HeimFarm

Johannes Müller

Juli / July - 2019

Weißensee Kunsthochschule Berlin

Was ist es?

Während bereits Konzepte entstehen, fragiles Erntegut direkt im Supermarkt zu produzieren und on-demand zu ernten, geht HeimFarm einen Schritt weiter und gibt auch Stadtbewohnern ohne grünen Daumen einen Teil ihrer Nahrungsmittel-Souveränität zurück. Durch ein intelligentes Urban Farming 4.0 System erfolgt die automatisierte Produktion von Salaten und Kräutern in heimischen Gefilden. HeimFarm versorgt einen 1-3 Personen-Haushalt stets nachwachsend mit frischem Blattgemüse. Harvest and eat – HeimFarm. Fern von Umweltbelastungen und Pestiziden.

Was ist das Thema?

Einer Anomalie folgt die Korrektur. Nachdem der Mensch Zeit seiner Existenz in direkter Nähe zu seinen Nahrungsquellen lebte, hat dies die Industrialisierung vor erst 200 Jahren verändert. Seitdem haben vor allem Stadtbewohner den Bezug zur Herkunft ihrer Nahrung verloren. Vor allem für fragiles Erntegut wie Salate und Kräuter bietet es sich an, durch aeroponische Bewässerungssysteme und Vertical Farming wieder innerhalb städtischer Gebiete anzubauen.. Dadurch werden nicht nur große Mengen an Wasser, Dünger und Pestiziden gespart, auch die gesamte externe Logistik zur Versorgung einer Stadt würde entlastet.

Warum sieht es so aus?

Zum einen muss ermöglicht werden, den Pflanzen eine gleichmäßige Beleuchtung zukommen zu lassen. Des Weiteren ist ein geschlossener Wurzelraum von Nöten, um sowohl Temperaturschwankungen rechtzeitig entgegenzusteuern und den Austritt von Nährstoffen aus dem System zu verhindern.So entstand eine siebenstöckige Grow-Säule, in der auf jedem Stockwerk vier Setzplätze horizontal im 90° Winkel angeordnet werden. Jede Ebene steht um 45° verdreht aufeinander um den Pflanzen darunter durch seitlichen Versatz bestmöglichen Freiraum zu bieten. Die Setzplätze an sich sind wiederum um 45° vertikal geneigt, um einen optimalen Kompromiss auf minimalem Packmaß der Pflanzen und bester Wuchs-Ausrichtung zu erreichen. Die funktionalen Anforderungen werden bei HeimFarm harmonisch zusammengeführt in einem Entwurf, der den frisch wachsenden Inhalt auch im Wohnzimmer zu einem positiven Hingucker macht.

Was ist das Besondere?

Die HeimFarm als eine Art Gemüse-Automat erledigt all die Dinge, die viel Zeit und Erfahrung bedürfen. Denn sie hat durch Sensoren stets Überblick über die Temperatur der Wurzelkammer, den Wachstums-Zustand des Blattwerks sowie pH-Wert und Nährstoffgehalt des Wassers sowie die benötigte Lichtintensität. Über eine App werden alle Informationen über den Zustand der Zöglinge aufbereitet. Allein die Zubereitung der Nährstofflösung und Nachsetzen von Setzlingen bleiben als Pflegeaufgaben. Und die Ernte: Frisches Gemüse aus eigener Heim(Farm) Produktion genießen.

Was ist neu?

Das Herzstück der HeimFarm fasst bis zu 28 Stecklinge. 7 pro Woche. Mit einer Transportbox können von Woche zu Woche neue Setzlinge aus dem Supermarkt geholt werden. Nach drei Wochen ist die erste Ration erntereif. Ein Aufzucht-Ernte-Kreislauf entsteht. Um sowohl bei Tageslicht als auch des Nachts bei Zusatzbeleuchtung eine gleichmäßige Beleuchtung der Gewächse zu garantieren, rotiert die Säule langsam aber stetig. Dadurch kann auch auf spezifische Situationen wie das gewollte Verlangsamen von Wachstum im Falle erntereifer Gewächse oder genau umgekehrt reagiert werden, indem eine Wochenreihe von Gewächsen kürzere oder längere Beleuchtungsintervalle erhält.