ca!re

Julian Breitschmid

Juli / July - 2019

Bauhaus Universität Weimar

Was ist es?

ca!re ist eine alternative Messstation, die die unsichtbare Verschmutzung durch Verunreinigungen in der Luft sichtbar macht. Sie macht die Thematik der Luftverschmutzung in unseren Städten emotional greifbar. Mit den fünf Klimatrichtern bietet ca!re einen interaktiven, grünen Erlebnis- und Ruheort im Herzen der Stadt. Jedem dieser Klimatrichter ist ein bestimmter Schadstoff zugewiesen (Feinstaub Pm10, Feinstaub Pm2.5, Kohlendioxid, Ozon und Stickoxide). Über LED-Lichtstreifen sind die Trichter mit Sensoren in straßennähe verbunden. Jeder Trichter visualisiert über die LED-Lichtstreifen die aktuelle Konzentration des jeweiligen Schadstoffes in der Atemluft. Der angezeigte, visualisierte Wert erhöht sich oder fällt abhängig von der aktuellen Luftqualität. Die Intensität wird zusätzlich über einen Farbenkode kommuniziert. Der großflächige Moosbewuchs der Trichter reinigt aktiv die Luft und schafft ein Mikroklima, das mit allen Sinnen erfahren werden kann.

Was ist das Thema?

Ich habe mich gefragt: Wie kann die Luftverschmutzung, die von städtischen Messstationen aufgezeichnet wird, sichtbar gemacht werden – live an Ort und Stelle? Luftverschmutzung ist eines der größten Umweltprobleme, mit dem wir heute konfrontiert sind. Besonders unsere Städte, in denen laut UNO bis 2050 mehr als zwei Drittel der Menschheit leben werden, sind ein entscheidender Faktor für die Klimakrise. Städte sind einerseits ein wesentlicher Verursacher von Verschmutzung, andererseits leiden Menschen, die in großen Städten leben als erstes unter klimatischen Bedrohungen wie Hitze und Luftverschmutzung. Das Problem ist, dass die meisten Schadstoffbelastungen nicht sichtbar und die Auswirkungen nicht unmittelbar greifbar sind. Aus diesem Grund war mein Ansatz, neben der tatsächlichen Luftreinigung, einen Ort der Umwelterfahrung und Umweltbildung zu entwerfen.

Warum sieht es so aus?

Das Aussehen der Klimatrichter leitet sich aus mehreren Faktoren ab. Angepasst an die Begrünung der Trichter, sollte auch die Gestaltung nicht zu statisch wirken, sondern einer eher organischen Form folgen. Wie ein abstrahiertes Bild eines Baumes, entspricht die Form im unteren Bereich einer Säule beziehungsweise einem Stamm und öffnet sich nach oben hin. Neben der formalen Ästhetik hat diese Form vor allem funktionale Vorteile. Die weiten Trichter spenden Schatten, um die gekoppelte Belastung von Hitze und Feinstaub für den Menschen zu reduzieren. Dazu sollte die Form in der Höhe über dem Kopf eine möglichst große Fläche aufweisen, wobei der Raum darunter nicht verstellt, sondern noch frei zugänglich sein sollte. Aus diesen Anforderungen ergibt sich schon fast zwangsweise eine Trichterform. Die leichte Asymmetrie bewirkt den stärkeren Überhang der Trichter ausgerichtet zum Zentrum von ca!re. Dadurch wird noch mehr Schattenfläche für den Raum geschaffen und das Gefühl der sich über einem aufwölbenden, weichen Moosdecke, die Schutz bietet, wird verstärkt.

Was ist das Besondere?

ca!re stellt einen Ansatz zur Umweltbildung der Öffentlichkeit dar, schafft mehr Transparenz und ein tieferes Bewusstsein für Luftverschmutzung in Städten. Gerade in der heutigen Zeit, in der im Internet Informationen ohne nachvollziehbare Quellen kursieren, wird sich nicht nur auf reine Fakten, sondern gefühlte Umstände verlassen. Aus diesem Grund halte ich es für wichtig, dass eine Sensibilisierung über ein emotionales Verständnis stattfinden muss, ohne aber den Bezug zu den Fakten zu verlieren. Die Wissenschaft und Politik muss mit Hilfe von Gestaltung neue Wege finden, um die großen Umweltprobleme zu vermitteln und ich hoffe, dass ca!re bereits dazu beitragen kann.

Was ist neu?

ca!re kombiniert Umweltmonitoring und Umweltbildung im Kontext der Stadtbegrünung. Das Projekt erhebt einen neuen Anspruch darauf, wie mit der Thematik der Öffentlichkeitsbildung in Umweltfragen bürgernah umgegangen werden kann. Das ganzheitliche Konzept setzt den Menschen in das Zentrum der Gestaltung und schafft einen Ort, für Natur in der Stadt und für den Austausch über die Gefahren von Verschmutzung und möglichen Alternativen.