Der oder die Löffel

Diese Arbeit untersucht den Löffel durch handwerkliche Praxis als kulturell und symbolisch aufgeladenen Alltagsgegenstand. Ausgangspunkt ist das experimentelle Arbeiten in unterschiedlichen Materialien und Werkstätten. Entwurf und Herstellung sind dabei untrennbar miteinander verschränkt; Erkenntnisse entstehen im direkten Umgang mit Material, Werkzeug und Prozess.

Im Verlauf der Arbeit entsteht eine Sammlung handgefertigter Löffel, die nicht als Produktserie, sondern als offenes Forschungsensemble verstanden wird. Erst durch begleitende Recherche verdichtet sich die Sammlung zu einem kuratorischen Konzept: Sprachliche Redewendungen und metaphorische Ausdrücke rund um den Löffel werden zum ordnenden Prinzip der Arbeit. Jeder Löffel steht in Beziehung zu einer Redewendung und übersetzt deren immaterielle Bedeutung in Material, Form und handwerkliche Geste.

Die Arbeit mündet in einem Ausstellungskonzept, in dem Objekt, Sprache und Handlung zusammengeführt werden.

FLUX FORM — Robotic Biogel Printing

Material speichert Information. Ausgehend von dieser These untersucht Flux Form, wie Biogel experimentell robotisch verarbeitet werden kann, um gezielt unterschiedliche Materialqualitäten zu erzeugen. Ein Setup aus Pumpe und Roboter ermöglicht serielle Probenentwicklung mit variablen Faktoren; gedruckt wurde auf Kunststoffträger, Textil und Garn.

Als Anwendungsfall entstand ein System für Orthesen: hautverträglich, biologisch abbaubar, individuell in der Form. Druckdichte reguliert Flexibilität, parametrisch definierte Freiflächen ermöglichen die Einbettung flexibler Elektronik oder Sensorik. Funktion ergibt sich durch den Materialauftrag selbst. Viskosität, Körper und Maschine bestimmen die Form.

Ansammeln, Aufbewahren, Kuratieren, Teilen und Löschen – Zum Wandel der Kulturpraktiken des Sammelns und Löschens im Kontext der Digitalität

Das Sammeln gehört zu den ältesten Praktiken des Menschen. Sammlungen bewahren Erinnerungen und sind Ausdruck individueller wie kollektiver Identität. Mit der Digitalisierung existieren Sammlungen zunehmend in digitaler Form. Dadurch verändern sich die Bedingungen, unter denen Sammlungen existieren: das Streaming verändert zum Beispiel bisher bestehende Besitzverhältnisse, Algorithmen beeinflussen Auswahl und Geschmacksbildung, und stetig wachsende Datenmengen führen bei vielen Nutzern durch Überforderung zu digitalem Horten.

Die Masterarbeit untersucht den Wandel der Praktiken des Ansammelns, Aufbewahrens, Kuratierens, Teilens und Löschens im digitalen Zeitalter. Ausgehend von Alltags-Phänomenen im Umgang mit privaten digitalen Sammlungen wie Fotos, Musik, Kommunikation und Gaming werden diese Veränderungen beobachtet und eingeordnet. Ziel der Arbeit ist es, einen kulturellen Referenzrahmen zu entwickeln und daraus relevante Handlungs- und Gestaltungsfelder für das Design abzuleiten.

Typologies of temporality. A material research.

„Die Welt ist voller Objekte, mehr oder weniger interessant, ich möchte keine weiteren hinzufügen“ – Douglas Huebler

Dieses Zitat diente als Ausgangspunkt für ein Objekt, das sich bewusst mit Vergänglichkeit auseinandersetzt und Zeitlichkeit als gestalterisches Potenzial begreift. Es basiert auf einem biobasierten Material aus Kasein, inspiriert vom historischen Galalith. Im Rahmen der Materialentwicklung wurde auch dessen Eignung für den 3D-Druck untersucht. Das Material ist vollständig kompostierbar und frei von schädlichen Zusatzstoffen. Asche dient als Füllstoff und verleiht der Arbeit sowohl materielle als auch symbolische Bedeutung.

In Anlehnung an das barocke Konzept der Vanitas setzt sich das Objekt mit den Themen Sterblichkeit, Erinnerung und Konsum auseinander. Die Asche der Verstorbenen wird Teil des Objekts selbst und verwandelt es in ein zeitgenössisches Memento Mori. Als Erinnerungsstück für die Hinterbliebenen konzipiert, kann es im eigenen Garten vergraben werden und fungiert als poetische Brücke zwischen Leben und Tod.

Dialog als Tool – Fragen an die Ausstellung und das Museum der Zukunft

„Dialog als Tool“ ist ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt zur Frage, wie Kunstmuseen und Ausstellungen zukünftig zugänglicher, relevanter und gesellschaftlich wirksamer gestaltet werden können. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Museen zu den wenigen öffentlichen Orten gehören, an denen Menschen unterschiedlichen Perspektiven, Lebensrealitäten und Sichtweisen begegnen.

Das Projekt versteht Ausstellungsgestaltung als Werkzeug, um Dialog, Empathie und Austausch zu fördern. Statt primär auf Wissensvermittlung zu setzen, untersucht es das Potenzial emotionaler Zugänge, gemeinsamer Erfahrungen und offener Prozesse, die Besucher*innen Anknüpfungspunkte zur eigenen Lebensrealität bieten.

Die Arbeit umfasst eine Buchpublikation mit Recherche, Interviews, interaktiven Fragen und einem Szenografie-Handbuch sowie eine raumgreifende Installation. Sie entwickelt neue Ansätze für Ausstellungen als Räume gesellschaftlicher Begegnung.

Arondeus Widerstand

„Arondeus Widerstand“ ist ein künstlerisch-forschendes Masterprojekt zur Frage: Wie kann künstlerische Forschung die Resilienz queerer Menschen angesichts Rechtsruck, Unsicherheit und Diskriminierung stärken?

Ausgangspunkt ist Willem Arondeus, offen homosexueller Künstler und Widerstandskämpfer, der sich dem Nationalsozialismus widersetzte. Seine Biografie dient als Referenz für queeren Widerstand über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Das Projekt verbindet Recherche, Fotografie, Interviews, Drag-Performance und Workshops. „Links vor Rechts“ porträtiert queere Aktivistinnen und untersucht Resilienz im Alltag. „Drag Resistance“ übersetzt Arondeus in eine Drag-Performance als verkörperte Widerstandspraxis. „Queere Zukünfte“ nutzt Design Futuring für kollektive Zukunftsszenarien.

Resilienz wird als soziale Praxis verstanden, die durch Community, Sichtbarkeit und Solidarität entsteht. Ziel ist es, künstlerische Formate als Werkzeuge für Widerstand und Zukunftsgestaltung zu erproben.

ALONG THE MARGIN TERRITORIES OF NATURE

Fernando de Noronha, eine abgelegene brasilianische Insel und UNESCO-Welterbestätte, steht aufgrund von Tourismus, begrenztem Raum und der Abhängigkeit von der Infrastruktur des Festlands vor großen Herausforderungen im Abfallmanagement. Dieses Projekt untersucht, wie Produktdesign die Beziehungen zwischen Konsum, Abfall, Gemeinschaftspraktiken und ökologischer Verantwortung auf Tourismusinseln sichtbar machen kann.

Unter Verwendung eines planeten-zentrierten und spekulativen Designansatzes kombiniert die Forschungsarbeit Workshops, Umfragen und die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, um Recyclingpraktiken zu kartieren, Barrieren zu identifizieren und Chancen für Veränderungen aufzudecken. Design erleichtert dabei den Dialog zwischen Bewohnern, Besuchern und Akteuren der Abfallwirtschaft.

Das Ergebnis ist ein modulares Recyclingsystem, das aus lokalem Plastikmüll entwickelt wurde, unterstützt durch einen partizipativen Designprozess, der Stoffströme und lokale Probleme greifbarer macht. Das System kann von der Nutzung im Haushalt bis hin zur Sammlung auf Gemeindeebene angepasst werden, was zirkuläre und lokal angepasste Zukünfte fördert.

Internet as Archive

Internet as Archive untersucht das Internet aus der Perspektive des Archivs und fragt, welche Mechanismen Wissen online sammeln, ordnen und zugänglich machen. Ausgehend von der Analyse archivarischer Systeme zeigt die Arbeit, dass Suchmaschinen, Plattformen und algorithmische Kuratierung den Zugang zu Informationen organisieren, ihre zugrunde liegenden Strukturen jedoch weitgehend unsichtbar bleiben. Wissen erscheint dadurch häufig als Trefferliste oder einzelne Antwort, während Abhängigkeiten und Zusammenhänge verloren gehen.

Als Gegenentwurf zu diesen linearen Wissensordnungen entstand ein digitales Archiv, in dem ein interaktiver Netzwerkgraph als primäre Wissensordnung dient. Er macht Begriffe, Kontexte und Beziehungen als zusammenhängendes System erfahrbar und ermöglicht eine explorative Navigation, die eigene Wege durch das Wissen eröffnet, ohne komplexe Zusammenhänge auf vereinfachte Antworten zu reduzieren.

internet-as-archive.netlify.app

Forest Tales

Forest Tales untersucht dokumentarisch und objekthaft unterschiedliche Perspektiven auf den Wald. Im Fokus stehen alternative Formen der Waldnutzung, die über die herkömmliche, holzfokussierte Bewirtschaftung hinausgehen und das Potenzial einer diversifizierten Nutzung aufzeigen. Anhand von Nichtholzprodukten wie Wildbret und Zeidlerei erforscht das Projekt die sozialen, kulturellen und ökologischen Beziehungen, die den Wald prägen. Die daraus hervorgehenden Lebensmittel werden als Ausdruck kultureller Praxis und als Träger ökologischen Wissens verstanden.

Recherchereisen und Interviews mit Expert*innen bilden die Grundlage für die Entwicklung eines Räucherofens und einer Klotzbeute. Die Objekte übersetzen die gewonnenen Erkenntnisse in erfahrbare Situationen und machen Praktiken sichtbar, die häufig verborgen bleiben. Sichtbarmachung wird dabei zum gestalterischen Prinzip.

ZERO Design

ZERO ist eine der bedeutendsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. Sie gründet auf die Düsseldorfer Künstlergruppe von Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker, die von 1957 bis 1966 bestand.

Die kunstgeschichtliche Bedeutung von ZERO ist universell anerkannt und umfassend erforscht. Das reiche grafische und gestalterische ZERO-Werk wurde hingegen nie systematisch untersucht.

»ZERO Design« ist die erste designwissenschaftliche Aufarbeitung des ZERO-foundation-Archives. Mit einer eigens entwickelten Methode zur Quantifizierung der Merkmale gestalterischer Werke analysiert sie, wie die (typo)grafischen Arbeiten der Bewegung einem erfolgreichem Kunst-Marketing zugrunde liegen.

Die gewonnenen Einsichten inspirierten die Gestaltung der HUIS SANS, einer neuen Schriftsippe mit 36 Schnitten, die Charakteristika des ZERO Design aufgreift und auf diese Weise die designgeschichtliche Entwicklung in der ZERO-Zeit typografisch nachempfindet.