Spurensammler – Eine Materialgeschichte

Unsere Alltagsgegenstände sind heute meist auf Kurzlebigkeit ausgelegt: Sie werden kostengünstig produziert und ersetzt, sobald erste Gebrauchsspuren sichtbar werden. Kratzer, Dellen oder Abnutzung gelten häufig als Makel. Doch was wäre, wenn genau diese Spuren den Wert eines Objekts steigern und es durch seine Nutzung persönlicher und bedeutungsvoller machen?

Das Projekt untersucht diese Frage anhand von experimentellen Arbeiten mit Zinn-Guss in MDF-Formen. Als weiches und leicht verformbares Material reagiert Zinn unmittelbar auf Berührungen und Gebrauch. Die drei entstandenen Gebrauchsgegenstände Leuchte, Becher und Karaffe entwickeln sich mit jeder Nutzung weiter und werden zu persönlichen Begleitern, die Erinnerungen speichern, statt Perfektion vorauszusetzen. Ihr Design wird dabei nicht als fertiges Ergebnis verstanden, sondern als offener Prozess. Die NutzerInnen werden zu Mitgestaltenden, deren Spuren dauerhaft sichtbar bleiben und die Geschichte der Objekte fortschreiben.

The Interval Organ

„The Interval Organ“ ist eine investigative Arbeit, die Schnittstelle zwischen Traum und Bewusstsein. Im gestalterischen Prozess entstand eine mediale Installation aus VR-Erfahrung und Bildschirmarbeiten, die das Phänomen der Schlafparalyse in eine abstrakte, räumlich erfahrbare Form überträgt.

Im Zentrum entfaltet sich mithilfe von VR, ein pulsierendes Konstrukt das auf medizinischen Parametern basiert und körperliche Vorgänge in eine eigenständige visuelle Sprache übersetzt.

Ziel der Arbeit ist es, eine unsichtbare Zwischenwelt sichtbar zu machen und einen emotionalen Zugang zu einem schwer greifbaren und oft missverstandenen Phänomen zu eröffnen.

Zeit in Form

Zunächst handelt es sich augenscheinlich um eine gewöhnliche Stabkerze. Doch sobald die Kerze angezündet wird, wird ein Zeitfenster geöffnet, in dem es zu einem bilanzierenden Ablauf kommt, wie man ihn auch von der Sanduhr kennt: es kommt zu einem Übergang der verbleibenden in vergangene Zeit. Das weiße Wachs der Kerze steht damit für die verbleibende Zeit, während ein schwarzer Kohlestab, der sich analog zur abbrennenden Kerze nach oben schiebt, die vergangene Zeit sichtbar macht. Die Flamme der Kerze bewegt sich somit nicht wie üblich immer weiter nach unten, sondern bleibt während der gesamten Brenndauer auf derselben Höhe.

So ergibt sich bei der Nutzung des Objekts immer wieder dieser unerwartete Moment, in dem die Kerze nicht wie üblich herunterbrennt, sondern die verstrichene Zeit wird sichtbar und es bleibt eine exakte Spur, eine exakte Umkehrung von Zukunft in Vergangenheit.

Das Objekt ist rein analog und basiert auf einfachen physikalischen Prinzipien.

The Joy of Making

In einer Zeit, in der Entwurfsprozesse zunehmend optimiert und rationalisiert werden, untersucht The Joy of Making den Wert des offenen Machens. Aus einem freien Prozess entstanden drei faltbare Möbelstücke, deren Konstruktionen nicht vorab feststanden, sondern sich während des Entwerfens entwickelten. Begeisterung für Materialien, Bewegungen und konstruktive Details wurde dabei zum Kompass des Prozesses.

Anstatt Komplexität zu reduzieren, macht das Projekt sie sichtbar. Faltungen, Spannungen und Mechanismen bleiben nachvollziehbar und laden zur Interaktion ein. Die Möbel offenbaren ihre Funktionsweise durch Benutzung und zeigen, wie aus Experiment, Materialdialog und handwerklicher Neugier verständliche Lösungen entstehen können. The Joy of Making versteht Gestaltung als einen Prozess, in dem Sinn nicht ausschließlich geplant wird, sondern sich im Machen selbst entfaltet.

INTERTWINED

INTERTWINED betrachtet Design als Verantwortung zur Gestaltung ganzheitlicher Prozesse, interdisziplinärer Perspektiven und nachhaltiger Produkte. Die Arbeit untersucht das Potenzial gewachsener Materialien aus Pflanzenwurzeln und Pilzmyzel als Alternative zu Kompositwerkstoffen. Dabei entstehen neue Materialien durch Interaktion von Gestaltung und lebenden Organismen. Diese Organismen dienen als Materialquelle, Strukturgeber und sind aktiver Teil des Herstellungsprozesses. Das Zusammenspiel von kontrollierten Wachstumsbedingungen und natürlich entstehenden Strukturen, im Spannungsfeld zwischen Design, Biologie und Materialwissenschaft, bestimmt dabei die Form.

Die Objekte, Wohntextilien aus Pflanzenwurzel-Komposit und ein Tisch aus Myzel-Komposit, verbinden Funktionalität und Ästhetik. Sie zeigen das Potenzial einer ganzheitlichen, ressourcenschonenden Materialkultur im Design und machen die Vielschichtigkeit des Prozesses intuitiv erfahrbar und durch Material-Authentizität sichtbar.

Ich Holz, also bin ich. Materialästhetische Potenziale entlang der Holzkaskade

Die nachhaltige Nutzung von Holz gewinnt im Kontext der Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Die Kaskadennutzung verfolgt das Ziel, Holz über mehrere Nutzungsphasen hinweg möglichst lange stofflich zu verwenden, bevor es energetisch verwertet wird. Dabei entstehen entlang der Wertschöpfungskette zahlreiche Rest- und Nebenprodukte, deren Potenziale häufig ungenutzt bleiben.

Diese Arbeit untersucht die Holzkaskade aus gestalterischer Perspektive und fragt, welche Qualitäten in den Materialien der einzelnen Zwischenstufen verborgen liegen. Dazu wurden verschiedene Materialströme sowie deren Bearbeitungs- und Fertigungsverfahren analysiert.

Im Fokus steht die Verbindung von Material und Verfahren: Ausgehend von charakteristischen Reststoffen werden geeignete Verarbeitungsstrategien entwickelt, um neue Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Ergebnisse werden in Form von fünf Hockern präsentiert. Jeder Hocker repräsentiert eine Zwischenstufe und macht die Transformation sichtbar.

soft seating

Es geht um Sitzmöbel, die ohne den Einsatz von Schaumstoffen auskommen. Es gilt alternative Materialien und Techniken zu erkunden, die sowohl ästhetischen Mehrwert haben als auch funktional und innovativ sind.

Es geht um den Verzicht auf herkömmliche, synthetische Polstermaterialien, um die Vermeidung von Materialmix, die Reduzierung von Umweltbelastung und Recycling.

MENSCH UND DING. Gestaltung im Dazwischen

Warum behalten wir Dinge, die keinen messbaren Nutzen haben? Weil Sinn oft jenseits von Funktion und Materialwert entsteht. Objekte, die uns langfristig begleiten, werden zu materiellen Speichern für Beziehungen, Erinnerungen und wiederkehrende Handlungen.

Auf Basis eines offenen Archivs unterschiedlicher Objektbiografien untersucht die Arbeit diese alltägliche Form der Sinnproduktion. In einem Prozess der schrittweisen Dekonstruktion werden die Ursprungsformen systematisch zerlegt und ihren funktionalen wie symbolischen Typologien entzogen. Diese gestalterische Transformation übersetzt unbewusste Alltagsgesten in neue, abstrakte Formangebote.

Das Ergebnis umfasst physische Objekte. Als liminale Artefakte entziehen sie sich jeder eindeutigen Zuschreibung – ihre Bedeutung erschließt sich erst im Dazwischen der Interaktion. Gestaltung wird hier zur Praxis des Sichtbarmachens: Sinn entsteht im Vollzug der Beziehung zwischen Mensch und Ding.

Controlled Collapse: Gestaltung hybrider Materialien

Das Projekt erforscht neue Möglichkeiten nachhaltiger und materialbewusster Fertigung, indem biobasierte Materialien und keramischer 3D-Druck kombiniert werden. Dabei entsteht ein experimenteller Herstellungsprozess, der gezielt mit dem Einfluss der Schwerkraft auf das Material arbeitet.

Im Zuge der Verlagerung des Fachbereichs Materialdesign in die Räumlichkeiten der Höchster Porzellanmanufaktur wurde die dort verwendete Schlickergussmasse für den 3D-Druck angepasst und weiterentwickelt. Dabei wird das Material im Prozess nicht nur verarbeitet, sondern auch in seinem Verhalten untersucht.

Schwerkraft, Feuchtigkeit und Zeit beeinflussen dabei die entstehenden Formen. Stützstrukturen aus biologisch abbaubarem Schaum stabilisieren die Porzellanmasse, sind in Wasser löslich oder verbrennen rückstandslos im Ofen.

LUMENS

LUMENS ist ein experimentelles Fotobuch, das sich an der Schnittstelle von Mode, Theorie und visueller Erzählung bewegt. Es erzählt die Geschichte einer fiktiven Spezies, die in einer post-anthropozänen Welt existiert. Die Arbeit fragt danach, was es bedeutet, heute ein Mensch zu sein, inmitten ökologischer Krisen, sozialer Umbrüche und technologischer Transformationen. Dabei nutzt LUMENS die Ästhetik und Haltung der Punk-Subkulturen und Donna Haraways biologische Wissenschaftstheorien Unruhig Bleiben und A Cyborg Manifesto als theoretisches Fundament.