Hoeker – konventionelles Gut

Nele Kieseritzky bei Prof. Martin Postler (Entwurf) und Prof. Dr. Annika Frye (Theorie)

September / September - 2018

Muthesius Kunsthochschule Kiel

Was ist es?

Hoeker ist ein Verpflegungsautomat, in dem Milch- und Eierprodukte in der Innenstadt vertrieben werden. Dahinter steht ein konzeptionelles Unternehmen, welches die Kommunikation zwischen Landwirt und Automat herstellt.

Was ist das Thema?

Ich habe mich in meiner Bachelorarbeit mit der übermäßigen Ausfuhr und den Umweltschäden von Gülle beschäftigt. Gülle enthält Stickstoff, der von den Pflanzen zum Wachsen benötigt wird. In zu großen Mengen schadet der Stickstoff den Pflanzen und der Umwelt erheblich. In der (deutschen) Landwirtschaft existieren so viele Nutztiere, dass ihre Abfälle zu einem Umweltproblem geworden sind. Die Lösung wäre es, weniger Nutztiere zu halten. Allerdings stecken viele Landwirte in einer Spirale zwischen geringen Abnahmepreisen und zu hohen Auflagen, um als kleiner Betrieb bestehen zu können.

Warum sieht es so aus?

In der Gestaltung habe ich mich an die Aufmachung mobiler Verkaufsstände gehalten. Er ist fest an seinem Standort installiert. Der Automat ist transparent, alle Güter sind sichtbar und verschwinden nicht hinter einer Front. Das Dach und die Ablage an der Vorderseite geben dem Benutzer Schutz. Am wichtigsten sind Hygiene und Praktikabilität. Der Innenraum besteht aus Edelstahl. Die Regale sind herausnehmbar und können mit den Produkten ausgetauscht werden. Die Kommunikation läuft über das Smartphone. Dort wird bestellt und bezahlt. Steht man vorm Automaten bringt dieser die Produkte über den Fahrstuhl zum Ausgang. Die Glasklappe „kippt“ und gibt die Produkte frei.

Was ist das Besondere?

Hoeker besteht aus dem Automaten und dem Unternehmen dahinter. Dieses versucht den Landwirten, durch bessere Finanzierung und Organisation, den Kreislauf, in dem sich die Landwirtschaft befindet, zu brechen und die Qualität der Betriebe zu steigern. Landwirte verkaufen ihre Produkte bei Hoeker, werden angemessen bezahlt und sind verpflichtet, Schritt für Schritt ihre Standards zu verbessern, zum Beispiel durch weniger Tiere mit mehr Freilauf und besserem Futter. Durch langsame Entwicklung entsteht nachhaltige Veränderung. In der Problematik sind so viele Akteure (Politik, Wirtschaft, Konsument) verwickelt, dass es keine einfache Lösung durch Veränderung eines Akteurs, gibt. Hoeker bietet Landwirten und Konsumenten gemeinsam die Möglichkeit den Umstand zu verbessern, ohne einem Beteiligten die Hauptverantwortung zu geben.

Was ist neu?

Meine Bachelorthesis beschäftigt sich mit dem Symptom eines sehr vielschichtigen Problems, mit vielen Akteuren, welche alle ihre Verantwortung in der Verursachung aber auch der möglichen Lösung haben. Hoeker versucht nicht, das Problem sofort aus der Welt zu schaffen, sondern durch kleine Etappen die Situation zu entspannen, um sie nachhaltig zu verbessern. Die Verantwortung wird nicht auf einen einzelnen Akteur abgewälzt, sondern kollektiv bearbeitet. Hoeker steht hier für die Wirtschaft, sie stellt den Rahmen. Landwirte geben die Ware und verbessert damit die durch sie verursachten Probleme. Der Konsument bekommt Transparenz und Qualität und finanziert gleichzeitig den Ablauf.