the man-machine

Luzie Deubel

Juli / July - 2019

Bauhaus Universität Weimar

Was ist es?

„The man-machine“ ist ein manuell betriebener 3D-Drucker, der auf dem Wirkprinzip des Pantografen basiert. Durch handgeführte Bewegungen wird gleichzeitig eine zweidimensionale Zeichnung und ein dreidimensionales Objekt aus dem Extruder zu erzeugt.

Das gesamte Projekt setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen, deren Gewichtung in etwa gleich stark ist. 1: der theoretische Forschungsteil, der in der schriftlichen Arbeit festgehalten wurde. Dieser setzt sich zum einem mit dem State-of-the-Art digitaler Fertigungsverfahren aus einander, vielmehr beleuchtet er aber verschiedene technikphilosophische und medienwissenschaftliche Positionen. 2: der praktische Forschungsanteil. Innerhalb der Prozesses der Entstehung meiner Arbeit habe ich mich mit experimentellen Nutzungen von FLM-Druckverfahren beschäftigt, die dem Verständnis der zugrundeliegenden Wirkweisen dienen. Die daraus gewonnen Erkenntnisse wurden durch die Erstellung eines digitalen Archivs zugänglich gemacht. ( https://blackboxarchive.myportfolio.com/ ) 3: Die Implementation der gewonnen Erkenntnisse in einer immersiven Installation und dem darin vollzogenen Fertigungsverfahren durch den Bau eines analogen 3D-Druckers.

Was ist das Thema?

Unsere heutige Gesellschaft hat sich zu einer Gesellschaft entwickelt, deren Konstitution ohne den Einsatz von Computern nicht länger lesbar ist und die nicht mehr auf tradiertem Wissen, sondern der Sammlung uns Auswertung von Datensätzen basiert. Was wäre, wenn dieser Gegenwart, deren technische Komplexität für den Alltagsmenschen nicht mehr zu verstehen ist, mit Gestaltung begegnet werden kann? Durch die Möglichkeit selbsterarbeiteter Erfahrungen soll mit dieser Arbeit das habituelle Recht der Nutzer, sich gegenüber technischen Geräten im Modus der Black-Box zu verhalten, aufgelöst werden. Die Zugänglichkeit solcher Erfahrungen soll eine Auseinandersetzung mit unserem Verhältnis zu Technologien und der Art wie wir sie nutzen ermöglichen, und uns einen Zugewinn von Autonomie im Umgang mit Technologie und den damit verbundenen Prozessen und Objekten bieten.

Warum sieht es so aus?

Ziel meines Projektes ist die Abbildung einer Realität, die sonst innerhalb der „Black-Box“, dem Verborgenen bleibt. In den praktischen Untersuchungen, die im Black-Box-Archive gesammelt sind, habe ich versucht spezifische Übersetzungsaspekte zwischen analoger und digitaler Welt am Beispiel des 3D-Druckverfahrens sichtbar, bzw. Sichtbarer werden zu lassen. Die Objekte die zuletzt durch die von mir gebaute Maschine entstanden sind, basieren auch vor Allem auf dem Aspekt des Übersetzens, in diesem Falle von einer zweidimensionalen Zeichnung in ein dreidimensionales Objekt. Die Beziehung zwischen Bedienendem und Maschine ist ähnlich wie die zwischen den entstehenden Zeichnungen und Objekten: Sie bedingen sich gegenseitig, gleichzeitig. Die Übersetzung macht Zusammengehörigkeit und Unterschied gleichermaßen bedeutungsvoll und sichtbar. Die Kategorie des tatsächlichen Objekts spielt eine eher untergeordnete Rolle: Als Stellvertreterobjekt ist das „Gefäß“ sozusagen auch auf einer Metaebene Gefäß für den theoretischen Inhalt.

Was ist das Besondere?

Otl Aichers Definition von Analog (Handeln) und Digital (Denken) folgend, soll durch den Einsatz einer direkten Verknüpfung zwischen Mensch und Maschine eine Parallelität von Denken und Handeln, von Analog und Digital ermöglicht werden. In der direkten Auseinandersetzung zwischen Mensch und Maschine können Objekte entstehen, die in zeichenhafter Weise die Kollision und Kommunikation in dieser Parallelität bezeugen. Weder die bedienende Person, noch die Maschine können während der Nutzung vollkommene Kontrolle über den Prozess und die daraus entstandenen Artefakte behalten.

Was ist neu?

Durch die Möglichkeit zur selbsterarbeiteten Erfahrung wird begreifbar, dass Transformationsprozesse allen datenverarbeitenden Prozessen (sowohl digital als auch analog) zugrunde liegen. Die sonst unsichtbaren Transformationen zwischen Input und Output werden im „Blackboxarchive“ enthüllt, oder durch die "man-machine" in der Dialektik von Zeichnung und Objekt direkt begreifbar.