Diese Arbeit widmet sich der systematischen Unsichtbarmachung von Frauen in der Geschichtsschreibung und fragt, wie sich unsere Sicht auf die Vergangenheit verändert, wenn wir den Blick auf die bedeutende Rolle von Frauen richten. Über Jahrhunderte hinweg wurden Frauen aus der historischen Erzählung ausgeschlossen, obwohl sie entscheidenden Einfluss auf die Weltgeschichte hatten. In diesem Buch werden diese Geschichten zurückgeholt, die Frauen gewürdigt und das System untersucht, das zu ihrer Streichung führte.
Das Buch verbindet historische Analyse mit biografischem Erzählen: Lebensgeschichten von Frauen strukturieren den Text, ihre Illustrationen stehen, gedreht, rot und mit separaten Infotexten versehen, jeweils am Anfang der Kapitel. Diese Trennung betont ihre Präsenz, verlangsamt den Lesefluss und fordert eine bewusste Auseinandersetzung. Es ist mehr als eine Sammlung vergessener Namen. Es ist ein Schritt zur Rückeroberung dessen, was unterdrückt, ausgelassen und gelöscht wurde.
Kategorie: German Design Graduates
Navigating Nature
Navigating Nature beschäftigt sich mit der Entfremdung des Menschen von der Natur, die uns daran hindert, unsere Existenz als Teil eines Beziehungsgeflechts mit anderen Lebewesen und der Umwelt zu erkennen.
Auf einem vernetzten Planeten sind Designer*innen dazu aufgerufen, die Grenzen ihres Fachgebiets zu erweitern. Das Projekt untersucht, wie ökologisches Bewusstsein durch Achtsamkeitsprinzipien in das Wayfinding Design (Orientierungs- und Leitsysteme) integriert werden kann. Der Ansatz ist, dass Leitsysteme sich über die reine effiziente Wegführung von A nach B hinaus entwickeln können, um das Bewusstsein für den Weg selbst zu schärfen. Die Reise soll nicht nur dem Erreichen eines Ortes dienen, sondern dem Erleben der Phänomene, die unterwegs stattfinden.
Mithilfe von Literaturrecherche, Research through Design und phänomenologischen Methoden wurde ein konzeptioneller Rahmen für achtsames Wayfinding entwickelt, der in der Gestaltung von Schildern Anwendung findet, welche sensorische Erlebnisse als Orientierungspunkte einbeziehen.
Diese Arbeit versteht Design als Schaffung von Bedeutung statt von Objekten — ein Design, das unsere grundlegende Verbundenheit mit der natürlichen Welt fördert.
Affective touch in virtual spaces
Ist menschliche Berührung eine magische Verbindung, oder lässt sie sich auch in der virtuellen Realität simulieren? Einsamkeit ist ein wachsendes gesellschaftliches Problem, das sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigt. Die notwendigen zwischenmenschlichen Verbindungen fehlen in unserer digital vernetzten Welt. Affektive/emotionale Berührung, wie sanftes Streicheln, spielt eine zentrale Rolle bei der Bindung zwischen Menschen. Diese Form der Berührung aktiviert C-taktile Nervenfasern, die Signale an das Gehirn senden, um Oxytocin, das „Bindungshormon“, freizusetzen. Dies fördert soziale Nähe, senkt den Stresspegel und schafft ein Gefühl von Geborgenheit.
Bisher fehlten Technologien, die affektive Berührung authentisch simulieren können – die Lösung ist Affina, eine VR-haptische Jacke, die sanfte Berührung mit 128 taktilen Kontaktpunkten, Vibrationsmotoren, Heizspiralen und hautähnlichem Silikon simuliert. Die Technologie wird zwischen die Stofflagen eingenäht, ermöglicht eine einwandfreie Nutzung und erlaubt ein freies äußeres Design. Affina – ein Schritt in eine natürliche digitale Zukunft.
Konzeption neuartiger Greifsysteme auf Basis von Gelenkstrukturen aus Multi-Matrix-Faser-Kunststoff-Verbundmaterial
Das Ziel dieser Arbeit ist die explorative Untersuchung der Einsatzmöglichkeiten von Multi-Matrix-Faser-Kunststoff-Verbunden im Bereich softrobotischer Greifersysteme sowie die Umsetzung eines geeigneten Konzepts.
Nach einer umfassenden Recherche und der Analyse von bestehenden Softrobotiksystemen wurde entschieden, dass der Greifer die Funktion haben soll, Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Alltag zu unterstützen. Dazu wurden acht verschiedene Konzepte herausgearbeitet. Die umzusetzende Idee war ein Greifer, der sich mit einer Drehbewegung wie eine Blume schließen und öffnen kann. In mehreren Herstellungsversuchen wurden verschiedene Glasfaserformen getestet. Anschließend konnten damit Greiffinger hergestellt werden, die lokal biegeweiche Bereiche innerhalb einer sonst biegesteifen Struktur besitzen. Durch die Verbindung mit einem Motor und einer einfachen Ansteuerung ist ein Demonstrator entstanden, der unterschiedliche Objektgrößen sowie -formen greifen kann.
Erinnerungen an Erinnerungen
Eine persönliche Sammlung von Familienfotos bildete die Grundlage für das Projekt. Dieses Archiv fungiert als Aufbewahrungsort von Erinnerungen. Die Fotos sind repräsentativ für Familienfotos, die fast jeder hat. Ich hoffe, dass sich die Betrachter*innen meiner Arbeit in einigen dieser Momente wiederfinden.
Die entstandenen Textilien reaktivieren die Erinnerungen und erforschen sie. Sie erkunden Möglichkeiten, die Fotos zu verpixeln, zu verschieben oder zu überlagern. Auf diese Weise möchte ich das Gefühl einer sich auflösenden, verschwindenden Erinnerung visualisieren. Die Metapher der Verpixelung orientiert sich an der Funktionsweise des autobiografischen Gedächtnisses. Dort wird bei jedem Abrufen einer Erinnerung eine leicht veränderte Version abgespeichert, wodurch langfristig Verzerrungen der Erinnerung entstehen. So wie das autobiografische Gedächtnis kein genaues Bild der Vergangenheit wiedergibt, sind auch die Textilien eine neue Interpretation des einst Gewesenen.
Rugged Terrain
Mountainbike-Trails entstehen dort, wo Menschen Bewegung gestalten, Kultur vermitteln und Natur bewahren. Doch wie gelangen Werkzeuge, Materialien und Ausrüstung effizient an abgelegene Baustellen im Wald? Dort, wo verwurzelte Passagen, schlammige Pfade und dichtes Unterholz beginnen, endet die Reichweite klassischer Transportmittel.
Aus den Anforderungen dieser Praxis entstand ein Werkzeug, das die Mobilität eines MTB-Trailers mit der Vielseitigkeit einer Schubkarre vereint – modular, robust und leicht. Die verschraubte Konstruktion erlaubt Reparatur, Anpassung und sichert eine langlebige, ressourcenschonende Nutzung. Ein integrierter Dämpfer sorgt für Kontrolle im Gelände, zahlreiche Befestigungspunkte sichern auch sperrige Lasten.
Entwickelt im Dialog mit Trailbauer*innen, würdigt das Projekt ihre Arbeit – und zeigt, wie durch Gestaltung Verantwortung, Gemeinschaft und Naturverbundenheit gefördert werden können.
FLOCK
Schafwolle wird in Deutschland tonnenweise entsorgt, da sie für Kleidung zu grob ist. FLOCK erforscht das funktionale und ästhetische Potenzial verschiedener europäischer Schafwollen, um neue Wertschöpfungen zu erschließen. Durch robotische Fertigung entstehen gezielt weiche bis feste Zonen innerhalb eines Filzes – beliebig programmierbar in Mustern. Die entwickelte Filzmaschine und der Prozess erzeugen stabile dreidimensionale Filze, wodurch monomaterielle Objekte mit heterogenen Eigenschaften entstehen. Der direkte Faser-zu-Textil-Prozess überspringt Spinnen, Weben und Nähen und verkürzt so die Herstellung maximal. Er geht über die industrielle Fertigung synthetischer Filzbahnen hinaus, indem digitale Präzision auf die Flexibilität traditioneller Filztechniken trifft. Die gezielte Steuerung der Eigenschaften minimiert die Materialkomplexität, sodass Produkte im Einklang mit ökologischen Imperativen stehen. Der monomaterielle Hocker zeigt exemplarisch das Potenzial von Material und Technik.
Take a Seat
Take a Seat ist ein modulares Möbelsystem für die Gastronomie, das Kreislaufwirtschaft konsequent umsetzt. Die Möbel verbinden langlebige, sortenreine Materialien mit einem durchdachten Design, das Reparatur, Wiederverwendung und Rückführung erleichtert. Ein langlebiger Aluminiumverbinder ermöglicht die flexible Kombination verschiedener Gestelle und Oberflächen. Durch recyclingfähige Materialien wie Polypropylen-Rezyklat, Pulpe, PET-Vlies und FSC-zertifiziertes Holz sowie den Verzicht auf Verbundstoffe und Schadstoffe wird der gesamte Lebenszyklus ökologisch optimiert. Die Möbel lassen sich zerlegt transportieren, sind wartungsfreundlich und vollständig rückführbar. Ergänzt durch ein Rücknahme- und Mietmodell wird eine ressourcenschonende Nutzung gefördert. So entsteht ein ganzheitliches System, das Gestaltung als Werkzeug nutzt, um zirkuläre Produktkreisläufe im Gastgewerbe zu etablieren.
Piracema
Dieses Projekt wurde aus dem Wunsch heraus geboren, Kolumbien und Deutschland durch Design zu verbinden. In Zusammenarbeit mit der Firma Showroom 902 entwickelte ich für deren Marke QUINTA EDICIÓN ein neues Möbelprodukt, das nicht nur ästhetisch ansprechend ist, sondern auch das Potenzial beider Länder widerspiegelt.
Traditionell, zeitgenössisch und innovativ ist das Motto dieses Projektes. Kolumbianische und deutsche Einflüsse kombiniert in einem Design.
Migration fördert den kulturellen Austausch und eröffnet dadurch völlig neue Möglichkeiten. Dieser Stuhl schafft eine Brücke zwischen beiden Kulturen und verbindet das Gefühl von Heimat mit der Aussicht auf Integration im neuen Zuhause. Durch seine Gestaltung wird deutlich, wie Integration zu einem Erlebnis wird, das sowohl Traditionen als auch neue Wege eröffnet.
Heute gab es Fruchtjoghurt
Diese autobiographische Graphic Novel ist eine Sammlung von Kindheitserinnerungen.
Wie fühlt es sich an, in Armut aufzuwachsen, und inwiefern wirken sich die Erlebnisse auf das spätere Leben aus? In mehreren Kapiteln werden persönliche Erfahrungen erzählt, die unterschiedliche Aspekte von Armut im Alltag sichtbar machen.
Für eine bessere Verständlichkeit habe ich meine Zeichnungen mit kurzen, prägnanten Sätzen und einigen wenigen Sprechblasen ergänzt. Mir war es wichtig, keine Barrieren zu schaffen und die Geschichte für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. Durch reduzierte Sprache soll die Geschichte unabhängig von Bildungshintergrund oder Vorerfahrungen für alle lesbar und nachvollziehbar sein.