Warum zitterst Du?

Bianca Asche

Juni / June - 2019

Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim

Was ist es?

„Warum zitterst Du?“ ist eine praktische Ausarbeitung in Form eines Brettspiels, auf Grundlage theoretischer Erkenntnisse, welches auf die Förderung motorischer Fähigkeiten von Kindern und an Parkinson erkrankten Erwachsenen ausgelegt ist. Mit einem ergänzenden Informationsbuch wird mittels einfacher Worte und Illustrationen die Parkinson-Krankheit kindgerecht erklärt.

Was ist das Thema?

Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurologische Krankheit weltweit. Sie betrifft etwa 400.000 Patienten allein in Deutschland, sogar 6 Millionen sind global erkrankt. Eine Heilung scheint noch lange nicht in Sicht zu sein. Die ersten Symptome treten meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, aber es gibt auch Personen, die in deutlich jüngeren Jahren erkranken. Die Beschwerden eines erkrankten Familienmitglieds betreffen meist die gesamte Familie und stellen den Alltag aller auf den Kopf. Doch wie erklärt man seinen (Enkel-) Kindern, dass man erkrankt ist, und wie werden Berührungsängste vor der Krankheit genommen? Als Antwort auf diese Fragen sind meine beiden Produkte entstanden, mithilfe derer besonders Kindern die Parkinsonsymptome sowie der Krankheitsverlauf pädagogisch wertvoll nahe gebracht werden sollen. Darüber hinaus, werden die Motorik und die Kommunikation mittels eines Brettspiels und eines kleinen Informationsbuchs unterstützt.

Warum sieht es so aus?

Das Design wurde durch verschiedene Parameter beeinflusst, welche sich durch vorangegangenen ausführlichen Analysen ergeben haben. In der Basis orientiert sich die Arbeit an dem Spieleklassiker „Mensch-ärgere-dich-nicht“, welcher durch seine Kleinteiligkeit das Potential aufwies, gestalterisch für Parkinson-Erkrankte überarbeitet zu werden. Der Spielverlauf wurde in der Folge durch Aktivitäten erweitert, welche die Feinmotorik fördern. Außerdem sollte es in der Farb-, Form- und Materialgebung ansprechend für Jung und Alt gestaltet werden und das Augenmerk sollte auf der Schulung der motorischen Fähigkeiten liegen - jedoch unter der Voraussetzung, dass bestimmte Bewegungsübungen kaum bemerkt und nicht als Last empfunden werden. Die Grundform des Brettspiels bildet sich aus einer großen Wabenform, die wiederum aus mehreren kleinen unterschiedlich hoch dimensionierten und gruppierten Wabenmodulen besteht. Die unterschiedlich hohen Skalierungen sollen zu einer Dreidimensionalität beitragen, welche gleichzeitig aber auch dafür sorgen, die einzelnen Teile haptisch erlebbar zu machen. So können die Einzelteile des Spiels gut im ergotherapeutisch verwendetene Zweipunkt- oder Klammergriff gegriffen werden. Die Basisfläche des Spiels, welche sich aus vier Teilen zusammenfügen lässt, deutet die Formen der Module leicht an, damit es für alle Beteiligten nicht zu lange dauert, bis das Spiel losgehen kann. Der erhöhte Rand der Basisfläche hält die einzelnen Brettspielteile während des Spielens zusammen. Die Puzzle- und Legearbeiten am Spielfeld an sich und dessen Basis, sorgen dafür, dass wiederum die Feinmotorik und die Kommunikation gefördert wird (im Sinne von „Welches Teil gehört wo hin?“). Alle Spielbestandteile wurden größer und griffiger skaliert und teilweise mit Magneten versehen, damit auf dem Spielbrett nichts zu Fall kommen kann und das Gefühl des Versagens, wenn etwas nicht richtig gegriffen oder bewegt werden kann, vermieden wird.

Was ist das Besondere?

Das Konzept von herkömmlichen Hilfsmitteln für Parkinson- Erkrankte wird aufgenommen, betrachtet jedoch detaillierter die tatsächliche Zielgruppe. Meine Arbeit ist ausgelegt für eine große Zielgruppe im Alter von 6 bis 80 Jahren. Hierbei handelt es sich zum einen um Kinder, die indirekt durch einen erkrankten (Groß-)Elternteil mit Parkinson konfrontiert werden. Zum anderen handelt es sich um die Parkinson-Erkrankten selbst, die entweder schon jung betroffen sein können oder erst in einem höheren Alter erkranken. Bisherige Hilfsmittel bauen mitunter emotionale Barrieren auf. Betroffene fühlen sich minderwertig und außen vor. Die Hilfsmittel auf dem Markt sind so schlecht konzipiert, dass die meisten Menschen sie nicht gerne in der Öffentlichkeit zeigen und benutzen. Ängste in Bezug auf die Krankheit projizieren sich immer auch auf die Außenwelt. In vielen Familien wird nicht ausreichend offengelegt, welche Auswirkungen Parkinson auf alle Lebensbereiche haben kann. Mithilfe des Informationsbuches und des dazugehörigen Brettspiels werden Kommunikationsbarrieren gebrochen und auf spielerische Art und Weise offenbart, wie mit der Situation umgegangen werden kann. Es geht besonders beim Spielen nicht darum zu gewinnen, sondern die Ausführung beziehungsweise die Übungen der Motorik und der Spaß stehen im Vordergrund. Ergänzend ist das Spiel anpassbar auf die jeweilige Tagesverfassung der Erkrankten. Durch die modularen Teile des Spieles, ist es möglich eine etwas längere Variante zu spielen, welche mit Bewegungsübungen einhergeht, oder es wird die einfachere, schnellere Variante gespielt. Um das zu ermöglichen kann man die mittig sitzenden Module je nach Befinden umdrehen.

Was ist neu?

„Warum zitterst Du?“ ist ein Hilfsmittel für Parkinson- Erkrankte, ohne ein offensichtliches Hilfsmittel zu sein. Spielerisch werden die Attribute der Krankheit erklärt und Ängste nach und nach genommen. Das kleine Buch bringt Menschen während des (Vor-)Lesevorgangs einander näher, kann offene Fragen klären und hilft beim generellen Verständnis. Das Spiel sorgt für offene Kommunikation und kleine motorische Übungen bei allen Beteiligten. Somit fühlen sich Erkrankte nicht als gesondert behandelt und es ist möglich ein fast normales Alltagsleben fortzuführen.