Lose Enden – Vom An- und Verknüpfen

Wen ziehen wir an, wenn wir uns anziehen? Wie entscheiden wir, was wir tragen – und was kommunizieren wir damit?

Ausgehend von diesen Fragen widmet sich die Abschlussarbeit dem Sehen und Gesehen-Werden, dem Entschlüsseln kultureller Codes und dem Spannungsfeld zwischen Sagbarem und Unsagbarem. In einer multimedialen Installation resultiert eine materielle Recherche zwischen Text, Textur und Textil.

Lose Enden sammelt Fragmente und „Unfertiges” in verschiedenen Formaten: Bewegtbild, eine Publikation, eine textile Kollektion. Im Experimentieren mit alternativen Druckverfahren fließen typographische und textile Verfahren ineinander: maschinengestrickte Grafiken (knitprinting) und druckende Schuhsohlen (footprinting) entstehen durch die Methodik des Hackens (open–dissect–reassemble). Bestehende Strukturen werden untersucht, dekonstruiert und neu zusammengesetzt.

In Anlehnung an Roland Barthes’ Die Lust am Text versteht sich Lose Enden als offene Sammlung, die auf die Resonanz der Betrachtenden aufbaut.

KAMBIO – Nicht-invasive interne Baumdiagnostik

Kambio ist ein Konzept für ein tragbares Baumradar zur schnellen, zerstörungsfreien Untersuchung des inneren Zustands von Bäumen. Bestehende Verfahren sind entweder invasiv und liefern nur punktuelle Daten oder nicht-invasiv, aber zeitaufwendig und fehleranfällig. Gleichzeitig steigt der Bedarf an effizienten Lösungen für die Pflege urbaner Baumbestände. Ziel des Projekts ist eine präzise, praxisnahe Diagnostik, die von einer Person einfach im Arbeitsalltag durchgeführt werden kann.

Kambio nutzt Ground-Penetrating Radar (GPR) in einem kompakten, handgeführten Gerät. Eine Laserlinie unterstützt die Führung entlang des Stammes und ermöglicht reproduzierbare Messungen. Die erfassten Daten werden visualisiert und erlauben eine fundierte Bewertung des Baumzustands.

Kambio verbessert die Entscheidungsgrundlage in der Baumpflege, ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Schäden und unterstützt durch digitale Dokumentation eine langfristige Planung zum Erhalt urbaner Grünstrukturen.

Kalturm

Kalturm ist ein portables, aktives Kühlsystem für Getränkekisten, entwickelt für kleine bis mittelgroße Veranstaltungen. Egal ob Stadtläufe, Sportturniere, Studierendenpartys oder Open-Air-Events – überall dort, wo Kisten Getränke gekühlt werden müssen, aber keine passende Kühlinfrastruktur existiert, setzt Kalturm an. Das System nutzt die standardisierte deutsche Getränkekiste als tragende Struktur. Eine kompakte Kühleinheit mit Kompressor, Kondensator und Verdampfer sitzt oben auf dem Kistenstapel. Eine flexible, reflektierende Isolierhülle umschließt den Turm und passt sich der Höhe an, während leere Kisten von oben entfernt werden.

Kalturm läuft mit normalem 220V-Anschluss und kühlt aktiv über mehrere Stunden. Mehrere Einheiten lassen sich verbinden, um hochzuskalieren. Ein funktionsfähiger Prototyp wurde gebaut und getestet: Getränke kühlen von über 20°C auf stabile 9-10°C ab.

Die Konstruktion macht professionelle Kühlung für kleine Veranstalter erstmals zugänglich und bezahlbar.

Eine Ode an die Alge. Algen als zukünftige Nahrungsquelle in Europa. Eine unterschätzte Ressource im Fokus.

Klimawandel und Bevölkerungswachstum fordern nachhaltige Lösungen in allen Bereichen des Lebens. Unsere Ernährung verursacht ca. 1/3 der anthropogenen Treibhausgase, ein Bereich, den wir als Konsumenten aktiv mitgestalten können. Algen bieten hier ein großes Potenzial. Während sie ca. 70 % unseres Sauerstoffes produzieren, binden sie CO₂, filtern Wasser, benötigen kein fruchtbares Ackerland und besitzen fast alle für uns Menschen relevanten Nährstoffe.

Noch stellen sie jedoch in Europa eine unterschätzte Ressource mit eher negativem Image dar.

Das Buch Eine Ode an die Alge gibt uns die Möglichkeit, Algen in all ihren positiven Facetten und innovativen Eigenschaften kennen und im Folgenden schätzen zu lernen. Auf diese Weise soll die Arbeit einen Beitrag zur allgemeinen gesellschaftlichen Akzeptanz von Algen leisten, die Neugierde wecken, Vorbehalte abbauen und besonders ihren Wert als Nahrungsmittel hervorheben, damit sie Teil unserer Ernährungskultur werden.

Zeit in Form

Zunächst handelt es sich augenscheinlich um eine gewöhnliche Stabkerze. Doch sobald die Kerze angezündet wird, wird ein Zeitfenster geöffnet, in dem es zu einem bilanzierenden Ablauf kommt, wie man ihn auch von der Sanduhr kennt: es kommt zu einem Übergang der verbleibenden in vergangene Zeit. Das weiße Wachs der Kerze steht damit für die verbleibende Zeit, während ein schwarzer Kohlestab, der sich analog zur abbrennenden Kerze nach oben schiebt, die vergangene Zeit sichtbar macht. Die Flamme der Kerze bewegt sich somit nicht wie üblich immer weiter nach unten, sondern bleibt während der gesamten Brenndauer auf derselben Höhe.

So ergibt sich bei der Nutzung des Objekts immer wieder dieser unerwartete Moment, in dem die Kerze nicht wie üblich herunterbrennt, sondern die verstrichene Zeit wird sichtbar und es bleibt eine exakte Spur, eine exakte Umkehrung von Zukunft in Vergangenheit.

Das Objekt ist rein analog und basiert auf einfachen physikalischen Prinzipien.

Masyl Mit-wachsende Möbel

Masyl ist ein „mitwachsendes Möbel“, das aus Holz und Myzel besteht. Es wurde auch als Hocker für Kinder konzipiert und wächst im Laufe der Zeit durch Myzel in der Zapfenverbindung zu einem Tisch heran.

Dabei wird das Möbel entsprechend dem Wachstum des Kindes verstärkt und vereinheitlicht. Die Struktur, bei der Holz als äußeres Gerüst Form und Anfangsstabilität trägt und das Myzel das Innere sukzessive ausfüllt, erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Druck und Biegung. Diese hybride Konstruktion schafft eine technische Symbiose, in der sich beide Materialien funktional und ästhetisch ergänzen.

Durch die Nachbildung der symbiotischen Beziehung zwischen Holz und Pilzen zeigt Masyl neue Formen des Zusammenspiels von Mensch und Natur, Material und Struktur.

safe-in

Angst. Für Männer nur ein seltenes Gefühl. Für FLINTA* ein ständiger Begleiter. safe-in hilft dieser Unsicherheit zu entkommen. Eine Service-Idee, welche die überall in Großstädten parkenden Carsharing-Autos in temporäre Safe-Spaces verwandelt – mit nur einem Fingertipp.

Begleitet wird die App von einer integrierten Kampagne, die wahre Geschichten emotional erfahrbar und reale Tatorte sichtbar macht.

safe-in. Dein Safe Space für unterwegs.

ShapeStack

Shapestack – Eine Form sagt mehr als tausend Worte.

In diesem kooperativen Spiel dreht sich alles um Kommunikation, Kreativität und Geschicklichkeit.

Zehn spannende Formen aus verschiedenen Materialien werden nacheinander mit je einem Begriff assoziativ beschrieben. Der gewählte Begriff passt dabei zu einer der 36 Kategoriekarten, von denen jede Runde eine aufgedeckt wird. Im Team wird beraten, geraten und erraten.

Schafft ihr es, alle Shapes zu stapeln, bevor der Turm ins Wanken gerät?

Neue Formen des Gedenkens – interaktive Produkte für den Trauerprozess

„INPW“ ist ein interaktiver Dienst zur Unterstützung bei Trauerfällen, der aus einem physischen Ring und einer digitalen App besteht. Die Teilnehmenden umfassen die Person vor ihrem Tod sowie ihre ausgewählten Empfängerinnen und Empfänger, wodurch die Angst vor dem Tod verringert und gleichzeitig ein herzlicher Abschied sowie dauerhafte Gefährtschaft hinterlassen werden.

Basierend auf der Theorie der fortlaufenden Bindungen und dem fünfstufigen Trauermodell nach Kübler-Ross sowie gestützt auf kulturübergreifende Forschung in Taiwan und Deutschland (User Journey Map, Photo Elicitation), entwickelte das Projekt einen kulturell anpassbaren Service.

Der Ring trägt die Erinnerung sowie die symbolische Präsenz der verstorbenen Person, aktiviert die App und verwandelt Emotionen in Begleitung. Das digitale System bietet eine nicht-lineare Kapitelstruktur, die es den Nutzenden ermöglicht, die Trauer im eigenen Tempo zu verarbeiten und die emotionale Bindung durch Inhalte aufrechtzuerhalten, die ihre Liebsten noch vor dem Tod vorbereitet haben.

SALUTO – Die Notaufnahme neu gedacht

SALUTO ist eine Antwort auf prekäre Verhältnisse in Notaufnahmen. Basierend auf vielen Interviews mit Expert:innen ist SALUTO zweigeteilt in eine App und eine Möbelserie.

Die App ersetzt die bisherige digitale Infrastruktur und bezieht Patient:innen aktiv mit ein: Sie ermöglicht Selbst-Triage mit reduzierten Hürden – wie Sprachbarrieren, kommuniziert die Wartezeiten transparent und in Echtzeit, inkludiert die ePA und vermittelt medical literacy. Sie ermächtigt Patient:innen, ihre Zeit selber einzuteilen, reduziert Bias, um marginalisierten Gruppen eine gleiche Behandlung zu ermöglichen und spart den Behandelnden eine doppelte Buchführung und Arbeitszeit durch Automatisierung.

Die Möbelserie ist krankenhauskonform, modular und auf die variierenden Bedürfnisse der Wartenden ausgerichtet. Sie ermöglicht durch Zonierung mehr Privatsphäre, auch für wartende Angehörige, denkt verschiedenste körperliche Einschränkungen und Kontexte mit und kann an verschiedene Abteilungen angepasst werden.