Der Hirsch im Regenwald und der Tukan auf der Eiche

ja

Juni / June - 2020

Universität der Künste Berlin

Was ist es?

In meinem Projekt „Der Hirsch im Regenwald und der Tukan auf der Eiche“ handelt es sich um die Formgebung meiner persönlichen Erinnerungen und Interpretationen von Familiengeschichten, der Auseinandersetzung meiner Identität und meiner Vergangenheit in handwerklicher Form.

Was ist das Thema?

Der Kunstpädagoge und Gestaltungstheoretiker Gert Selle beschreibt, dass es kein größeres menschliches Bedürfnis gibt als zu wissen woher man kommt, wohin man geht und wer man selber ist. Dieses Bedürfnis kenne ich gut und ich habe deswegen eine „Reise“ zu meinem Ursprung gemacht. Dabei habe ich meine Erinnerungen aktiviert, die Geschichten meiner Familie zusammengesucht, mich mit bestimmten Ereignisse aus meinem Lebens befasst, verschiedene Stationen und Gefühle erneut durchlebt und viel über meine Herkunft und Identität nachgedacht. Eine wichtige Gegebenheit meiner Identität ist, dass ich multikulturell bin, weil mein Vater Deutscher ist und meine Mutter Brasilianerin. Meine Persönlichkeit setzt sich durch die Art meiner Erziehung und meinen gemachten Erfahrungen aus diesen beiden Kulturen zusammen. Ich habe dadurch Erinnerungen an eine bestimmte Andersartigkeit zu anderen Leuten. Z.b die anfänglichen Sprachbarrieren, andere Traditionen die ich gelernt habe und eine „andere“ Erziehung, die ich von zu Hause bekommen habe. Diese Andersartigkeit und meine zwei Herkünfte habe ich intensiv bearbeitet und sie bilden die Essenz und die Basis für meine Arbeit. Um diese Erinnerungen aktivieren zu können habe ich viel Zeit damit verbracht etliche Schränke, Schubladen, Koffer und Kisten aufzumachen und sie zu durchwühlen. Dabei fand ich Fotos, Haarzöpfe, Collagen, Zähne, Schallplatten, Bücher, Poesiealben, Tagebücher, Briefe, Filme, Dias etc. Es war eine sehr persönliche Recherche, wo sich meine Erinnerungen mit den Fakten die ich in den gesammelten Materialien gefunden habe, miteinander verschmolzen und sie begannen sich zu Bilder in meinem Kopf zu entwickeln. Gert Selle beschriebt auch, dass man an den Erinnerung nicht nur in der Phantasie teilhaben möchte, sondern sie greifen und sehen möchte, um sie zu verstehen und drüber sprechen zu können. Durch die Arbeit mit meinen Händen entstand die gestalterische Komponente im Zusammenhang mit der Arbeit des Erinnern. Dabei diente mir das Handwerk Instrument zur Visualisierung um meine Gedanken und Emotionen in ein reales Bild zu übersetzen. Ein wichtiges Merkmal für die Arbeit mit den Händen ist die Sichtbarkeit der Spuren die dadurch am Material hinterlassen werden, genau wie bei den Emotionen, die auch nicht immer glatt, abgeleckt und ohne Narben oder Risse sind. Jedes Ergebnis ist damit ein Individuum und Einzigartig, weil es nicht exakt wiederholbar hergestellt werden kann. Am jetzigen Punkt meiner „Erinnerungsreise“ sind Objekte aus 5 verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen entstanden. Die Resultate zeigen meine individuellen Emotionen und Erinnerungen über das interagieren mit meinen zwei sehr verschiedenen aber auch eng miteinander verbundenen Hintergründen.

Warum sieht es so aus?

Das Aussehen aller 5 Objekte spiegelt meine individuelle Interpretation meiner Erinnerungen wieder, bezogen auf meine subjektive Wahrnehmung durch meine Identität und durch die deutsche und die brasilianische hälfte meiner Person. Die Ästhetik resultiert aus meinen Emotionen.

Was ist das Besondere?

Die persönliche und sehr individuelle Note des Projektes und meine eigene Handschrift sind das wichtigste. Mein Projekt erzählt meine Geschichten und Phantasien und macht die Bilder aus meinem Kopf für andere sichtbar.

Was ist neu?

Neu ist das Zelebrieren und das Auseinandersetzen mit dem Vergangenen bzw. seiner eigenen Vergangenheit, dass in einer künstlerischen und ästhetischen Arbeit resultiert durch die Sujets, die persönlichen Handlungen und die Nutzung handwerklicher Prozesse zur Visualisierung der Phantasie.