Tradition als Ressource: Wege zur Wiederbelebung vergessener Handwerkstechniken Wie können traditionelle Handwerkstechniken Antworten auf aktuelle Herausforderungen nachhaltiger Mobilität liefern? Das Projekt überträgt die Skin-on-Frame-Bauweise des Inuit-Umiaks in ein zeitgenössisches Lastenradkonzept. Entstanden ist eine leichte Transportstruktur aus Holz und Metall, umspannt von einer textilen Haut. Inspiriert von historischen Konstruktionsprinzipien verbindet der Entwurf Materialeffizienz, Reparierbarkeit und eine klare Formensprache. Statt auf komplexe Systeme und immer neue Materialien zu setzen, nutzt das Konzept vorhandenes Wissen und übersetzt es in einen modernen Nutzungskontext. Das Projekt versteht Tradition nicht als Rückblick, sondern als Quelle für Innovation. Es zeigt, wie vergessene Handwerkstechniken neue Perspektiven für nachhaltiges Produktdesign eröffnen und einen Dialog zwischen kulturellem Erbe und zukünftiger Mobilität schaffen.
Kategorie: industrial design
Kleine Veränderung, große Wirkung – Ein Halterungssystem für mehr Sicherheit und Übersicht bei der Medikamentenvorbereitung
Das Projekt untersucht, wie kleine gestalterische Eingriffe den anspruchsvollen Klinikalltag spürbar erleichtern können. Entstanden ist ein ergonomisches Halterungssystem für 50-ml-Perfusorspritzen, das Sicherheit, Übersicht und intuitive Handhabung vereint.
Basierend auf der Analyse realer Arbeitsabläufe unterstützt die Halterung das Ablegen, Aufnehmen und Bereitstellen von Spritzen während der Medikamentenvorbereitung. Als unauffällige Unterstützung im Hintergrund trägt sie dazu bei, Arbeitsprozesse sicherer und effizienter zu gestalten.
viriditas
Entwicklung regionaler Teekulturprodukte: Das Tee-Ensemble viriditas vereint regionale Heilkräuter, sinnlich erfahrbare Gefäße aus gegossenem Porzellan & bewusstes Genießen. Die Zange (Messing, feuerverzinnt) bildet dabei das gestalterische Plus: Sie ermöglicht das behutsame Einfüllen der Kräuter und unterstützt dabei, den Moment achtsam wahrzunehmen.
Mit jedem Gebrauch wird das Anrichten der Kräuter zum Kreieren eines kleinen, immer neuen Arrangements. So wird aus der Teezubereitung eine wertvolle Pause, die dazu anregt, innezuhalten und dem Alltäglichen Wertschätzung entgegenzubringen.
KUMO
KUMO ist ein modulares Beleuchtungssystem, welches technische Präzision mit einer weichen, fließenden Erscheinung verbindet. Es bildet Kompositionen, die von kleinen zu größeren räumlichen Anordnungen wachsen und sich in verschiedene Winkel und Richtungen ausdehnen. Basierend auf zwei Grundmodulen – einem geraden und einem halbkreisförmigen Modul.
Ein Aluminiumrahmen aus Rundstäben und CNC-gefrästen Endplatten integriert Magnete und Pogo-Pins. Diese ermöglichen eine elektronische Verbindung zwischen den Modulen. LED-Streifen verlaufen durch das System und sorgen für ein durchgehendes 360-Grad-Licht. Ein maßgefertigter Silikondiffusor um die LED streut und reflektiert das Licht und eine eigens entwickelte, maschinell gestrickte Außenhülle aus dünnem Nähgarn erzeugt einen nostalgischen Effekt, der die Alukonstruktion hervorhebt.
KUMO bewegt sich zwischen Struktur und Atmosphäre. Es zeigt neue Wege, Licht und schmückenden Charakter in Räumen, und vor allem leblose Wandfläche zu nutzen.
MultiLine
Die MultiLine ist eine in Kooperation mit der Allgaier GmbH entwickelte Exportverpackung aus expandiertem Polystyrol (EPS), die konventionelle Holzkisten hinterfragt. Das Projekt untersucht, wie sich bestehende Materialströme durch intelligentes Design, Leichtbau und Kreislauffähigkeit neu denken lassen.
Entstanden ist ein modulares Verpackungssystem aus sortenreinen EPS-Platten und additiv gefertigten Verbindern, das flach transportiert, werkzeuglos montiert und zerstörungsfrei demontiert werden kann. Durch die konsequente Trennung aller Komponenten bleiben die Materialien sortenrein und potenziell wiederverwertbar. Gleichzeitig reduziert das geringe Eigengewicht Transportaufwand und Handlingkosten.
MultiLine versteht Verpackung nicht als kurzlebiges Verbrauchsprodukt, sondern als wiederverwendbares System an der Schnittstelle von Logistik, Materialkreislauf und Produktdesign.
Cyanocaptor_Blaualgenernte in Seen
Massiver Nährstoffeintrag und klimabedingte Erwärmung führen im Sommer zur Eutrophierung und zu toxischen Blaualgenblüten, die Binnengewässer ökologisch kollabieren lassen und Erholungsräume entfallen lassen. Vor diesem Hintergrund entstand der Cyanocaptor: ein spezialisiertes System zur Gewässersanierung, das die Entlastung aquatischer Ökosysteme mit der Rückgewinnung wertvoller Ressourcen verbindet.
Der Cyanocaptor basiert auf einem modularen System, dessen Segmente über eine Bajonettkupplung flexibel zu jeder gewünschten Gesamtlänge verbunden werden können. Der Kern ist ein flexibler Dreirohr-Verbund (Ballast- und Auftriebskammern) mit einer Außenspirale, die sowohl Wellen ausgleicht als auch Treibgut abhält. Über eine am Barriereende angeschlossene Wasserpumpe werden die Algenmatten über die gesamte Länge abgesaugt.
Der Entwurf schließt den Kreislauf konsequent: Das Produkt besteht aus genau den algenbasierten Biokunststoffen, deren Rohstoff es erntet.
Be Water
Ein physisch-digitales Desktop-Gerät für mentale Fitness, emotionale Regulierung und Produktivität. Viele Menschen erleben Angstzustände, Prokrastination und Konzentrationsverlust durch ständige Informationsüberlastung und selbstgemachten Druck.
„Be water“ ist sowohl eine Lebensphilosophie als auch ein Gestaltungsansatz, der zu Flexibilität und Anpassung in verschiedenen Situationen anregt. Verschiedene Aggregatzustände von Wasser werden in physische Formen übersetzt, um emotionale und verhaltensbezogene Übergänge während des Arbeitstages zu unterstützen.
KRITERIUM
In meinem Mater Projekt entwickelte ich einen individuell angepassten Fahrradsattel, der Komfort, Gesundheit und digitale Fertigung vereint. Kern der Innovation ist ein von mir entwickeltes Scanverfahren: Auf einem Dummysattel wird ein spezielles Material eingesetzt, das sich durch Körperwärme verfärbt. Beim Probesitzen entsteht so ein thermisch erzeugter Abdruck der individuellen Belastungszonen. Dieser Abdruck wird optisch erfasst und digital ausgewertet, wodurch die tatsächliche Sitzposition und Druckverteilung direkt auf dem Fahrrad sichtbar werden.
Auf Basis dieser Daten wird die Satteloberfläche kundenspezifisch erzeugt. Das Endprodukt ist ein mittels Lineardruckverfahren hergestellter 3D-gedruckter Fahrradsattel, der sich kostengünstig und direkt vor Ort fertigen lässt.
Das Verfahren ersetzt die bisher übliche Suche nach dem passenden Sattel durch eine datenbasierte, individuelle Anpassung und bietet insbesondere bei gesundheitlichen Einschränkungen eine neue Lösung.
Timeline
Wieso führen die vielen Möglichkeiten unserer Zeit zu so viel Kurzlebigkeit? „Timeline“ untersucht den Zeitgeist im Spannungsfeld von Konsumkultur und Design und formuliert eine bewusste Gegenposition.
Ausgehend von einer von Beschleunigung, Überforderung und ständigem Konsum geprägten Gegenwart versteht das Projekt Gestaltung als Werkzeug, um Qualität, Langlebigkeit und bewusstere Entscheidungen zu fördern. Gleichzeitig begreift es Design als kulturelle Praxis, die Zukunftsvorstellungen sichtbar machen, diskutieren und aktiv mitgestalten kann.
Diese Haltung manifestiert sich in einem Sessel, der nicht nur als handwerklich gefertigtes Objekt, sondern als symbolischer Träger einer Vision verstanden wird. Um ein Umdenken in der Beziehung zwischen Mensch, Objekt und Natur anzuregen und Gestaltung als Mittel zu begreifen, Gegenwart und Zukunft aktiv und positiv mitzugestalten und Visionen zu Visualisieren die ein Beständigeres Zukunftsbild tragen.
Umbra
„Form folgt Funktion – und Funktion dem Bedarf.“ Doch dieser wird oft als etwas Äußeres verstanden.
Nachhaltiges Design fragt: Können nicht auch innere Bedürfnisse Ausgangspunkt sein? Umbra ist eine textile Antwort auf emotionale Bedürfnisse und eine bewusste Auseinandersetzung mit Material und Herkunft. Die 5 cm dicke Schurwolldecke (210 × 180 cm) enthält eine flexible Drahtstruktur und lässt sich zum Sessel oder zur Sitzfläche formen, für Momente des Alleinseins oder des Zusammenseins mit anderen. Sie bietet individuelle Geborgenheit und gewohnte Formen, während sie zugleich soziale Begegnung ermöglicht.
Im experimentellen Designprozess wird erforscht, wie Rohwolle als nachhaltiges Material neu gedacht werden kann. Tradition und zeitgenössisches Design verbinden sich zu funktional-emotionalen Objekten. Die Nutzung von Rohwolle verhindert Verschwendung und bewahrt Handwerkskunst und Wollverarbeitung vor dem Vergessen.