Tram Station For Kiel

Finn Lassen

Februar / February - 2020

Muthesius Kunsthochschule Kiel

Was ist es?

Eine Tram Station, die als Kernelement eines ganzeheitlichen Mobilitätssystems verstanden werden kann. Es ist jedoch mehr als nur eine Tram Station. Es ist eine Geschichte von Visionen, von Technologie und Natur und der Mobilität der Zukunft.

Was ist das Thema?

Die Mobilität der Zukunft muss so flexibel sein, wie es auch der moderne Mensch ist. Sie muss sich anpassen können. Die Individualität wird zur Herausforderung für das Verkehrssystem und bietet gleichzeitig Potenziale für eine Gestaltung, die nah am Nutzer orientiert ist und diesen als das Wichtigste Element innerhalb des Systems anerkennt. Dabei spielen Strukturelle Unterschiede von Tag und Nacht eine besondere Rolle. Es gilt den Fahrgast auch gedanklich abzuholen und für die Zukunft zu begeistern. Soll sich neue und nachhaltige Technologie etablieren und von Menschen anerkannt werden, darf dies nicht durch Verbote und Regulierungen stattfinden. Es geht um Begeisterung und Erfahrungen. Das selbstständige Erleben der Zukunft ist der Gedankenanstoß für ein neues Bewusstsein und Fortschrittsbemühungen.

Warum sieht es so aus?

Da beim Design eine Kombination aus Technologie und Natur im Vordergrund steht, habe ich mir lebendige Strukturen angeschaut und aus ihren Formen und Funktionen neue Ideen für mein Design entwickelt. Besonders in den Kiemen des Fisches fand ich eine lebendige Struktur. Sie inspirierte mich zu einer Lamellenstruktur im Dach. Die Lamellen lassen die Tram Station atmen. Sie reagieren auf die Natur und öffnen und schließen sich bei entsprechenden Wetterbedingungen. Abhängig davon, wo man sich befindet, kann man durch die Lamellen durchgucken oder sie verschließen den Blick in den Himmel. Der bereits angesprochene Kontrast von Tag und Nacht spiegelt sich auch im Design der Tram Station wieder. Am Tag finden wir transparente Elemente vor, umschlossen und in Wechselwirkung mit der Natur, in der Nacht umgibt die Personen eine Atmosphäre, die vor allem durch Technologie geprägt ist.

Was ist das Besondere?

Mit meinem Projekt möchte ich eine Geschichte erzählen, in der die Menschen mit einbezogen werden. Sie soll als ein Argument dienen, dem Wandel mit Spannung entgegenzuschauen und sich begeistern zu lassen. Menschen kommen zur Tram Station, um von der elektrischen Kraft mitgenommen zu werden. Hier ist ein Ort entstanden, der nicht als Endstation, sondern als Übergang in die Zukunft angesehen werden soll.

Was ist neu?

Vor allem wurde die Flexibilität für Fahrgäste in meinem Konzept herausgearbeitet. Dafür bedarf es ein völlig neues Verständnis eines ganzheitlichen Mobilitätssystems. Es gibt also weder klassische Haltestellen, noch eine klassische Stadtbahn. Statt großer und schwerer Bahnen sieht mein Konzept einzelne, autonome „Tram Pods“ vor. Sie schließen sich am Tag zusammen und fahren nach einem normalen Fahrplan. Nachts entkoppeln sich die Tram Pods und nur noch wenige Pods müssen auf Grund der geringeren Nachfrage nur dann im Einsatz sein, wenn sie auch wirklich benötigt werden. Besteht in der Nacht der Wunsch nach Mobilität, so begibt sich die Person zur Tram Station. Hier kann man nun einen einzelnen Tram Pod zur Haltestelle rufen und so flexibel bleiben. Auf diese Weise wird der Fahrgast in das System direkt mit einbezogen und wird zu einem wichtigen Akteur. Durch eine neue Verteilung von Flächen definiere ich außerdem auch einen neuen Raum in dem die Geschwindigkeiten harmonisiert werden und der Passant weniger degradiert, vielmehr hervorgehoben wird. Durch das Verdrängen der Autos bietet sich ein noch nie wahrgenommener Raum. Um Geschwindigkeit herauszunehmen und trotzdem den Fluss nicht zu unterbrechen, schlängeln sich die Spuren der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer durch die Natur und durch die Stadt. Einzelne Inseln der Natur ziehen sich wie kleine Luftblasen durch das System und beleben den Raum. Die Natur hält die Technologie geschützt in ihrem System und schafft so bei den Bewohnern ein Mindset für nachhaltige Mobilität. Straßen werden nicht mehr als solche betrachtet, vielmehr als einen Raum von Mobilität und Fortschritt durch Technologie und Natur.