spekulatives design

Der Klimawandel, globale Ungleichheiten und gesellschaftliche Umbrüche verlangen nach politischen Maßnahmen und nach neuen Formen der Kommunikation. Wie Menschen über zukünftige Herausforderungen denken, hängt stark davon ab, wie diese Zukunft vermittelt wird.

Wissenschaftskommunikation steht heute vor der Herausforderung, Fakten glaubwürdig zu vermitteln und komplexe Systeme sowie langfristige Entwicklungen verständlich zu machen. Klassische Pressemitteilungen oder populärwissenschaftliche Artikel stoßen dabei oft an ihre Grenzen. Es braucht neue Formate, die die Zukunft weniger unvorhersehbar erscheinen lassen.

Im Fokus steht die Frage, wie Designer*innen gemeinsam mit Wissenschaftler*innen neue Vermittlungsformate entwickeln können, um einen aktiven Dialog über mögliche Zukünfte zu fördern. Fishtank ist ein Eventprototyp, der Designer*innen und Wissenschaftler*innen aller Sparten zusammenbringt und Spekulation als Mittel der Verständigung nutzt.

joymo – haptisch smarter Begleiter für den neurodiversen Alltag

Neurodivergente Gehirne funktionieren anders – sie verarbeiten Reize intensiver und benötigen oft besondere Formen der Unterstützung. Joymo ist ein haptisch smarter Begleiter, speziell entwickelt für Menschen mit ADHS.

Das Tool kombiniert taktile Vibration mit KI-gesteuerter Sprach- und Aufgabenunterstützung, um Stress abzubauen, Selbstregulation zu fördern und Orientierung im Alltag zu bieten. Er bietet emotionalen Support durch aufmunternde Worte, Hilfe bei Reizüberflutung durch Vibration und Strukturierung des Alltags in Micro Steps.

Wisma – A mobility concept for young professionals in an urban context of 2045

Ein Konzeptfahrzeug für die urbane Welt des Jahres 2045, entwickelt für junge Berufstätige, die Karriere und Privatleben miteinander vereinbaren. Es ist ein teilautonomer, privater Raum auf Rädern, der sich an seine Umgebung anpasst – und so mobiles Arbeiten, Entspannung und Momente der Inspiration von unterwegs aus unterstützt.

Die Nutzer leben in gemeinschaftlichen Park-Hubs, die über geteilte Küchen, Badezimmer und Freizeiträume verfügen.

Die Fahrzeuge sind um diese Gemeinschaftsbereiche herum angeordnet und verbinden Flexibilität, Unabhängigkeit und soziale Nähe für die Arbeitskräfte der Zukunft.

RTW 25

Die Kollektion „RTW 25“ definiert das Kleidungsstück als architektonisches Objekt neu: präzise, volumetrisch und radikal, aber dennoch im alltäglichen Tragen verankert. Inspiriert von Le Corbusiers Atelierwohnung in Paris und der Unité d’Habitation in Marseille übersetzt die Kollektion architektonische Prinzipien wie Modularität, Proportion und klare Linienführung in Kleidung. Anstatt die Tragbarkeit infrage zu stellen, verhandelt RTW sie neu. Kleidungsstücke werden hierbei nicht als statische Formen verstanden, sondern als Räume, die durch Bewegung und Nutzung bewohnt werden.

Durch experimentelle Handwerkskunst entstehen Silhouetten, die zwischen Weichheit und Struktur changieren, nah am Körper bleiben und gleichzeitig eine eigene räumliche Präsenz behaupten.

So verbindet das Projekt Handwerk, Schlichtheit sowie kühne Eleganz und eröffnet neue Perspektiven auf Mode, Raum und Tragbarkeit.

Tag des menschlichen Geistes. Ein spekulativer Ritualentwurf im Zeitalter der KI.

Künstliche Intelligenz ist längst Teil unseres Alltags. Trotzdem gibt es kaum Momente, in denen wir gemeinsam innehalten und darüber nachdenken, wie sie unser Verständnis vom Menschsein verändert.

„Tag des menschlichen Geistes“ ist ein spekulativer Feiertag, der genau dort ansetzt. Das Projekt entwirft eine neue rituelle Praxis für den Umgang mit KI. Während künstliche Intelligenz zunehmend Arbeit, Kreativität und Entscheidungen beeinflusst, erleben viele Menschen Verunsicherung, Kontrollverlust oder die Angst, ersetzbar zu werden.

Im Mittelpunkt steht das Gehirn als Symbol für Denken, Fühlen, Kreativität, Zweifel und Widersprüchlichkeit. Eine rosa-pinke Farbwelt setzt einen Gegenpol zu den kühlen Bildern technologischer Zukunft.

Zentrales Element ist das Ritual „Kaffee und KI“: Ein KI-Kuchen wird gemeinschaftlich mit den Händen gegessen. Der absurde Regelbruch macht Ängste und Spannungen sichtbar und lädt dazu ein, neu über das Verhältnis von Mensch und Technologie nachzudenken.

blau – Alkohol hinterlässt Spuren

Deutschland ist Hochkonsumland und die Folgen sind gravierend. Trotzdem ist Alkohol fest in unserer Gesellschaft verankert – kaum hinterfragt oder reguliert.

blau nimmt den Zustand des „blau seins“ wörtlich, nutzt die Farbe als Störfaktor und macht so die versteckten Spuren des Alkohols sichtbar. Ein manipuliertes Weinglas entlarvt den Mythos vom harmlosen Konsum: Sanduhrenförmig gestaltet, lässt es seinen Inhalt auslaufen. Ein Verweis auf die neuesten Warnungen von WHO und DGE: Es existiert kein risikofreier Alkoholkonsum.

Ein begleitendes Video zeigt die Allgegenwärtigkeit der Droge. Persönliche Kommentare verschiedener Menschen verdeutlichen: Hinter den Zahlen der Statistiken, stecken echte Geschichten.

blau nutzt Critical Design um anzuecken, eine ehrliche Debatte anzustoßen und endlich ein realistisches Bild vom Alkohol zu zeigen.

On the Future of Grief: An Exploration on Mourning in the Digital Age.

Trauer ist universell, aber die Orte, an denen wir trauern, verschwinden. Menschen ziehen weg, Familienstrukturen lösen sich auf, Friedhöfe werden seltener besucht. Soziologe Thorsten Benkel nennt dieses Phänomen die „Delokalisierung der Trauer”. Vor diesem Hintergrund fragt die Arbeit, wie digitale Räume neue Formen des Erinnerns, Trauerns und der Verbindung ermöglichen können.

Psychologisch wird Trauer als dynamischer Prozess zwischen Verlust- und Wiederherstellungsorientierung verstanden (Dual-Prozess-Modell, Stroebe & Schut, 1999).

Die Arbeit folgt methodisch einem theoriegeleiteten HCI-Designansatz an der Schnittstelle von Psychologie, Anthropologie und Human-Computer Interaction und resultiert in einem konzeptionellen Prototyp mit drei Funktionen: ein nichtlineares Erinnerungsarchiv, ein weiches haptisches Kissen das Atemübungen körperlich erfahrbar macht, und regenerative Impulse für Offline-Rituale – ein Entwurf dafür, wie Trauer im digitalen Zeitalter aussehen könnte.

Navigating futures with data visualization

„Navigating futures with data visualization“ untersucht die Rolle von Unsicherheiten in der Datenvisualisierung. Während Daten oft als absolute Wahrheit wahrgenommen werden, sind sie in der Realität von Unwägbarkeiten geprägt. Die Arbeit identifiziert diese Faktoren und organisiert sie in einer visuellen Pipeline, um zu zeigen, wie Unsicherheiten auf jeder Stufe der Visualisierung eingewoben sind.

Es wird argumentiert, dass Gestalter diese Unsicherheit als produktives Element nutzen können, um über Zukünfte zu spekulieren und Visualisierungen in ein Medium für Diskussion und Interpretation zu verwandeln. Dies wurde beispielhaft in einer Designstudie für einen Waldbesitzer erprobt: Eine digitale Plattform kommuniziert mögliche Zukunftsszenarien des Waldes an die betroffene Gemeinschaft, um die kritische Daten- und Zukunftskompetenz in einer datengetriebenen Welt zu stärken.

Is this still me or where do I end?

Der Aufstieg von LLMs verändert die Märkte für digitale Dienstleistungen grundlegend. Dahinter lässt sich ein Paradigmenwechsel von konventionellen grafischen Benutzeroberflächen hin zur Konversation beobachten: Sprache wird zu einem Interaktionsmuster. Mit diesem Wandel verändert sich auch die ökonomische Logik. Anstatt Aufmerksamkeit zu monetarisieren, beginnen Unternehmen, die Entstehung von Intentionen zu monetarisieren. Insbesondere ergebnisorientierte Märkte schaffen Anreize für Manipulation und erweitern den Raum für manipulative Einflussnahme durch interpretative Mehrdeutigkeit, den wechselseitigen Gesprächsverlauf und Hyperpersonalisierung.

Diese Arbeit leistet einen zweifachen Beitrag: Erstens wird der Raum für Manipulation durch ein Framework möglicher Manipulationsformen strukturiert. Zweitens werden mithilfe eines spekulativen Ansatzes und einer Design Fiction die Auswirkungen dieser manipulativen Einflussnahme im Kontext mobiler Betriebssysteme erfahrbar gemacht, mit dem Ziel, eine Diskussion über ihre Implikationen anzustoßen: Der Ort der Kontrolle verschiebt sich vom Nutzer zum System und erzeugt unmittelbare kulturelle und wirtschaftliche Auswirkungen, da sich Marktmacht in einer einzigen Interaktions- und Orchestrierungsebene konzentriert.

Digitales Dopamin – Ein konzeptioneller Entwurf zur digitalen Verhaltensintervention

Unsere Mobiltelefone haben sich von einfachen Kommunikationsmitteln zu multifunktionalen Geräten entwickelt, die zahlreiche Anwendungen und Dienste vereinen (von Sydow & Börner, 2018). Mit der fortschreitenden Digitalisierung steigen die Erwartungen an Effizienz und Funktionalität. Gleichzeitig weisen immer mehr Studien auf Herausforderungen hin, die mit intensiver Smartphonenutzung verbunden sind. Daher fordern Forschende Interventionsansätze, die diesen Entwicklungen entgegenwirken.

Diese Bachelorarbeit greift das Thema aus gestalterischer Perspektive auf. Auf Basis einer Literaturrecherche, der Analyse gestalterischer Prinzipien und der Untersuchung von Nutzungsmustern wird ein Konzept für ein digitales Interventionssystem entwickelt. Ziel ist es, eine methodische Grundlage zu schaffen, die nicht nur Symptome reduziert, sondern die gestalterischen und strukturellen Mechanismen adressiert, die das Verhalten im digitalen Raum beeinflussen.