zu dokumentieren, sondern auch die Leser*innen dazu einzuladen, sowohl regionale als auch kulturelle Unterschiede zu erforschen.
Begleitet wird dieses Archiv außerdem durch ein Beiheft mit weiteren Informationen und acht Plakaten zur Übersicht.
Zartbeseitet
Das Projekt „Zartbeseitet“ untersucht, wie Illustration und Informationsdesign genutzt werden können, um Hochsensibilität für Außenstehende verständlich zu machen. Ziel ist es, Betrachtende für das Thema zu sensibilisieren und zur Reflexion ihres eigenen Verhaltens in der Gesellschaft anzuregen.
Das Ergebnis ist ein Bilderbuch, das in drei Kapiteln die sensorische, kognitive und emotionale Hochsensibilität behandelt. Alltagssituationen zeigen dabei, wie hochsensible Menschen fühlen und wahrnehmen. Transparente Seiten über den Illustrationen schaffen eine interaktive Ebene und machen sichtbar, was oft verborgen bleibt.
So entsteht eine visuelle Erfahrung, die die komplexe Wahrnehmung Hochsensibler greifbar und anschaulich vermittelt.
Zeitgefühl
„Zeitgefühl“ beschäftigt sich mit der Wahrnehmung von Zeit, Endlichkeit und Immersion. Man betritt zunächst einen physischen Raum (CAVE), der das Fließen der Zeit erfahrbar macht. Dieser Vorraum bereitet den Übergang in eine andere Realität vor, eine, in der Zeit endlich, persönlich und formbar erscheint. In der VR-Umgebung wird die Wahrnehmung erweitert: Alle zehn Sekunden hinterlasse ich einen Abdruck. Nach einer Minute ist der Raum von skulpturalen „Zeitechos“ durchzogen, Abbilder meiner Vergangenheit, die sich alsdann im Nichts auflösen.
Das Konzept der Arbeit greift ein Zitat von Jorge Luis Borges auf, der mit „[Time] is a fire that consumes me, but I am the fire“ den Kern unseres Daseins beschreibt. Borges reflektiert über unendliches Leben und die Bedeutung von Endlichkeit.
Die Installation ist eine unmittelbare, immersive Erfahrung, in der Realität und Digitalität ineinanderfließen. Zeit dehnt sich, verrutscht, steht still. Der Raum wird so zu einem Ort der Reflexion.
Der vertikale Stadtkern
Der ehemalige Sudhausturm ist ein Denkmal der Moderne, der trotz seiner prägenden Wirkung auf das Stadtbild St. Ingberts größtenteils leer steht und unzugänglich ist. Der Entwurf „Der vertikale Stadtkern“ zeigt, welches Potenzial im Bauen im Bestand liegt und wie durch zukunftsorientierte Konzepte eine ganze Stadt nachhaltig aufgewertet werden kann. Unweit der Fußgängerzone entwickelt sich ein neuer, weitgehend barrierefreier Altstadtkern, der den Beckerturm und sein Umfeld mit Gastronomie, Ausstellungsflächen zum Thema Bier, Co-Working-Spaces, Gewerbe, Pop-up-Stores und begrünten Erholungsflächen neu belebt. Ein durchdachtes, adaptives Grundangebot soll somit eine dauerhafte Nutzung sichern und den Tourismus fördern. Ein neuer Fluchttreppenanbau ermöglicht zudem die Nutzung des gesamten Baus. Die Gestaltung greift auf bauzeitliche Elemente und Maschinen zurück, um Historie und Moderne zu verbinden. Die vermehrte Materialwahl Holz bildet einen positiven Kontrast zur Betonarchitektur.
Carrie, Liv + co.
Viele junge Menschen führen unfreiwillig ein nomadisches Leben – bedingt durch Mieterhöhungen, Wohnungsknappheit oder persönliche Gründe. Häufige Umzüge erschweren ein richtiges Ankommen. Möbel sind oft unpraktisch: sperrig, schwer, aufwendig im Auf- und Abbau.
Ich wollte ein Möbelsystem gestalten, das leicht transportierbar ist, Platz spart, dem neuen Raum eine bekannte Struktur gibt und schnelles Einleben ermöglicht. So entstand „Carrie, Liv + Co.“, ein Möbelsystem aus vier Bausteinen.
„Carrie“ ist ein modulares Regal aus stapelbaren Würfeln. Sie dienen gleichzeitig als Transportboxen.
„Liv“ ist ein Tisch mit integriertem Griff und zerlegbaren Beinen, fixierbar per Spanngurt.
„Sid“ sind vier Stühle mit Stofflehne – zerlegbar und tragbar im Paket.
„Abed“ ist ein Bettgestell, aus zwei Hälften, das „Liv“ und „Sid“ in sich verstauen kann.
Alle Objekte sind ineinander verschachtelbar, die Gesamthöhe des Pakets beträgt 11 cm und passt inklusive 6 „Carrie“-Boxen in einen Kombi-Pkw.
Living With The Wave
Traditionelle Wellenbrecher stehen oft im Widerspruch zur Küstenästhetik. Dieses Design vereint Wellenschutz, stärkt die Identität des Strandes und schafft Räume für Menschen und Wildtiere, wodurch ein nachhaltiges Zusammenleben mit der Natur gefördert wird. Das entworfene Wellenbrechersystem ist formal von der natürlichen Struktur der Mangroven inspiriert und wird durch die modularen und porösen Bauweisen indigener Völker ergänzt. Mangroven sind die besten natürlichen Wellenbrecher, können jedoch leider in kälteren Klimazonen nicht eingesetzt werden. Die Idee war, diese perfekte, naturbasierte Lösung als Modell zu nehmen, sie für weitere Anwendungsfälle zu skalieren, für verschiedene Küstenumgebungen anzupassen und eine flexible, nachhaltige Alternative für modernen Küstenschutz zu bieten. So konnten neue Räume geschaffen werden, die sowohl Lebensräume für Wildtiere als auch die Interaktion des Menschen mit der Natur unterstützen.
LUMIÈRE
Die Bachelorarbeit „Lumière“ untersucht, wie Stress und dessen Auswirkungen auf den menschlichen Körper effektiv reduziert werden können. Vor dem Hintergrund zunehmender beruflicher Belastungen wurde eine multifunktionale Tischlampe entwickelt, die Stress am Arbeitsplatz mindern und eine gesunde Work-Life-Balance fördern soll. Das Design vereint Erkenntnisse aus Chronobiologie, Lichttherapie und Arbeitspsychologie. Es kombiniert optimierte Beleuchtung mit einem Pausenkonzept, das durch Akkubetrieb und spezielle Ladestation umgesetzt wird. Der Wechsel zwischen Arbeits- und Ambientebeleuchtung unterstützt natürliche Rhythmen und fördert Erholungsphasen. Die Arbeit dokumentiert den Entwicklungsprozess von der Analyse bis zum Prototypen. Sie zeigt das Potenzial von Produktdesign zur Stressreduktion und hebt die Bedeutung interdisziplinärer Ansätze für Lösungen gesellschaftlicher Herausforderungen hervor.
Zum Einkaufsladen und wieder zurück…
Mit meinem Produktentwurf möchte ich dem Trolley, auch „Hackenkporsche“ genannt, ein neues Image und eine neue Funktionalität verleihen. Im Mittelpunkt der Neugestaltung stehen die Aufteilung der Einkäufe in verschiedene Behälter und Fächer sowie die einfache Zugänglichkeit.
Der Trolley lässt sich wie ein Einkaufswagen aufklappen, sodass der Einkauf unkompliziert verstaut und entladen werden kann. Anschließend wird er zu einem kompakten Trolley zusammengeklappt und kann bequem nach Hause gezogen werden.
Badezimmermuschel
Das Badezimmer präsentiert sich uns als Raum der Körper und Peinlichkeiten. Es möchte glatt, rein und abgewischt sein. Gleichzeitig ist es für uns ein Ort für Ruhe und Privatheit. Das In-Sich-Gekehrte, Private, Abgeschottete, die inoffiziellen Zwecke eines Badezimmers, der Blick nach draußen und in die Wände haben mein Interesse geweckt.
Einem intensiven Rechercheprozess folgte die konzeptionelle Ausarbeitung einer neuartigen, spekulativen Sanitärkeramik. Digitale, generative Methoden replizieren Form, Struktur und Logik einer Schneckenmuschel — quasi gestalterische Biomimikry. Am Ende steht neben einer installativen Inszenierung ein vollendetes keramisches Objekt, das an Herstellbarkeit nach dem Vorbild einer industriellen Produktion angelehnt ist.
Die Badezimmermuschel macht ein Angebot für einen Aufbruch in der hochgradig standardisierten Sanitärkeramik. Sie hinterfragt unsere kulturellen und persönlichen Praktiken — ein alltägliches Artefakt aus einer anderen Welt.