Tangible Tags

Benno Brucksch

Juli / July - 2019

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Kurzbeschreibung

Tangible Tags stellt unsere gewohnte Mensch-Computer-Interaktion beim Speichern und Abrufen von Daten infrage. Das Ergebnis dieses praxis- orientierten Forschungsprozesses bilden drei Interfaces, welche sich auf dem Schreibtisch neben unserem Computer verorten lassen. Tangible Tags verknüpft menschliche und künstliche Gedächtnisleistung und schlägt die Brücke zwischen digitaler und analoger Welt. Die drei Interfaces nutzen die sensomotorischen und kognitiven Fähigkeiten des Menschen, um Daten mit dem eigenen Körper, einer künstlichen Architektur oder mit Objekten zu verknüpfen und auch darüber wieder abzurufen.

Was ist das Thema?

Ausgangspunkt ist das Thema der Datenspeicherung bezogen auf den*die Nutzer*in als Individuum. Unsere digitalen Systeme zum Speichern und Abrufen von Daten beschränken sich auf eine hierarchische Struktur von Ordnern und Unterordnern, wie wir es aus dem Verwaltungsbereich kennen. Im Gegensatz dazu stehen die Mechanismen, die in unseren Köpfen beim Speichern von Informationen und Erinnerungen ablaufen. Diese Prozesse laufen nicht hierarchisch, sondern kreuz und quer ab. Je stärker Informationen untereinander verknüpft sind, desto besser kann sich unser Gedächtnis an sie erinnern. Tangible Tags nutzt die Vielzahl an Verknüpfungsebenen und macht deren Möglichkeiten für die Mensch-Computer-Interaktion (be-)greifbar.

Warum sieht es so aus?

Knallbunte Spritzgussteile aus Kunststoff – die Gestaltung der Interfaces soll suggerieren, dass diese Produkte auf dem Markt erhältlich sind. Die auffällig strahlenden Farben sollen sie auf dem Schreibtisch neben dem Computer deutlich hervorheben und ihre Innovation unterstreichen. Gleichzeitig ist die Form auf das nötigste reduziert, da die Objekte (nur) als Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt fungieren.

Was ist das Besondere?

Das Projekt hinterfragt die Tendenz, Interaktion zwischen Mensch und Computer immer stärker zu reduzieren und stellt infrage, ob Maus, Tastatur und Touchdisplays überhaupt den sensomotorischen und kognitiven Fähigkeiten des Menschen gerecht werden. Die entstandenen Interfaces sind ein Gegenentwurf zu dieser Reduktion, da sie über die Interaktion mit dem eigenen Körper, der Umgebung und anderen Objekten funktionieren. Der Schnittstelle zwischen Computer und Mensch wird als (be-)greifbares Interface wieder mehr Aufmerksamkeit gegeben.

Was ist neu?

Viele digitale Systeme verfolgen den Ansatz eine möglichst gute Struktur bereitzustellen, in welcher der*die Nutzer*in dann seine*ihre Daten ablegen und abrufen kann. Nach dem Motto “so einfach wie möglich” werden Systeme entwickelt, die unsere kognitiven Fähigkeiten weder fordern noch fördern. Dabei wird das Potential selbst erschaffener Strukturen völlig außer Acht gelassen. Tangible Tags stellt statt einem fertigen System verschiedene Interaktionsmöglichkeiten bereit. Der*Die Nutzer*in erschafft sich seine*ihre ganz individuelle Struktur.