Während Küchen im frühen 20. Jahrhundert vor allem auf Funktionalität ausgerichtet waren, dominieren heute minimalistische Ästhetik und reduzierte Nutzung. Je nahtloser die Kochbereiche werden, desto weniger wird tatsächlich gekocht — ein Wandel mit ökologischen, finanziellen und gesundheitlichen Folgen.
Aus dieser Erkenntnis entstand HIP: ein Regalsystem, das zeitgenössisches Küchendesign infrage stellt. HIP nutzt bislang ungenutzte Fliesenflächen und schafft durch sieben spezialisierte Regaldesigns zusätzlichen Arbeitsraum, während die Arbeitsflächen zum Kochen frei bleiben. Für die Montage ist kein Bohren erforderlich: Jedes Regal wird an zwei dafür vorgesehenen Löchern am speziell entwickelten HIP-Haken eingehängt. Dieser nutzt einen schraubenbasierten Saugnapf für eine stabile, aber jederzeit versetzbare Befestigung, sodass die Regale je nach Bedarf einfach montiert, verschoben oder entfernt werden können.
Die Serie lässt sich von früheren Designansätzen inspirieren, die die Küche als werkstattähnlichen Raum verstanden, kombiniert diese jedoch mit moderner Flexibilität — und lädt dazu ein, unser Verhältnis zum Kochen und den Einfluss von Gestaltung darauf neu zu überdenken.
Kategorie: metal
Velowall
Was hält viele Menschen in Städten davon ab, das Fahrrad im Alltag zu nutzen?
Oft fehlt es an sicheren Abstellmöglichkeiten – besonders in alten Stadtstrukturen ohne integrierte Fahrradparkplätze. Die Velowall ist meine Antwort auf dieses Platzproblem. Sie lässt sich wie ein Parklet auf einem Straßenparkplatz installieren und bietet auf der Fläche eines PKWs Platz für acht überdachte Fahrräder – mit erhöhtem Diebstahlschutz. Optionale Dachbegrünung, Solarzellen für Beleuchtung sowie Anschlüsse für Ladegeräte können flexibel an örtliche Gegebenheiten und individuelle Wünsche angepasst werden. Dank vertikaler Stelltechnik und hydraulischer Wandhalterung können auch schwere E-Bikes mühelos geparkt werden. Die Abteile sind flexibel nutzbar: spontanes Parken oder dauerhaft vermietbar an Pendler:innen. So wissen Radfahrende, dass ihr Fahrrad sicher vor der Tür steht – und das tägliche Pendeln wird einfacher und attraktiver.
Rugged Terrain
Mountainbike-Trails entstehen dort, wo Menschen Bewegung gestalten, Kultur vermitteln und Natur bewahren. Doch wie gelangen Werkzeuge, Materialien und Ausrüstung effizient an abgelegene Baustellen im Wald? Dort, wo verwurzelte Passagen, schlammige Pfade und dichtes Unterholz beginnen, endet die Reichweite klassischer Transportmittel.
Aus den Anforderungen dieser Praxis entstand ein Werkzeug, das die Mobilität eines MTB-Trailers mit der Vielseitigkeit einer Schubkarre vereint – modular, robust und leicht. Die verschraubte Konstruktion erlaubt Reparatur, Anpassung und sichert eine langlebige, ressourcenschonende Nutzung. Ein integrierter Dämpfer sorgt für Kontrolle im Gelände, zahlreiche Befestigungspunkte sichern auch sperrige Lasten.
Entwickelt im Dialog mit Trailbauer*innen, würdigt das Projekt ihre Arbeit – und zeigt, wie durch Gestaltung Verantwortung, Gemeinschaft und Naturverbundenheit gefördert werden können.
Cocktails & Creativity
Im Rahmen des Masterprojekts „Cocktails & Creativity: The Essence of Cocktail Culture“ habe ich die essentielle Grundausstattung einer Bar in einem kombinierten Barutensil vereint. Nach einem ausführlichen historischen und popkulturellen Einstieg in die Bar- und Cocktailkultur definierte ich, welche Utensilien zur unverzichtbaren Basisausstattung gehören – also jene Werkzeuge, die notwendig sind, um die meisten klassischen Cocktails zuzubereiten.
Als gestalterische Grundlage diente die von mir entworfene fiktive Cocktailbar „Circolo Cremisi“, die eine stilistische Richtung sowie eine bestimmte Atmosphäre vorgibt, welche sich im finalen Entwurf widerspiegelt.
Das daraus entwickelte multifunktionale Barutensil – bestehend aus Cocktailshaker, Barmaß, Barsieb, Barlöffel, Stößel und Rührglas – ermöglicht die Zubereitung aller gängigen Cocktailklassiker.
LiLa
LiLa – steht für Lightweight Lampe und ist der Beginn einer Leuchtenserie. Inspiriert von der Einfachheit, Leichtigkeit und Modularität von Zeltstangen bietet LiLa die Möglichkeit verschiedenster Kombinationen und Anwendungen. Das Prinzip der Zeltstangen bedeutet ein modulares System aus einem Lichtmodul, welches nach Belieben aneinandergesteckt und damit erweitert werden kann. Unterschiedliche Adapterteile, die in das Klicksystem integriert werden, sowie die Möglichkeit, diese gegeneinander zu drehen, lassen verschiedene Leuchtenszenarien zu. Die Serie besteht aus acht verschiedenen Modulen und ermöglicht eine flexible Nutzung als Steh-, Wand- und Pendelleuchte.
Das Augenmerk der Serie liegt auf der Reduktion und der Verwendung von leichten Materialien, der einfachen Demontierbarkeit bei Reparaturen oder technischer Entwicklung, der Separierbarkeit der verwendeten Materialien und der verbauten Technik sowie der Verwendung von LED als energieeffizientes und langlebiges Leuchtmittel.
SunDrops | collecting solar energy
Für Privatpersonen in städtischen Gebieten ist der Zugang zu erneuerbaren Energien oft beschränkt. Während Eigenheimbesitzer oft schon Zugang zu Photovoltaiklösungen auf ihren Dächern haben, wird Mietern der Zugang zu solchen Technologien häufig verwehrt. Bestehende Solarmodule für Balkone sind im Wesentlichen die gleichen wie die für Dächer.
SunDrops ermöglicht den Zugang zu dezentraler Energieerzeugung für Mieter, indem es den Balkon nutzt, und bietet eine werkzeuglose Installation, wodurch die Hemmschwelle, mit der eigenen Stromerzeugung zu beginnen, gesenkt wird.
Die kompakte Bauweise und das Design sollen eine breite Akzeptanz fördern und machen erneuerbare Energien auch für Mieter zugänglich.
Durch die Nutzung vorhandener Flächen im städtischen Raum trägt SunDrops zur Demokratisierung der Energieversorgung und zur aktiven Beteiligung an der Energiewende bei. SunDrops gestaltet Materialien und Oberflächen für Photovoltaik so um, dass sie in bestehende Außenanlagen passen.
C808
Connecting.808 ist ein Diplomprojekt, das die Komplexität klassischer elektronischer Musikproduktion reduziert und eine intuitive, immersive Benutzererfahrung ermöglicht. Im Zentrum steht ein modulares System, das Nutzer befähigt, einzelne Klangbausteine wie Basslines, Synths und Percussion-Elemente separat zu speichern, zu bearbeiten und live miteinander zu kombinieren.
Eine innovative Gestensteuerung erlaubt es, die Dynamik der Bausteine durch die räumliche Anordnung der Devices in Echtzeit zu modulieren. Ergänzend ermöglichen berührungssensitive Oberflächen mit LED-Matrix die Steuerung von Effekten wie Reverb und Delay sowie die gezielte Auswahl von Samples.
Connecting.808 integriert Hard- und Software in einem nutzerfreundlichen Interface, das kreative Freiheit fördert und technische Barrieren minimiert. Ziel ist es, Musikproduktion zu demokratisieren und eine neue, physisch erfahrbare Form der Klanggestaltung zu etablieren.
NESSIE
Heutzutage werden Algen meist unter Wasser auf langen Kunststoffleinen gezüchtet – ein Verfahren, das Plastikmüll in den Ozeanen hinterlässt und für kleinere Akteure kaum nutzbar ist, da es eine große Infrastruktur für die Verankerung verlangt. Dabei haben Algen als Ressource enormes Potenzial für biologisch abbaubare Kunststoffe, Textilien und Biokraftstoffe. Warum also den Zugang zum Anbau nicht erleichtern und gleichzeitig unsere Meere entlasten?
NESSIE ist eine ökologische, no-tech-Alternative: ein Edelstahlsystem aus einem einzigen Blech, das das Algenwachstum maximiert. Die glatte Oberfläche ermöglicht die natürliche Anhaftung der Algen; die Kegelform optimiert die Sonneneinstrahlung.
Statt geschweißtem Stahl ist es flach aus einem Monomaterial gefertigt, mit 16 Nieten direkt vor Ort biegbar – und spart Kosten, Lager- und Transportaufwand. NESSIE benötigt nur eine Schwimmkugel zur Befestigung, fügt sich harmonisch in die Küstenlandschaft ein und ist vollständig recycelbar.
Spike Bench
Die Spike Bench ist eine modulare Sitzbank, die sich konzeptionell mit defensivem Design im öffentlichen Raum auseinandersetzt. Die Beschäftigung mit Spikes ist interessant, da sie als eines der brutalsten Elemente der Exklusion gelten. In ihrer Ästhetik identisch, erfüllen sie in anderen Bereichen jedoch ganz unterschiedliche Funktionen.
Die Sitzbank deutet den ausgrenzenden Zweck um und orientiert sich dabei an der Funktion von Spikes in anderen Kontexten. Sie hinterfragt konventionelle Vorstellungen von Zugänglichkeit und regt zur Reflexion über die Dynamik des öffentlichen Raums an – insbesondere im Hinblick auf den Mangel an nicht-kommerziellen Sitzmöglichkeiten und die Marginalisierung bestimmter Gruppen. Spikes werden als konstruktives Element integriert, wodurch die erwartete Funktion gebrochen und Irritation erzeugt wird. Der Kontextwechsel lädt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Prinzipien des defensiven Designs ein.
Ornament und Massenproduktion
Das Ornament galt lange als Gegensatz zur industriellen Fertigung – als überflüssig, irrational, nicht normierbar. Doch diese Trennung ist ein Dogma. Ornament ist mehr als Zierde: Es strukturiert, gliedert, verweist, trägt. Diese Arbeit hinterfragt die Idee des Ornaments im industriellen Kontext und sucht nach einer gestalterischen Synthese: Wie kann Ornament nicht aufgesetzt, sondern integraler Bestandteil der Massenproduktion werden?
Das standardisierte Aluminiumprofil steht hier als Sinnbild funktionaler Reduktion. Durch den gezielten Eingriff wird es manipuliert, um eine zweite Ordnung sichtbar zu machen: eine ornamentale Struktur, die nicht gegen das Material arbeitet, sondern aus dessen industrieller Logik heraus entwickelt wird. Daraus entstehen drei Möbel: Hocker, Tisch und Leuchte mit Ornament. Sie untersuchen, wie Ornament in einfachen Alltagsobjekten wirkt.