e_töff

Thomas Heyder

Oktober / October - 2019

Weißensee Kunsthochschule Berlin

Was ist es?

E_töff ist eine adaptive und reaktive Motorrad-Designstudie, die das Pendeln im immer dichter werdenden Verkehr zwischen Stadtrand und Stadtzentrum intuitiver und sicherer gestaltet. Durch eine ergonomische Veränderung der Sitzposition passt sich der/die Fahrer_in den Anforderungen der verschiedenen Stadträume an. Zusätzlich unterstützt ein dynamisches Gleichgewichtssystem den/die Fahrer_in bei langsamen Fahrmanövern und in potenziell gefährlichen Situationen. Um diese Gefahren frühzeitig zu erkennen, überwachen verbesserte 360°-Sensoren den Umgebungsverkehr und übermitteln Informationen über ein taktiles Feedback an den/die Fahrer_in.

Was ist das Thema?

Es wurde untersucht, wie das Elektromotorrad im heterogenen Stadtverkehr als valide Mobilitätsergänzung implementiert werden kann. Das entworfene Prinzip erhebt nicht den Anspruch, Universalantwort auf das ansteigende Verkehrsaufkommen in Agglomerationsräumen zu sein − vielmehr ist es eine legitime Brückentechnologie innerhalb der urbanen Mobilität. Diese Prämisse stellt im Wesentlichen zwei Anforderungsprofile an das Motorrad: Zum einen muss es sich als adaptives System intuitiv an die unterschiedlichen städtischen Räume und deren besondere Anforderungen an Sitzposition und Geschwindigkeit anpassen können. Zum anderen muss mit Hilfe von Fahrassistenzsystemen die Sicherheit im Straßenverkehr durch kooperative Automation verbessert werden, ohne dass der/die Fahrer_in von den fahrdynamischen Prozessen abgelenkt oder überfordert wird.

Warum sieht es so aus?

Die adaptiven und reaktiven Systeme haben besondere Anforderungen an die Verkleidung des Motorrads gestellt: In der Konzeptstudie fiel daher die Wahl auf ein elastisches Textil. So bewahrt das Fahrzeug bei der Veränderung der Sitzposition durch das Verschieben von Lenker, Fußrasten und Sitz ein homogenes Erscheinungsbild und schützt den/die Pilot_in vor den mechanischen Bauteilen. Zeitgleich bildet das Textil ein taktiles Interface, über das bspw. die balancierenden Pendelbewegungen der Batterie an die Schenkelinnenseiten des/der Fahrer_in gespiegelt werden. Diese anhaltende, subtile Kommunikation informiert, ohne die primären Wahrnehmungskanäle des/ der Fahrer_in zu beeinträchtigen. Zugleich wurde mit dem Textil auch eine klar ästhetische Entscheidung getroffen, aufgrund dessen das Motorrad eine weniger technoide, dafür aber mehr produkthafte Formensprache erhält.

Was ist das Besondere?

Diese Studie nutzt die Vorteile der Elektrifizierung: Strom hat keine Form und die klassische Architektur des Motorrads kann neu gedacht werden. Die Batterie selbst wird zu einem stabilisierenden Ausgleichsgewicht bei langsamen Fahrten und unterstützt bei dynamischen Fahrprozessen in höheren Geschwindigkeiten. Bildlich gesehen, orientiert sich dieser Vorgang an der Pferd-Reiter/in Interaktion, in der der Mensch mit einem teilautonomen System interagiert und kooperiert.

Was ist neu?

Die Steuerung eines Motorrads erfordert die Einbindung des gesamten Körpers. Auf Basis dieses ganzheitlichen Grundgedankens wurden die Inputschnittstellen für den/die Fahrer_in erweitert. So führen Haltungsänderungen im Zuge hoher Geschwindigkeiten automatisch zu einer Veränderung der Sitzgeometrie. Die Funktionsweise von Fahrerassistenzsystemen wird als permanente Kommunikation im bilateralen Mensch-Maschine-System gedacht: Statt plötzlicher audiovisueller Signale wird die Person dauerhaft über die unterstützenden Prozesse informiert.