Warum sollte es etwas geben anstelle von nichts? Wieso tauchen in der Natur so viele Formen und Muster auf? Das Universum mag auf den ersten Blick chaotisch wirken, doch hinter diesem scheinbaren Chaos liegen zahlreiche Regelmäßigkeiten und Gesetze verborgen, die mathematisch beschreibbare Muster und Strukturen erzeugen. Sie sind der Prozess, wie Leben wächst und seine Form bekommt. Die Morphogenese-Theorie des britischen Mathematikers Alan Turing beschreibt diesen biologischen Prozess, durch den sich die physische Form eines Organismus im Laufe der Zeit entwickelt und verändert. MorphoGenesis beleuchtet die Erkenntnisse von Alan Turing und erforscht experimentell die organische Formbildung sowie die wiederkehrenden Muster der Natur. Dabei entsteht innerhalb einer digitalen Ursuppe eine neue Schöpfungsgeschichte, bei welcher sich Schritt für Schritt neue digitale Existenzen bilden.
Kategorie: German Design Graduates
Mindful Movement
Angetrieben von der Motivation, Muskeln im Training intensiver zu spüren und gezielt anzusteuern, vereint diese Arbeit die Themen Sport, Funktion und Textil. Im Mittelpunkt steht die Mind-Muscle-Connection – die bewusste Verbindung zur Muskulatur, die die Körperwahrnehmung stärkt und das Muskelwachstum fördern kann. Der entwickelte Prototyp konzentriert sich auf die Wadenmuskulatur und kombiniert gezielte Druckpunkte mit einem komprimierenden Textil sowie druckverstärkenden Gummibändern. Ziel war es, die muskuläre Wahrnehmung während des Trainings zu verbessern. In einem Praxistest mit zehn Personen während einer Wadenübung wurde dieser Effekt bestätigt: Die Teilnehmer berichteten von intensiviertem Muskelgefühl, gesteigerter Stabilität und großem Interesse an dem Thema. Daraufhin wurde der Prototyp anhand des Feedbacks weiter optimiert. Das Ergebnis ist eine funktionale, körpernahe und neu gedachte Trainingsunterstützung – sowie ein Ansatz mit Potenzial für weitere Anwendungsbereiche.
Ideologien visualisieren
In meiner Bachelorarbeit stellte ich mir die Frage, ob und wie Ideologien unvoreingenommen visualisiert werden können. Ausgehend von sechs politischen Makroideologien – von Kommunismus bis Faschismus – entwickelte ich eine eigene visuelle Analysemethode basierend auf Michael Freedens Ideologiemorphologie und Clifford Geertz’ These zu Symbolen. Mit einer ChatGPT-API-Schnittstelle entstand ein Tool, das ideologische Konzepte strukturiert analysiert. Aus den Ergebnissen wuchsen gigantische Bildwelten mit fast 3000 Symbolbildern. Die Kernidee war, ideologische Perspektiven sichtbar zu machen: Erst durch die Veränderung des Standpunktes und Wechsel der Blickrichtung werden andere Perspektiven erfahrbar. Der Prototyp, ein immersiver Raum, erlaubt genau das. Das Ergebnis ist der Grundstein zu einem bildungspolitischen Werkzeug, das ideologische Komplexität visuell erfahrbar macht.
HYPERUNIFORMITY
Wie lässt sich abstraktes wissenschaftliches Wissen vermitteln, sodass es Neugier weckt, verständlich wird und zum Austausch anregt? Diese Frage steht im Zentrum der Diplomarbeit, die das wenig bekannte mathematische Konzept der Hyperuniformität – ein Ordnungsprinzip mit Potenzial für Biologie, Physik und zukunftsweisende Stadtplanung – einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will.
Ziel ist es, abstrakte Wissenschaft im öffentlichen Raum durch ein breit angelegtes interaktives Ausstellungskonzept erfahrbar zu machen. Drei aufeinander aufbauende Exponate wurden realisiert: mathematische Grundlagen, die per Gestensteuerung erfahrbar sind („Verstehen“); interaktiv erkundbare Anwendungsbeispiele („Entdecken“); sowie das Einbringen eigener Perspektiven als Ausgangspunkt für neue Forschung („Weiterdenken“).
Die abschließende Evaluation zeigte, dass Interaktivität, Attraktivität und narrative Gestaltung die Besuchenden motivieren, sich engagiert und offen mit komplexer Forschung auseinanderzusetzen.
redrawn
Geformte Bleche sind struktureller Bestandteil vieler Produkte. Während durch Recycling das Rohmaterial zurückgewonnen wird, geht die – mit erheblichem Energieaufwand erzeugte – Form verloren. Das unregelmäßige Aufkommen und die komplexen Geometrien der Blechteile erschweren jedoch eine industrielle Weiterverarbeitung oder Umnutzung.
In dieser Arbeit wurde ein System entwickelt, um aus lokal verfügbaren Blechteilen individuelle Produkte zu generieren. Geometrische Merkmale der digital erfassten Bleche werden extrahiert und in einer Inventar-Datenbank gespeichert. Gestaltende können mithilfe eines Design-Interfaces Zielgeometrien modellieren und so die algorithmische Aggregation steuern. Generierte Anleitungen ermöglichen die Zerlegung und Neuzusammensetzung der Blechteile mit einfachen Handwerkzeugen.
Anhand einer Inventar-Datenbank, eines Design-Interfaces und eines Beispielprodukts wird der Ansatz als skalierbar und auf andere Materialien übertragbar demonstriert.
Auf der Suche nach Glück
Hinter jeder Migration steckt eine individuelle Geschichte: In Deutschland sind es mehr als 20 Millionen. Doch oft werden nur jene Stimmen gehört, die Probleme bereiten – die laut sind, die aus der Reihe tanzen, die Schlagzeilen machen.
Mein Buch stellt die leisen Stimmen in den Vordergrund. In persönlichen Interviews, eindrucksvollen Fotografien und ehrlichen Zitaten teilen Menschen mit Migrationshintergrund ihre Erlebnisse, Herausforderungen und Hoffnungen. Es geht um Heimat, Ausgrenzung, Neuanfang – aber auch um Stärke, Zusammenhalt und Menschlichkeit. Die Gestaltung vereint präzise Diagramme, visuell ansprechende Karten und ausdrucksstarke Bilder, um die Vielfalt der Lebensrealitäten anschaulich und ergreifend darzustellen.
Dieses Buch lädt dazu ein, Vorurteile zu hinterfragen, Empathie zu entwickeln und die kulturelle Vielfalt als Bereicherung wahrzunehmen. Es ist ein Plädoyer dafür, Brücken zu bauen und die Geschichten hinter der Migration sichtbar zu machen.
Sei doch mal ein echter Mann!
In meiner Bachelorarbeit auf dem Bauhauscampus Dessau als Integrierte Designerin entwickelte ich die Ausstellung „Sei doch mal ein echter Mann!“, die gesellschaftlich geprägte Männlichkeitsbilder untersucht. Grundlage waren Interviews, eine Online-Umfrage sowie Gespräche mit Expert:innen. Die Ergebnisse wurden in eine begehbare Installation aus Scherenschnitten, Metallobjekten, Tonaufnahmen und Texten übersetzt. Besucher:innen begegneten konstruierten Rollenbildern und echten Stimmen über Gefühle, Vaterrollen und Selbstbilder.
Die Ausstellung versteht sich als Einladung zum Dialog – ohne Schuldzuweisungen, aber mit dem Wunsch nach Veränderung.
Sie zeigt, wie starre Männlichkeitsnormen nicht nur FLINTA-Personen, sondern auch Männer selbst einschränken – emotional, sozial und gesundheitlich. Gestaltung wird hier zum Werkzeug für geschlechtersensible Bildung und zur Stärkung demokratischer Werte durch Teilhabe, Reflexion und Zuhören.
Symbios
Die marine Biodiversität steht unter enormem Druck. Der Klimawandel und zunehmende menschliche Eingriffe bedrohen weltweit die marinen Ökosysteme. Mit dem Wachstum der Weltbevölkerung steigt auch der Druck, die Ozeane intensiver für die Landwirtschaft — insbesondere zur Nahrungsmittelproduktion — zu nutzen. Diese Arbeit stellt die Fragen: Wie können Mensch und Natur sich den Raum des Ozeans künftig teilen? Und wie lassen sich die Fehler der konventionellen Landwirtschaft im Ozean vermeiden?
Das Ergebnis ist Symbios – ein Bojensystem für den Seetang-Anbau in Nordeuropa. Das modulare System besteht aus einer zentralen Mutterboje, mehreren Tochterbojen und einem IoT-basierten Überwachungsgerät. Durch Teilernte und automatisierte Bewegung zwischen verschiedenen Wassertiefen ermöglicht Symbios den Landwirten eine ganzjährige Algenkultivierung und bietet gleichzeitig ein stabiles, dauerhaftes Habitat für marine Ökosysteme. Automatisierung und digitale Überwachung reduzieren kostspielige Fahrten zur Farm und minimieren Störungen des umliegenden Meereslebens.
Grid Sense
Deutschlands Umstieg auf erneuerbare Energien erfordert ein Umdenken in unserem Stromverbrauch — wir müssen verstehen, wann Energie im Überfluss vorhanden ist und wann sie knapp wird, ein Prozess, der als „Netzbilanzierung“ bezeichnet wird. Viele Deutsche möchten diesen Wandel unterstützen, wissen jedoch nicht, wie. GridSense Home ist ein minimalistisches Ambient-Gerät, das die Überwachung von sauberer Energie für alle einfach macht. Mit einer stromsparenden LED und einem digitalen Display zeigt es an, wie viel der verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen stammt und korreliert dies mit der Netzverfügbarkeit, um die Bürger:innen auf die Zukunft vorzubereiten. Entwickelt für die 3,8 Millionen Mieter:innen Berlins, die weder über Platz noch Kapital für eigene Erzeugung verfügen, fördert es einen bewussten Energieverbrauch ohne die Komplexität von Smart-Home-Technologie. GridSense liefert intuitive Einblicke in Gemeinschaftsräumen und bietet eine Begleit-App zur detaillierten Nachverfolgung. Entwickelt wurde das System im Rahmen einer experimentellen Studie zur Mensch-Computer-Interaktion, um herauszufinden, wie Energiedaten am besten dargestellt werden können, um einen Wandel im Verbrauchsverhalten zu fördern.
Ka’lema – Expedition ins Ungewisse
Klimakrise, Artensterben, Ressourcenknappheit – die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit wirken oft abstrakt und überwältigend. Umso wichtiger ist es, diese Themen intuitiv erfahrbar zu machen und emotionale Zugänge zu schaffen.
Das von mir entwickelte Brettspiel „Ka‘lema – Expedition ins Ungewisse“ macht erlebbar, was passiert, wenn wir weiterhin ausbeuten statt zu bewahren: Der Planet selbst wird zur aktiven Spielfigur – er reagiert auf das Verhalten der Spielenden und wehrt sich gegen zerstörerisches Handeln. Ziel ist es, im Einklang mit der Umwelt zu überleben, statt sie zu dominieren.
Das Spiel vereint narrative Tiefe mit einem durchdachten Spielsystem und einem besonderen Designkonzept: Das Spielfeld ist als großformatiges Notizbuch gestaltet, das sich vollständig aufklappen lässt und gleichzeitig als Verpackung dient. So entsteht ein immersives Spielerlebnis, das komplexe Themen zugänglich macht – und dabei Spaß macht, berührt und zum Nachdenken anregt.