Vaterland und Mutter Erde, die Heimat im Objekt

Maike Panz

Januar / January - 2019

Fachhochschule Potsdam

Was ist es?

Mein Projekt „Vaterland und Mutter Erde, die Heimat im Objekt“ besteht aus dem gedrechselten Tisch „Mutter Erde“ und verschiedenen Tongefäßen, die sowohl von mir, als auch von nach Deutschland immigrierten Menschen gefertigt wurden.

Was ist das Thema?

Mit dem Projekt zeige ich meine Haltung zum Thema Einwanderung, dass wir alle, unabhängig von unseren durch politische Grenzen definierten Vaterländern, eine gemeinsame Heimat haben: Mutter Erde. Die durch die sogenannte Flüchtlingskrise angefachten Debatten über Grenzen und Zugehörigkeiten, die auf geografischer Herkunft beruhen, sind meine Motivation mich dem Thema Heimat von der Seite der nach Deutschland immigrierten Menschen zu nähern. Durch intensive Interviews zu ihren Heimatgefühlen und einem partizipativen Keramikworkshop bezog ich sie in den Gestaltungsprozess mit ein. Die entstandene Keramik trägt ein neues Heimatgefühl in sich, denn „Heimat entsteht durch Identifikation und Identifikation entsteht durch Teilhabe,[…]und durch Mitmachen.“

Warum sieht es so aus?

Die verschiedenen Farben der Erde und des Tons repräsentieren die Unterschiedlichkeit der Workshopteilnehmer*innen. Die von mir gefertigten Tonobjekte sind entweder formalästhetisch von Objekten, die meine Interviewpartner*innen mit ihrer Heimat verbinden oder funktional von ihren Geschichten inspiriert. Jedes Gefäß steht damit sinnbildlich für eine*n Interviewteilnehmer*in. In der Geschirrfamilie hat jedes Gefäß eine eigene Funktion und somit seine eigene Bedeutung, so wie jeder Mensch. Die Massivität des Tisches versinnbildlicht Sicherheit, Stabilität und Halt. Die Stufen im Tischinneren stehen für die Gesellschaftsschichten und darüber hebt die Glasplatte alle Objekte auf eine Ebene.

Was ist das Besondere?

Für alle Interviewten spielt ihre Essenskultur und der „Geschmack von Heimat“ für ihr Heimatgefühl eine wesentliche Rolle. Aber auch bei unseren Treffen selbst nahm Essen in Form von reich gedeckten Tischen, durch die ich unter anderem die mir entgegengebrachte Gastfreundschaft erlebte, einen großen Raum ein. Gemeinsames Essen wurde für mich zum Sinnbild des Teilens, sowohl von Nahrungsmitteln, als auch von Geschichten und darüber hinaus zum Zeichen entstehender Verbundenheit und Gemeinschaft. So ist das Thema Gemeinschaft zu einem ganz wesentlichen Aspekt in der Arbeit geworden. Inhaltlich, da das Heimatgefühl eng verknüpft ist mit der emotionalen Verbundenheit zu anderen Menschen und dem Gefühl Teil einer Gemeinschaft zu sein. Konzeptionell in Form des partizipativen Workshops. Metaphorisch in Form der sich ergänzenden Objekte, die einzeln für sich stehen können und gleichzeitig eine Gemeinschaft bilden. Und schließlich auch in Wirklichkeit in dem durch die intensiven und offenen Gespräche Freundschaften entstanden sind oder vertieft wurden.

Was ist neu?

Mit meinem Projekt ändere ich die Perspektive auf den Heimatbegriff, schaffe einen neuen Blickwinkel und leiste somit einen neuen Beitrag zur Heimatdiskussion. Während in den vergangenen Wahlkämpfen die AfD mit Sprüchen wie „Heimat statt Multikulti“ warb und damit versucht ethnologische Vielfalt als Bedrohung für die „Deutsche Heimat“ darzustellen, erzeuge ich ein Bild, in dem Diversität und Heterogenität als Bereicherung gesehen wird. Mit meiner gestalterischen Herangehensweise kreiere ich ein Objekt das ein Zusammenkommen verschiedener Kulturen nicht nur visualisiert. In meiner Arbeit bringe ich die verschiedenen Menschen tatsächlich aktiv an einem Tisch zusammen.