geōgraphia – A Systemic Perspective on Memory, Urban Change, and Human Behavior

GEOGRAPHIA untersucht, wie geografische Veränderungen menschliches Verhalten beeinflussen – und wie unser Verhalten wiederum Städte formt. Ausgangspunkt ist die Frage, wie unterschiedliche emotionale Erinnerungen an Orte bewahrt werden können, obwohl sich urbane Räume ständig verändern. Dafür verbindet das Projekt systemisches Denken, Zukunftsforschung und spekulatives Design mit einem partizipativen Workshopformat. Die Teilnehmenden kartieren Berlin in den Zeitebenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und machen Zusammenhänge zwischen Klima, Architektur, Mobilität und gesellschaftlichem Wandel sichtbar.

Aus diesen Erkenntnissen entsteht die spekulative Plattform „Future Feeling“, die emotionale Beziehungen zu Orten unabhängig von ihrer physischen Existenz archiviert und erfahrbar macht.

Das Projekt übersetzt komplexe urbane Wechselwirkungen in ein verständliches, interaktives Design und eröffnet neue Perspektiven für die Gestaltung lebenswerter Städte.

Vergänglichkeit im temporären Raum

Vergänglichkeit im temporären Raum wird durch ein begehbares Objekt aus zwei gespiegelten Elementen gezeugt. Durch unterschiedliche Anordnungen entstehen Räume zum Verweilen und Wahrnehmen. Das Objekt besteht aus einem biologisch abbaubaren, kreislauffähigen Material auf Basis regionaler Stärke. Bei Kontakt mit Wasser beginnt dessen Zerfall.

Nach zwei bis vier Tagen verbleiben kleine Materialelemente, die von Mikroorganismen zersetzt werden. Im Inneren befindet sich Saatgut der Pflanze, aus welcher das Material gewonnen wurde. Nach der Zersetzung liegt das Saatgut frei und kann anfangen zu keimen und der Rohstoffkreislauf erneut beginnen.

Eine Auseinandersetzung der Frage, wie Haltung gegenüber einer von Neuwertigkeit geprägten Gesellschaft genommen werden kann. Der Wunsch nach Zugehörigkeit, welcher oftmals mit Trends der Produktwelt erfüllt wird, lässt sich nicht sofort verändern. Es können jedoch verantwortungsvolle Alternativen geschaffen werden, die dieselben Bedürfnisse erfüllen.

Timeline

Wieso führen die vielen Möglichkeiten unserer Zeit zu so viel Kurzlebigkeit? „Timeline“ untersucht den Zeitgeist im Spannungsfeld von Konsumkultur und Design und formuliert eine bewusste Gegenposition.

Ausgehend von einer von Beschleunigung, Überforderung und ständigem Konsum geprägten Gegenwart versteht das Projekt Gestaltung als Werkzeug, um Qualität, Langlebigkeit und bewusstere Entscheidungen zu fördern. Gleichzeitig begreift es Design als kulturelle Praxis, die Zukunftsvorstellungen sichtbar machen, diskutieren und aktiv mitgestalten kann.

Diese Haltung manifestiert sich in einem Sessel, der nicht nur als handwerklich gefertigtes Objekt, sondern als symbolischer Träger einer Vision verstanden wird. Um ein Umdenken in der Beziehung zwischen Mensch, Objekt und Natur anzuregen und Gestaltung als Mittel zu begreifen, Gegenwart und Zukunft aktiv und positiv mitzugestalten und Visionen zu Visualisieren die ein Beständigeres Zukunftsbild tragen.

Coffee for a Cause

Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit aktuellen Problemen der Kaffeeindustrie und verfolgt das Ziel, Konsument:innen in konsumierenden Ländern für die Herausforderungen von Kaffeebauern und -arbeiter:innen zu sensibilisieren.

Zu diesem Zweck werden Informationen in Form von Geschirr visualisiert, das in Cafés eingesetzt wird. Auf Grundlage einer Umfrage, theoretischer Arbeiten zur ästhetischen Wahrnehmung sowie des Buches „Envisioning Information“ von Edward R. Tufte werden zweidimensional gestaltete Informationen in dreidimensionale Objekte überführt. Dadurch kommen Konsument:innen beim Kaffeekonsum unmittelbar mit den Inhalten in Kontakt. Das Design ist dabei provokativ, zugleich jedoch subtil und visuell ansprechend angelegt.

Entstanden ist eine Kollektion von Geschirr, die Funktion, Ästhetik und Informationsvisualisierung vereint. Das Projekt ist spekulativ konzipiert und zeigt das gestalterische Potenzial von Form, Farbe, Typografie sowie Keramik als Informationsträger.

Caring Forestry

„Caring Forestry – Wald gestalten durch Fürsorge“

Caring Forestry versteht Forstwirtschaft als pflegerische Praxis und die Beziehung von Mensch und Wald als gestaltbaren Prozess. Zwei Interventionen zeigen, wie sorgsame Eingriffe neue Perspektiven eröffnen: Der Rubus Spinner verwandelt Brombeerzweige, die junge Bäume überwuchern, in Verbissschutz. So wird das Störende zum Schützenden und Pflege mit Transformation verbunden.

Die zweite Intervention, die Habitatbaum-Orthese, fragt nach nachhaltiger Holzentnahme. Eine Stahlkonstruktion verankert gefällte Baumkronen wieder auf dem Stumpf, sodass sie als stehendes Totholz Lebensraum für Vögel, Pilze und Insekten bleiben.

Beide Werkzeuge verknüpfen forstliche Arbeit mit Gestaltung und schlagen eine Praxis vor, die ökologische Verantwortung und Fürsorge miteinander vereint – als Ausdruck eines respektvollen Umgangs mit dem Wald als Natur- und Kulturraum.

Proving Presence

Identität begleitet uns ein Leben lang und verändert sich mit jeder Erfahrung. Doch wie lässt sich etwas so fluides wirklich erfassen? Können Menschen durch feste Kategorien, wie Name und Geschlecht, definiert werden? Wie könnten Identitätssysteme in Zukunft Vielfalt und Wandel abbilden?

Gemeinsam mit der Bundesagentur für Sprunginnovationen haben wir uns diesen Fragen gestellt. SPRIND entwickelt derzeit Deutschlands EUDI Wallet – den digitalen Personalausweis, der den nächsten Schritt in der Entwicklung moderner Identifizierung darstellt.

Proving Presence erforscht die Zukunft unserer Identität und deren Feststellung anhand von zwei spekulativen Szenarien. Eine multimediale, interaktive Ausstellung regt zur Auseinandersetzung mit Fragen zu Datenschutz, Recht, Gemeinschaft, KI und Vertrauen an.

Haptische Diskursobjekte laden zur Reflexion ein und über Fragebögen haben BesucherInnen die Möglichkeit, ihre Perspektiven in die Entwicklung der EUDI Wallet einzubringen.

TraumweltRealität

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich mich intensiv mit dem Thema Utopie und Dystopie, Erinnerungskultur sowie dem Erhalt von Hoffnung und Kreativität in autoritären Gesellschaftsstrukturen auseinander gesetzt. Im Fokus stand die Frage, welche Rolle Design und Designer: innen in Krisenzeiten und möglichen Zukunftsszenarien einnehmen könnten.

Auf Grundlage aktueller globaler Herausforderungen entwickelte ich ein spekulatives Zukunftsszenario, in dem das Leben auf der Erdoberfläche unmöglich geworden ist und die Menschheit in unterirdischen Bunkerstädten lebt. Als räumliche Basis dient das Düsseldorfer U-Bahn Netz, das zu einem urbanen System weiterentwickelt wurde.

Darin konzipierte Erinnerungsräume, die kollektive Erinnerungen bewahren und Kreativität, Identität und Hoffnung innerhalb eines kontrollierten Systems fördern soll. Ergänzend entwickelte ich ein immersives Sounddesign, das durch liminale Räume gezielt eine dystopische Atmosphäre erzeugt.

Klolympia- Eine kritische Handreichung zur Nutzung der öffentlichen Toilette

Klolympia setzt sich kritisch mit der Gestaltung und Nutzung öffentlicher Toiletten in Berlin auseinander. Statt eine gestalterische Lösung zu präsentieren, macht diese spielerische Intervention soziale Ungleichheiten, Barrieren und etablierte Nutzungsrituale sichtbar. Im Rahmen einer fiktiven Olympiade werden alltägliche Toilettengänge zu performativen Disziplinen, die Humor, Bewegung und Kritik verbinden.

Phi verwandelt die Sitztoilette in eine akrobatische Höchstleistung und verweist auf erzwungene Fehl- oder Umnutzungen. Chi eröffnet durch eine Kletterkonstruktion neue Zugänge zum Pissoir und hinterfragt geschlechtsspezifische Ungleichheiten. Psi inszeniert den Toilettengang als öffentliche Performance und regt zur Auseinandersetzung mit Scham, Privatsphäre und sozialen Normen an.

Diese Handreichung lädt dazu ein, bestehende Vorstellungen von öffentlicher Toilettennutzung neu zu betrachten und weiterzudenken.

Formalästhetische Stigmatisierung?

„Formalästhetische Stigmatisierung?“ befasst sich damit, wie assistive Produkte Menschen im Alltag unterstützen, jedoch gleichzeitig körperliche Einschränkungen sichtbar machen. Das sanitäre, klinische Design von Standardprodukten macht sie oft zu Symbolen für Alter und Schwäche, weshalb viele Nutzer sie aus Angst vor Stigmatisierung ablehnen.

Drei spekulative Narrative untersuchen, inwieweit diese Produkte durch eine Neuinterpretation in neue Bedeutungskontexte überführt werden können, um zu ihrer Entstigmatisierung beizutragen.

Wert-Stoff-Hof

Wir Menschen brauchen Dinge und haben Dinge, die wir nicht brauchen. In unserer Welt, die von Konsum und medialer Inszenierung geprägt ist, stellt sich die Frage, wodurch der Wert von Objekten bestimmt wird. Die Art und Weise der Präsentation, der Verpackung, der Inszenierung in Zusammenhang mit einer Marke oder Person, das Konzept, die Aura (vgl. Walter Benjamin) oder persönliche Geschichten bestimmen den Wert des Gegenstandes für den Betrachtenden ausschlaggebend mit. Was ist dann aber der Wert eines Objekts ohne einen Betrachter, der es bewertet? Hat der Gegenstand Gedanken oder Gefühle? Eher nicht … dann ist da nur noch Material? Der Wert des Materials wird von der Gesellschaft bestimmt … 

Also macht das Sich-Spiegeln des Betrachtenden im Objekt doch den Wert des Gegenstandes aus.

Diese These ist in dem Modell aus einem Zwieback übersetzt, der von hinten beleuchtet wird, wodurch das Innere, die „Seele”, zusehen ist. Im Spiegel drumherum ist die Kontur des Betrachtenden zu sehen.