Als Ausgangspunkt für den Designprozess während meiner Bachelorarbeit setzte ich mir die intensive Beschäftigung mit einem Material – dem Knoblauch.
Ein Material kann schöpferische Prozesse wissenschaftlicher oder auch kreativer Art in Gang setzen, indem es der Kreativität etwas entgegensetzt, sie herausfordert und konkret werden lässt. Es kommt zudem stets mit einer Fülle von Erfahrungswelten, reduziert man es nicht auf eine ihm aufgezwungene Verwendung. Was kann mir der Knoblauch also bieten, wenn ich mich abseits des herkömmlichen kulinarischen Kontextes auf sein volles Potenzial einlasse?
Dies wollte ich herausfinden und trat im Laufe meines Bachelorsemesters mit ziellosem Forschungsdrang und einem radikalen Nichtwissen in einen persönlichen Dialog mit einer Knolle. Ich distanzierte mich von einem Ergebnis – der Herstellung eines Textils – und arbeitete prozessorientiert. Daraus entstanden sind eine Reihe unterschiedlicher Experimente und ein veränderter Blick als Designerin.
Kategorie: GDG Show 2021
Teilnehmer der 2021er GDG Show
BetaWare
BetaWare ist ein Material aus Zuckerrübencellulose und Melasse, welches vegan und ehrlich kompostierbar ist. Es sind Beimaterialien der Zuckerherstellung, weshalb keine zusätzlichen Anbauflächen für den Waren-Konsum genutzt werden. Nach der Zwischennutzung kann das Material einem natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Durch eine intensive Recherche und eine Vielzahl an Versuchen wurde das Material entwickelt, dazu gehören auch erfolgreiche Spritzgussversuche. Gestaltet wurden Produkte, die vielseitig nutzbar sind und Verarbeitungsverfahren aufzeigen. Im Zusammenhang von resilienter, ehrlicher und nachhaltiger Gestaltung entstand ein zukunftsfähiger Gestaltungsansatz.
Weisses Gold²
Weisses Gold²
Porzellan und Salz
ist eine Geschirrkollektion aus Porzellan zur Verwendung in der gehobenen Gastronomie, die den Fokus der Speisen auf eine sichtbare Anwendung von Salz legt. Auf den Tellern werden durch die Teilung oder die Größe des Spiegels mehrere Ebenen als Anrichte geschaffen. Parallel entstand in einer Kooperation mit einem Restaurant in Halle ein 5 Gänge Salzmenü. Durch das bewusste Zusammenspiel von speziell geformtem Porzellan und Salz wird beiden eine gesteigerte Wertigkeit und Aufmerksamkeit zuteil.
WOHNEN
Das Wohnen ist ein höchstpersönliches Erlebnis. Die Art und Weise, wie einzelne Personen wohnen, sagt dennoch viel über gesamtgesellschaftliche Zustände aus.
Die Arbeit hat zum Ziel, Freiräume, die uns das Wohnen in der hochkomplexen, westlichen Gesellschaft bieten kann, aufzudecken.
Als gestalterische Reaktion auf die gesellschaftliche Lage werden fünf hypothetische Wohntypen hergeleitet und erläutert, die durch je eine Persona spezifiziert werden: der Nomade, die Funktionale, die Unabhängige, die Kommune und der Träumer. Für jede Persona wird ein Zimmer gestaltet. Gemeinsam zeigen sie fünf Freiräume auf, die der eigene Wohnraum in angespannten Zeiten bieten kann – Rückzugsorte, die einer pluralisierten, hochkomplexen Gesellschaft entspringen.
NoMo – das Notfallmonster / NoMo – the emergency monster
NoMo, das Notfallmonster bietet Sicherheit für Eltern, Großeltern und Erzieher*innen. Allein oder gemeinsam mit Kindern werden mit NoMo spielerisch Erste-Hilfe-Maßnahmen erlernt oder aufgefrischt. Somit werden Kinder schon früh an das Thema herangeführt, während Erwachsene auf Notfälle mit ihren Kindern vorbereitet werden. NoMo ist speziell für die Vorbereitung auf Notfälle mit Säuglingen und Kleinkindern ausgerichtet. Im Falle eines lebensbedrohlichen Notfalls unterstützt NoMo die lebensrettenden Maßnahmen, indem es Ersthelfer*innen durch den Prozess leitet und beruhigt. NoMo ist so gestaltet, dass es zur Ersten Hilfe ermutigt und sie unterstützt. Gleichzeitig ist NoMo Spielgefährte und freundlicher Begleiter für Kinder.
Omnia
Omnia ist ein adaptives Bedienungselement für das Home-Entertainment System, welches sich auf den Gamingbereich zu Hause fokussiert. Sie vereint die Möglichkeit Prozesse die sonst mehrstufige Interaktionen benötigen in eine Geste zu vereinen. Durch taktiles Feedback bei jeder Interaktion wird der*die Nutzer*in in seiner Interaktion so unterstützt, dass eine intuitive Bedienung ohne Sichtkontakt ermöglicht wird. Alle Funktionen sind so gestaltet, dass das Game nicht unterbrochen werden muss.
Guerilla Kitchen
Guerilla Kitchen ist ein kompaktes, flexibles Werkzeug für die Street Food Produktion, das als zugängliche Alternative zu einem Food Truck konzipiert ist. Die Module, die auf die Zubereitung und Lagerung unterschiedlicher Nahrungsmittel und Gerichte ausgelegt sind, lassen sich beliebig kombinieren, um auf die individuellen Bedürfnisse der Nutzer*innen einzugehen. Die geringe Größe ist optimiert für den Transport im dichten, urbanen Raum, was der Guerilla Kitchen erlaubt, auch mit wenig Platz zu funktionieren und schnell den Standort zu wechseln. Ausklappbare Infoflächen tragen die Identität des individuellen Geschäfts nach außen. Die Kompaktheit und Modularität der Guerilla Kitchen sollen es ermöglichen, mit weniger Kapital und Modifikation ein Street Food Geschäft zu realisieren, sodass mehr Straßen durch Street Food bereichert werden können.
Omnia
Omnia ist ein modulares System zur Herstellung von Strukturen, die als Möbel und/oder architektonische Elemente fungieren können.
Der Entwurf basiert auf der Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnraumverknappung in Städten und den Grundprinzipien von Wohnqualität. Dabei beschreibt er die Notwendigkeit, nachhaltig eine Transzendenz zwischen Möbel und Architektur zu schaffen.
Nach einfachen Konstruktionsprinzipien lassen sich simple oder komplexe Strukturen bilden, die in Höhe, Breite und Tiefe frei erweiterbar sind. Sechs verschiedene Plattenformate und spezielle Verbinder bilden die Grundelemente, um in jedem Raum individuelle Strukturen zur Aufbewahrung, Tätigkeitsinseln, Spielplätze, Rückzugsbereiche oder Raumteiler zu integrieren. Alle Entscheidungen sind dabei reversibel und das System immer wieder in neuen Szenarien verwendbar.
wfh – desk
Der Entwurf work from home reagiert auf den aktuellen Wandel der Arbeitswelt.
Entstanden ist ein Arbeitstisch, welcher sich optimal jeder Körpergröße anpassen lässt und auch das Arbeiten im Stehen ermöglicht. Das Material Karuun ist ein nachhaltiger und schnell wachsender Rohstoff. Durch den Anbau der Rattanpalme wird die Aufforstung und den Erhalt des Regenwaldes gefördert. So entstehen nachhaltige Wertschöpfungsketten von denen sowohl die lokale Bevölkerung als auch das Klima profitieren.