Der ehemalige Sudhausturm ist ein Denkmal der Moderne, der trotz seiner prägenden Wirkung auf das Stadtbild St. Ingberts größtenteils leer steht und unzugänglich ist. Der Entwurf „Der vertikale Stadtkern“ zeigt, welches Potenzial im Bauen im Bestand liegt und wie durch zukunftsorientierte Konzepte eine ganze Stadt nachhaltig aufgewertet werden kann. Unweit der Fußgängerzone entwickelt sich ein neuer, weitgehend barrierefreier Altstadtkern, der den Beckerturm und sein Umfeld mit Gastronomie, Ausstellungsflächen zum Thema Bier, Co-Working-Spaces, Gewerbe, Pop-up-Stores und begrünten Erholungsflächen neu belebt. Ein durchdachtes, adaptives Grundangebot soll somit eine dauerhafte Nutzung sichern und den Tourismus fördern. Ein neuer Fluchttreppenanbau ermöglicht zudem die Nutzung des gesamten Baus. Die Gestaltung greift auf bauzeitliche Elemente und Maschinen zurück, um Historie und Moderne zu verbinden. Die vermehrte Materialwahl Holz bildet einen positiven Kontrast zur Betonarchitektur.
Autor: Jean Claude Granval
Badezimmermuschel
Das Badezimmer präsentiert sich uns als Raum der Körper und Peinlichkeiten. Es möchte glatt, rein und abgewischt sein. Gleichzeitig ist es für uns ein Ort für Ruhe und Privatheit. Das In-Sich-Gekehrte, Private, Abgeschottete, die inoffiziellen Zwecke eines Badezimmers, der Blick nach draußen und in die Wände haben mein Interesse geweckt.
Einem intensiven Rechercheprozess folgte die konzeptionelle Ausarbeitung einer neuartigen, spekulativen Sanitärkeramik. Digitale, generative Methoden replizieren Form, Struktur und Logik einer Schneckenmuschel — quasi gestalterische Biomimikry. Am Ende steht neben einer installativen Inszenierung ein vollendetes keramisches Objekt, das an Herstellbarkeit nach dem Vorbild einer industriellen Produktion angelehnt ist.
Die Badezimmermuschel macht ein Angebot für einen Aufbruch in der hochgradig standardisierten Sanitärkeramik. Sie hinterfragt unsere kulturellen und persönlichen Praktiken — ein alltägliches Artefakt aus einer anderen Welt.
Fluid Landscape Conditions
Das Projekt »Fluid Landscape Conditions« beschäftigt sich mit der Dekonstruktion, dem Unlearning und der Dekolonisierung traditioneller Designnormen, insbesondere im Web. Es reflektiert, wer Zugang zur Gestaltung und zum Coding hat und welche visuellen Konventionen im Web reproduziert werden. Ziel ist es, Perspektiven zu eröffnen, die Subjektivität in der Gestaltung betonen und den konservativ etablierten Regeln des Grafikdesigns und der digitalen Ästhetik einen differenzierten Vorschlag entgegensetzen.
Es gibt zwei Designs für eine Website.
Darauf aufbauend verbindet das Projekt geopolitische Fragestellungen mit der Reflexion über sich verändernde Landschaften und Designkonventionen. Es stellt Fragen nach der Bewahrung und dem Umgang mit Vergänglichkeit sowie der Akzeptanz von Veränderung und Nicht-Wissen.
Inclusive Perspectives – spielerisch in eine inklusive Zukunft
Ende 2023 leben in Deutschland etwa 9,3 % der Bevölkerung mit schwerer Behinderung. Dennoch sind Behinderungen weiterhin stark stigmatisiert und Barrieren oft nicht nur physischer, sondern sozialer Natur. Inklusion zielt daher auf eine Gesellschaft, in der alle willkommen sind und gleiche Chancen bestehen. Die vorliegende Arbeit, ein Brettspiel, rückt Inklusion spielerisch und subtil in den Fokus der Gesellschaft.
Im Fokus stehen Sehbehinderungen. Unsere Wahrnehmung ist stark visuell geprägt. Wie verändert sie sich, sobald wir uns auf andere Sinne verlassen müssen?
Interviews halfen dabei, reale Bedürfnisse und Probleme zu verstehen. Häufig wurde der Wunsch nach einem Spiel geäußert, das einen Perspektivwechsel ermöglicht: So entstand das kooperative Teamspiel „Blackbox“.
Kommunikation und Vorstellungskraft sind gefragt, um die Geheimnisse der Blackbox zu lüften. Das Spiel lädt dazu ein, sich aktiv mit Inklusion auseinanderzusetzen und Barrieren kritisch zu hinterfragen.
Ima Summis
Ima Summis untersucht, wie sich religiöses Dogma in der asketischen Schlichtheit monastischer Architektur manifestiert und das Sakrale durch Rhythmus, Proportion, Materialität und Licht evoziert wird. Im Zentrum steht die Korrelation von Architektur und Gefäß – beide fungieren als Behältnis für Raum und Licht. Ihre gemeinsamen phänomenologischen Qualitäten – wie Taktilität und Tonalität, Maßstab und Proportion, Reihung und Rhythmus, Masse und Leere – werden aus dem architektonischen Kontext in die Gestaltung zeremonieller Gefäße übertragen. Ziel ist es, kontemplative Tiefe in säkularer Form erfahrbar zu machen und die immateriellen, symbolischen sowie rituellen Qualitäten von Designobjekten sichtbar zu machen.
SteadyGo
Diese Masterarbeit stellt SteadyGo vor, eine modulare Mobilitätshilfe, die sich an die fünf fortschreitenden Stadien der Parkinson-Krankheit anpasst. Durch persönliche Erfahrungen motiviert, widmet sich das Projekt den sich verändernden motorischen Herausforderungen, denen Patient*innen begegnen – von ersten Tremorsymptomen bis hin zur fortgeschrittenen Bewegungslosigkeit. SteadyGo verwandelt sich mithilfe austauschbarer Teile von einem Gehstock in eine Krücke, einen Rollator und einen Rollstuhl, wobei die Benutzerfreundlichkeit und das Design durchgehend erhalten bleiben. Dieses vertraute, ergonomische System fördert die Selbstständigkeit, reduziert Stigmatisierung und erleichtert emotionale Übergänge. Durch die Nutzung in allen Krankheitsstadien werden zudem Materialverschwendung minimiert und nachhaltiges Design gefördert. SteadyGo soll zeigen, wie einfühlsames Produktdesign die Lebensqualität verbessern und eine bedeutende Unterstützung für Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen bieten kann.
My Home, My Data
Im Spannungsfeld zwischen zunehmender Digitalisierung im Wohnraum und wachsender Sorge um Datenschutz stellt das Projekt die Frage: Wie können Bürger:innen wieder selbstbestimmt über ihre Smart-Home-Daten verfügen? Der Entwurf einer App setzt genau hier an. Sie ermöglicht es Nutzer:innen, die Weitergabe ihrer IoT-Daten bewusst und aktiv zu steuern – nicht automatisiert, sondern auf Basis informierter Zustimmung. Neben der Transparenz darüber, wer welche Daten erhält, erlaubt die App eine individuelle Konfiguration der Datenfreigabe und macht so Datenflüsse sichtbar. Für freiwilliges Teilen erhalten Nutzer:innen Punkte, die sie einlösen oder an lokale Nachhaltigkeitsprojekte spenden können. Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Fraunhofer ISST und basiert auf aktuellen Forschungen zu Data Spaces. Es wurde durch einen nutzerzentrierten Designprozess, visuelle Benchmark-Analysen sowie gestalterisches Feedback iterativ entwickelt.
RADIA
RADIA beschäftigt sich mit dem Einfluss des natürlichen Lichtverhaltens auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen und überträgt diese Prinzipien auf eine dynamische Innenraumbeleuchtung. Ziel war die Entwicklung eines analogen Lichtobjekts, das sich gestalterisch und in seiner Lichtwirkung am natürlichen Tagesverlauf orientiert. Statt statischem Licht ermöglicht die Wandleuchte eine dynamische Lichtatmosphäre, die den zirkadianen Rhythmus unterstützt.
Licht sollte dynamisch statt statisch sein!
Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und inspiriert vom Sonnenverlauf sowie von Merkmalen des Fensters entstand ein Objekt, das Licht als lebendiges Element erlebbar macht. Durch drehbare Bedienelemente lässt sich interaktiv Einfluss auf Lichtfarbe, Helligkeit und Lichtschwerpunkt nehmen.
RADIA ist eine interaktive Wandleuchte, die als Bindeglied zwischen den Emotionen des Nutzers und der Lichtsituation dient.
CLAYO
Clayo ist ein Verdunstungskühler, der für die Lagerung von temperaturempfindlichen Obst- und Gemüsesorten entwickelt wurde, die sich nicht für die herkömmliche Kühlung eignen. Das System besteht aus einem äußeren Gefäß aus porösem Ton, in dessen Boden eine begrenzte Menge Wasser eingefüllt wird. Ein glasierter Innenbehälter wird eingesetzt und am Rand gehalten. Während das Wasser durch die Tonoberfläche verdunstet, wird Wärme aus dem Inneren abgeleitet – so entsteht ein kühleres Klima, das die Frische und Haltbarkeit der gelagerten Lebensmittel deutlich verlängert. Die abgerundete Form wurde gewählt, um die Oberfläche zu vergrößern, was wiederum die Verdunstungsrate erhöht. Der Korkdeckel dient als zusätzliche Ablagefläche und hilft dank seiner natürlichen Gerbstoffe, Fruchtfliegen fernzuhalten. Clayo bietet eine stromfreie, nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Kühlsystemen und fördert einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen.
Carrie, Liv + co.
Viele junge Menschen führen unfreiwillig ein nomadisches Leben – bedingt durch Mieterhöhungen, Wohnungsknappheit oder persönliche Gründe. Häufige Umzüge erschweren ein richtiges Ankommen. Möbel sind oft unpraktisch: sperrig, schwer, aufwendig im Auf- und Abbau.
Ich wollte ein Möbelsystem gestalten, das leicht transportierbar ist, Platz spart, dem neuen Raum eine bekannte Struktur gibt und schnelles Einleben ermöglicht. So entstand „Carrie, Liv + Co.“, ein Möbelsystem aus vier Bausteinen.
„Carrie“ ist ein modulares Regal aus stapelbaren Würfeln. Sie dienen gleichzeitig als Transportboxen.
„Liv“ ist ein Tisch mit integriertem Griff und zerlegbaren Beinen, fixierbar per Spanngurt.
„Sid“ sind vier Stühle mit Stofflehne – zerlegbar und tragbar im Paket.
„Abed“ ist ein Bettgestell, aus zwei Hälften, das „Liv“ und „Sid“ in sich verstauen kann.
Alle Objekte sind ineinander verschachtelbar, die Gesamthöhe des Pakets beträgt 11 cm und passt inklusive 6 „Carrie“-Boxen in einen Kombi-Pkw.