Responsive Fibers: Digitally Re-Formed

„Responsive Fibers: Digitally Re-Formed“ untersucht, wie Form aus der wechselseitigen Abhängigkeit zweier unterschiedlicher faserbasierter Materialien entstehen kann. Das erste Material ist eine gepresste Faserbahn aus wasserbeständigen Rohfasern; das zweite eine Paste aus verstärkten, recycelten Papierfasern. Mithilfe robotergestützter Extrusion wird die Recyclingfaserpaste in vorgegebenen Mustern auf die noch feuchten Faserbahnen aufgetragen.

Während beide Materialien gleichzeitig trocknen, entstehen durch Unterschiede in Wasseraufnahme und Schrumpfung Spannungen zwischen ihnen. Das extrudierte Material speichert mehr Wasser und zieht sich stärker zusammen, wodurch es an der stabileren gepressten Faserschicht zieht und sie verformt.

Form entsteht so aus einem dynamischen Zusammenspiel von Schrumpfung, Widerstand und materieller Wechselwirkung und macht die in den Fasern wirkenden inneren Kräfte sichtbar.

To Mark is to Mean

„To Mark is to Mean“ untersucht, wie typografische Hervorhebungen nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern auch Bedeutung, Tonalität und Interpretation der Texte mit gestalten. Die Publikation bringt historische Beispiele mit kontemporären Arbeiten von 35 internationalen Designer*innen, Foundries und Studios zusammen, auch jenseits des lateinischen Schriftsystems, und formt so ein Archiv, das die Bandbreite und das noch nicht ausgeschöpfte Potenzial typografischer Hervorhebung aufzeigt.

Layered Matter

Dieses Projekt erforscht ein nachhaltiges Vliesstoff-Flächenmaterial, das aus einer Kombination von recycelten Textilien und Wolle, einschließlich lokal bezogener Rohwolle aus Berlin, hergestellt wird. Als Reaktion auf den weltweiten Textilmüll und die Überproduktion werden ausrangierte Kleidungsstücke als zentrale Ressource wiederverwendet. Inspiriert von historischen Praktiken, Textilien in Papier zu verwandeln, verbindet das Material die Weichheit und Transluzenz von Stoffen mit den funktionalen Eigenschaften von Wolle wie Flammwidrigkeit, Feuchtigkeitsregulierung und Luftreinigungspotenzial.

Für Innenraumanwendungen wie Raumteiler wurde eine große, farbenfrohe Textilbahn entwickelt. Beeinflusst von der japanischen Boro-Tradition bewahrt das Design die sichtbare Identität jedes wiederverwendeten Textils und bildet eine patchworkartige Oberfläche, die sowohl die Materialgeschichte als auch eine zeitgenössische Designsprache widerspiegelt.

Das Projekt zeigt, wie die Kombination von Abfallstoffen mit kulturellen Reparaturpraktiken nachhaltige, funktionale und ausdrucksstarke Alternativen für die Innenarchitektur schaffen kann.

The Interval Organ

„The Interval Organ“ ist eine investigative Arbeit, die Schnittstelle zwischen Traum und Bewusstsein. Im gestalterischen Prozess entstand eine mediale Installation aus VR-Erfahrung und Bildschirmarbeiten, die das Phänomen der Schlafparalyse in eine abstrakte, räumlich erfahrbare Form überträgt.

Im Zentrum entfaltet sich mithilfe von VR, ein pulsierendes Konstrukt das auf medizinischen Parametern basiert und körperliche Vorgänge in eine eigenständige visuelle Sprache übersetzt.

Ziel der Arbeit ist es, eine unsichtbare Zwischenwelt sichtbar zu machen und einen emotionalen Zugang zu einem schwer greifbaren und oft missverstandenen Phänomen zu eröffnen.

heimatglyphen

In der freien Bachelorarbeit wurde sich auf typografischer Ebene dem Themenkomplex „Dialekt“ angenähert. Da Dialekte besonders in jüngeren Generationen an Bedeutung verlieren, sollte durch die Visualisierung der Klangvielfalt meines Heimat-Dialektes aus dem Ostallgäu der kulturelle und identitätsstiftende Wert von Mundart sichtbar gemacht werden.

Ausgehend von der Frage, wie sich Dialekt schriftlich darstellen lässt, wurden neue Glyphen aus charakteristischen Merkmalen entwickelt. Grundlage bildeten hierfür Analysen von Dialektliteratur sowie experimentelle Abstrahierungen lateinischer Glyphen durch Scanprozesse.

Das Ergebnis ist eine interaktive Webanwendung mit animierten Glyphen, Wörterbuch, Hörbeispielen und Interviews. Ergänzend entstand ein RISO-gedrucktes, handgebundenes Booklet als Type Specimen. Testings zeigten: Die Texte erzeugen bewusste Lesepausen und fördern das Hörverhalten, wodurch Dialekt digital wie analog erlebbar wird.

Retroscan

Retroscan untersucht Nostalgie als digitales und technologisch geprägtes Phänomen. In einer beschleunigten Medienwelt werden Erinnerungen zunehmend durch soziale Netzwerke, Algorithmen und Künstliche Intelligenz rekonstruiert, ästhetisiert und verbreitet. Das Projekt hinterfragt, wie diese Technologien unsere Wahrnehmung von Vergangenheit beeinflussen.

Die interaktive Website verbindet Theorie & Gestaltung. Durch eine Hover-Interaktion lassen sich verborgene Ebenen mit Analysen und Informationen entdecken. 3D-modellierte Objekte, abstrahiertes eigenes Bildmaterial, Popkultur-Referenzen sowie selbst entwickelte KI-generierte Szenen machen Nostalgie als konstruiertes, wiederholbares & manipulierbares Konzept erfahrbar.

Ergänzt wird die Website durch ein Magazin, das die Inhalte in ein Printmedium übersetzt, sowie durch eine Augmented-Reality-Anwendung mit zusätzlichen interaktiven Ebenen. So entsteht ein multimediales Gesamtkonzept, das digitale & analoge Medien verbindet.

Komprimat

War unsere Wahrnehmung jemals neutral? Sie wurde schon immer durch Sprache, Bilder und kulturelle Codes gefiltert. Heute verstärken digitale Medien und ästhetische Simulationen den Abstraktionsprozess. Was uns begegnet, ist nicht mehr die Natur selbst, sondern kuratierte Darstellungen dessen, was wir für Natur halten.

Nach der Theorie von Baudrillard spiegelt das Bild zunächst eine grundlegende Realität wider. Dann verzerrt es diese, bevor es in der dritten Stufe vortäuscht, etwas Reales darzustellen, obwohl kein Original existiert. Schließlich wird es zum reinen Simulakrum, einem Bild ohne jeglichen Bezug. Natur wird in diesem Kontext hyperreal. Sie wird lebendiger, kontrollierter und natürlicher als die Natur selbst.

Die Installation lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie unsere Beziehung zur natürlichen Welt konstruiert, wiederholt und letztlich durch Schichten der Simulation ersetzt wird – bis Realität und Abbild nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.

Die kleinen Dinge im Leben – Perspektiven auf Selbstverständliches und soziale Ungleichheit

Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit sozialer Ungleichheit und der Frage, wie unterschiedliche Lebensrealitäten erfahrbar gemacht werden können. Durch die Gegenüberstellung fremder und der eigenen Lebensrealitäten werden globale Unterschiede sichtbar und der Blick auf selbstverständliche Aspekte des eigenen Alltags gelenkt.

Ziel ist es, durch einen Perspektivenwechsel Empathie für andere Lebensrealitäten zu fördern und ein Bewusstsein für soziale Ungleichheit zu schaffen. Dabei stehen weder moralische Belehrung oder Schuldgefühle im Vordergrund, sondern die Reflexion der eigenen Lebensrealität im Kontext mit anderen Lebenswelten.

Der narrativ-basierte Gestaltungsansatz übersetzt Zahlen, Fakten und Statistiken in eine interaktive Webstory. Durch visuelle und inhaltliche Vergleiche werden globale Lebensrealitäten erfahrbar gemacht. Die Vielschichtigkeit des Themas spiegelt sich dabei auch im Design wider, das mit übereinanderliegenden Ebenen und Schichten arbeitet.

ERBE & REFORM

Ein provokantes Musikvideo über patriarchale Rollenbilder im ostdeutschen Kontext.

Mit einem provokant-humorvollen Song und Musikvideo macht dieses Projekt ostdeutsche Identität als kraftvolle Ressource für starke Frauen sichtbar und stellt mit einem Augenzwinkern patriarchale Rollenklischees sowie westdeutsche Ost-Stereotype subversiv auf den Kopf. Die Künstlerin, die aus Dresden stammt und dort auch das Musikvideo dreht, greift dabei auf ihre eigene ostdeutsche Prägung und biografische Erfahrungen zurück. Song und Video spielen bewusst mit Nostalgie und DDR-Symbolik, thematisieren die bis heute ungeklärten Fragen der Wiedervereinigung und positionieren sich klar gegen rechte Narrative.

Aus einer persönlichen Perspektive heraus verbindet das Projekt gesellschaftliche und politische Themen mit Fragen nach Herkunft, Identität und den Widersprüchen ostdeutscher Lebensrealitäten.

(NON)SENSE

(NON)SENSE ist eine Kritik der zeitgenössischen Informationskultur, die sich in endlosen, inhaltlosen Schriftzeichen äußert. Unser Umgang mit Medien und Informationen ist geprägt von einer endlosen Masse an Inhalten ohne Relevanz. (NON)SENSE übersetzt diese inhaltliche Leere in schriftähnliche Zeichen, die keine Aussagekraft innehalten. So werden die Grenzen der Typografie ausgereizt und ein Spannungsfeld entsteht zwischen Sinnhaftigkeit und Sinnlosigkeit.

Ein generatives Webtool formt diese „Schriftzeichen”, die dann durch einen Pen-Plotter kontinuierlich auf einer Papierrolle festgehalten werden.

Das Ergebnis wird als Kompendium in Form eines 400-seitigen Buchs dokumentiert, um die Fixierung völlig inhaltloser Zeichen greifbar zu machen.