Industriephänomene

„Industriephänomene – Aus dem Objekt, über das Objekt“ untersucht, ausgehend von im Alltag beobachteten Phänomenen, auf konzeptionelle Weise, wie das industrielle Produktionssystem Handlungs- und Urteilsweisen Objekten in Form von Paradigmen eingeprägt haben könnte.

Eine Sammlung aus nicht standardisiert geformten Toilettenpapier-Enden und die Feier des Nichtlinearen, archiviert auf handgeschöpftem Pergamentpapier aus Toilettenpapier. Sichtbare Einfallstellen am Gehäuse eines Akkuschraubers als physikalisches Ornament sowie die Thematisierung seelenloser Wiederholbarkeit von Formen im Kunststoffspritzguss. Ein Recycling der immateriellen Werte eines formal uneinheitlich zusammengestellten persönlichen Besteck-Sets, sowie das Infragestellen hoher Qualität anhand eines unbenutzten und „unberührten“ Produkts. Eine „Container Collection“ aus re-kontextualisierten, tiefgezogenen und metallgedrückten Ausschusswaren und der Auseinandersetzung mit unerfüllten Erwartungen in Produktionsprozessen.

Photography Imagery Object

„Photography Imagery Objects“ konzentriert sich auf die Neuinterpretation der Verwendung von Fotografie im Designprozess. Fotografie wird oft als Werkzeug zur Visualisierung und Kommunikation des Endprodukts verwendet und Aktivität im Hintergrund angesehen. 

Die Objekte werden symbolisch gesehen, um die Kreuzung zwischen den beiden Akten zu feiern und ein Gleichgewicht zwischen zwei kreativen Feldern zu schaffen. Mittels Techniken, wie rechnergestütztem Design und KI werden 3D-Texturen und Muster mithilfe von Merkmalen wie Farbe, Sättigung, Helligkeit, Kontrast und Körnung der Quellfotos erstellt. „Photographic Scapes“ ist ein Teppich, der unter Verwendung der Topographie einer Landschaftsfotografie von Kirchheim unter Teck erstellt wurde und bei dem aus verschiedenen Florhöhen enstehende Muster aus dem Bild abgeleitet wurden. Alternativ wurde der reflektierte Spiegel hergestellt, um die symbolischen Komponenten der Porträtfotografie widerzuspiegeln.

Making Something from Some Things

Making Something from Some Things verdinglicht das Potential weiblicher kreativer Produktion in der Fürsorge im und mit dem häuslichen Raum. Lizzy Ellbrück behandelt die kreative Tätigkeit als künstlerische Praxis und bezieht den häuslichen Raum als emanzipatorischen Produktions- und Verhandlungsort. Sie modifiziert Objekte zu übertrainierten und -stilisierten Dingen, die somatische Effekte stimulieren, die Haltung korrigieren, den Körper disziplinieren, ihn zitieren oder zieren und zu Props eines Facelifts, zu Koordinaten einer Identitätssuche werden. Dinge wie Staubfänger*innen, Akupressurhocker, panierte Boxen, haarige Seifen, Faszienvasen, Dekor aus verschweisten BH-Verschlüssen oder ein Duschvorhang aus Haaren. Die Somethings wurden im Badischen Kunstverein ausgestellt und in einer Publikation inventarisiert. Detaillierte Beschreibungen, eigensinnige Verortungen und Inventarlisten heben den obsessiven Aspekt des Sortierens, Kategorisierens und Neuarrangierens hervor.

bairy

„Bairy“ ist ein sehr leichter, schnell aufblasbarer und einfach zu verstauender Kinderwagen.

Im Zuge einer Versuchsreihe aus zahlreichen fahrbaren Volumenkonstruktionen, wurde der Grundstein für das Gefährt gelegt. Anhand des Kinderwagens wird veranschaulicht, wie komplexe Konstruktionen und belastbare Fahrwerke durch einen einzigen aufblasbaren Volumenkörper ersetzt werden können. Durch ausgeklügelte Schnittmuster, die mit einem CNC-gesteuerten Folienschweißapparat auf das Material übertragen wurden, entstanden die ersten Prototypen des Wagens. Im weiteren Verlauf des Projekts konnten die Formen und Funktionen optimiert werden, um am Ende ein 1:1-Modell des Kinderwagens zu fertigen. Somit wurde – basierend auf dem Prinzip der Materialeigenschaften eines aufblasbaren Körpers – ein Modell geschaffen, das sich von starren Materialien und Konstruktionen weg und hin zu neu gedachten Aufbauten und deren Qualitäten bewegt.

Vaporated Time

„Vaporated Time“ ist eine Masterarbeit zu den Themen „Zeit und Klima“. Mit Hilfe designtheoretischer Texte wird Zeit als Kulturtechnik erschlossen, die sich gestalten lässt. Die Installation „Vonjeher“ ist ein neues Zeiterfahrungsobjekt. In der öffentlich zugänglichen Installation werden Zeitpunkte und Zeiträume durch Wetter- und Klimaveränderung bedingt.

Dem Problem, dass die Menschen ein Leben mit dem Klimawandel nicht mitgestalten können, ohne alltägliche Informationen zum Zustand des Klimas zu kennen, wird durch theoretische Vorarbeit und den Entwurf einer Installation entgegengewirkt.

Designed to Die

Immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft bevorzugen heutzutage eine Feuerbestattung, wodurch Urnen einen bedeutenden Platz in unserer Bestattungskultur einnehmen. Dennoch werden die gestalterischen Möglichkeiten von Urnen bei weitem nicht ausgeschöpft; sie erscheinen bei einer Beerdigung oft als nebensächlich. 

Die Urnen aus der Arbeit „Designed to die“ greifen die Bedeutung einer Urnenbestattung für Angehörige sowie für die verstorbene Person auf. Die Urne besteht aus reinem, abbaubarem Sojawachs und ist in zwei Teile aufgeteilt. Der innere Teil enthält die Asche und steht in der Mitte des mit Blumen geschmückten äußeren Teils, der auf einem Ring über dem Urnengrab platziert wird. Die außen angebrachten Kerzen werden über dem Grab angezündet und brennen während der Trauerfeier innerhalb von 45 Minuten soweit herunter, dass die Urne den Halt auf dem Ring verliert und ins Grab fällt. So wird das Ritual der Trauerfeier maßgeblich umstrukturiert und mitgestaltet.

Sensitive

„Sensitive“ beantwortet die aktuellen sozialen und materiellen Ressourcenfragen nicht rückblickend, sondern bricht etablierte Konventionen und trägt so zu einer lebenswerten Zukunft bei. Der Entwurf beschreibt eine neue, sensible Handlungsform: Die tägliche Körperhygiene wird zur sensitiven Erfahrung für Körper und Geist. 

Grüner Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Bei der Verbrennung entsteht ausschließlich Wasser, welches aufgrund der hohen Betriebstemperaturen in Form von Dampf als Abfallprodukt zur Verfügung steht. Sensitive nutzt diesen als Medium für die tägliche Körperpflege. Der wohltemperierte Dampf steigt langsam auf und benetzt dabei unseren Körper. Dabei werden weniger als 200 Milliliter Wasser pro Minute verbraucht. 

Das System schafft es, den Wasserverbrauch der täglichen Hygiene auf ein Minimum zu reduzieren, spart dabei Energie und ist barrierefrei. Sensitive ist weniger wartungsintensiv und weitaus schonender für unsere Haut als die konventionelle Dusche.

WAAW

Das Projekt „WAAW“ ([ˈwaʊ] bedeutet Ja in Wolof, der lokalen Sprache im Senegal) bietet einen skalierbaren Lösungsansatz für zwei wesentliche Probleme im Senegal: Umweltverschmutzung durch Plastikabfall und das Aussterben des einheimischen Handwerks. Beides ist auf ein globales Ungleichgewicht zurückzuführen, für das auch Deutschland eine Mitverantwortung trägt. 

Die Grundidee für WAAW basiert auf der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit senegalesischen Handwerker*innen, bei der wir verschiedene Möbel aus Plastikabfällen und anderen Materialien herstellen. WAAW sind Möbel in Kleinserien, die hochwertiges senegalesisches Handwerk mit lokalem Recycling von Plastikabfällen verbinden und durch ihren modularen Aufbau individuell an Kundenbedürfnisse angepasst werden können. Der innovative Designansatz bietet die Grundlage dafür, dass die Möbel von WAAW zukünftig auf dem lokalen und internationalen Designmarkt mithalten können.

Grüne Box

Ein Produkt und ein Services-System für Urban Farming. Mit dem Wachstum der Weltbevölkerung und der Urbanisierung wird der Nahrungsmittelbedarf weiter steigen, während die Landwirtschaft und der Transport von Lebensmitteln immer mehr Ressourcen verbrauchen werden. 

Die Schwerpunkte der Arbeit liegen auf Urban Farming und auf lokalen Lebensmitteln. Das Konzept zielt darauf ab, durch ein modulares Aeroponik-Bepflanzungssystem einen neuen Weg zur Versorgung städtischer Gebiete mit lokalen Lebensmitteln zu finden.

Pedestrian – Gehhilfe

“Pedestrian” ist eine Gehhilfe, die sich an alle Menschen mit einer Gehbehinderung und an all jene richtet, die auf Hilfe angewiesen sind. Sie schließt die Produktlücke zwischen kurzfristigen Lösungen wie Unterarmgehstützen, die für eine Nutzungsdauer von sechs Wochen ausgelegt sind, und langfristigen Assistenzsystemen wie Rollstühlen. 

Ziel des Produkts ist es, Folgeschäden zu minimieren, wie sie oft im Zusammenhang mit herkömmlichen Gehhilfen entstehen unweitere Störungen des Bewegungsapparats zur Folge haben. Wert gelegt wurde ebenso auf eine angenehme und praktische Handhabung, die es den Betroffenen auch mit ihrer Gehbehinderung ermöglicht, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das Assistenzsystem ist variabel; die Gehhilfe  lässt sich mit wenigen Handgriffen an die betroffene Person und ihren Assistenzbedarf anpassen – und kann dadurch für mehrere Personen verwendet werden.