Jury

© Pietro Sutera

Nicolette Naumann

In ihrer Funktion als Vice President konzentriert sich Nicolette Naumann seit Juni 2016 ganz auf die Ambiente, die Weltleitmesse der Konsumgüterbranche. Zuvor war sie von April 2002 bis Juni 2016 Bereichsleiterin für die Ambiente und Tendence.

Naumann verantwortet auch die internationale Strategie des Ambiente Brands. Zu diesem gehören die Veranstaltungen Interior Lifestyle Tokyo und IFFT/Interior Lifestyle Living in Japan, Interior Lifestyle China, Interior Lifestyle Middle East und Interior Lifestyle India presented by Ambiente India.

Die Kunst- und Designkennerin ist Jurymitglied unterschiedlicher Preise, darunter der German Design Award, der Hong Kong Smart Design Award sowie der Home Style Award China.

2001 rief Naumann das Förderprogramm „Talents“ ins Leben. Dieses unterstützt Nachwuchsdesigner auf ihrem Weg zu einer erfolgreichen Karriere, eröffnet Vertriebswege und führt sie auf der Ambiente mit Fachbesuchern und Ausstellern aus aller Welt zusammen.

Notiert

Was ist Ihnen aufgefallen an den Projekten, die eingereicht wurden?Positiv aufgefallen ist mir, wieviele der Einreichungen soziale, politische und strukturelle Fragen reflektiert haben. Nicht  immer konnte das im Entwurf umgesetzt werden – hier sollten mehr interdisziplinäre Vernetzungen statt finden.

Welchen Wert hat das German Design Graduates Projekt für Sie? Ich hoffe, dass es sich zu einer belastbaren Schnittstelle zwischen Absolventen und Industrie entwickelt.

Wo und wie kann Design wichtig sein in den nächsten Jahren?  Less is more – wir brauchen weniger dafür aber bessere/intelligentere/nachhaltigere Produkte. Die Erwartungshaltung ist enorm.

Dr. Claudia Banz

Dr. Claudia Banz ist Kunst- und Designwissenschaftlerin und seit 2017 Kuratorin für Design am Kunstgewerbemuseum Berlin. Zuvor leitete sie die Abteilung Kunst und Design am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Als Kuratorin realisierte sie zahlreiche Ausstellungen, Vermittlungsformate und Messen an der Schnittstelle von Design, Mode, Handwerk und Kunst, zuletzt Fast Fashion. Die Schattenseite der Mode, Food Revolution 5.0. Gestaltung für die Gesellschaft von morgen und Connecting Afro Futures. Fashion x Hair x Design.

Im MKG Hamburg war sie außerdem für die Neupräsentation der Designsammlung verantwortlich. Als leitende Kuratorin der Jahresmesse für Kunst und Handwerk hat sie eine internationale Ausstellungplattform für Hochschulen und einen Nachwuchspreis für junge Gestalter initiiert.

Für das Kunstgewerbemuseum Berlin etablierte sie die Reihe Design Lab sowie Design Talks, um das Haus als Plattform und Experimentalraum für multidispziplinäre Designansätze und einen kritischen Diskurs über gesellschaftlich relevante Gestaltungsfragen zu öffnen. Außerdem forscht und publiziert sie zu Fragen des Social Design (Social Design. Gestalten für die Transformation der Gesellschaft, transcript 2016) und dekolonialen Sammlungen.

Notiert

Was ist Ihnen aufgefallen an den Projekten, die eingereicht wurden?Mir hat die Bandbreite der Konzepte sehr gut gefallen. Interessant fand ich vor allem die verschiedenen Ansätze, das Digitale wieder mit dem Analogen zu verknüpfen.

Welchen Wert hat das German Design Graduates Projekt für Sie? Ich halte das Projekt für eine sehr wichtige Initiative. Designhochschulen sind immer auch Ideenschmieden für die Zukunft, und diese Diskurse sollten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Gut finde ich, dass die ausgewählten Projekte im Museum präsentiert werden, da dies nochmal einen anderen Referenzrahmen bietet als etwa eine Messe.

Wo und wie kann Design wichtig sein in den nächsten Jahren? Design bedeutet ja immer auch Gestaltung von Gesellschaft. Hier erhoffe ich mir zukünftig wesentlich mehr „positiven“ Impact. Dies bedeutet vielleicht auch, dass man über die Designausbildung neu nachdenken muss.

Nils Holger Moormann

Zwischen Konventionen nimmt Nils Holger Moormann am liebsten Platz und macht es sich mit seinen Möbeln bequem, die alle ein bisschen so sind wie er selbst – asketisch, durchdacht, mit einem kleinen, fast unmerklichen Augenzwinkern. Als Autodidakt, Quereinsteiger und Freigeist entwickelt Nils Holger Moormann seit 1982 mit meist jungen, unbekannten Designern Möbel mit reduzierter Formensprache und präzisen Detaillösungen.

Die Leitgedanken Einfachheit, Intelligenz und Innovation ziehen sich dabei durch die gesamte Firmenphilosophie. Vom ursprünglichen Firmensitz in Aschau am Chiemsee über den puristischen Designklassiker FNP bis hin zum ungewöhnlichen Gästehaus ‘berge’ – Ideen werden bei Nils Holger Moormann sicher nicht auf die lange Bank geschoben.

Notiert

Was ist Ihnen aufgefallen an den Projekten, die eingereicht wurden?Die Designer widmen sich neben klassischem Produktdesign zunehmend Research und Konzept.

Welchen Wert hat das German Design Graduates Projekt für Sie? Es vermittelt einen konzentrierten, unabhängigen Überblick über die relevantesten Abschlussarbeiten im Designbereich.

Wo und wie kann Design wichtig sein in den nächsten Jahren? Der Designer ist in der Lage, Querdenken und klassische Methodik so zu vernetzen, dass es zu neuen Lösungsansätzen kommen kann.

Stephan Ott

Stephan Ott ist Chefredakteur des Magazins form seit 2012. Zuvor war er Leiter der Kommunikation beim Rat für Formgebung.

Gegründet 1957 von Jupp Ernst, Willem Sandberg, Curt Schweicher und Wilhelm Wagenfeld als „Internationale Revue“, hat die form sich über 60 Jahre als eines der weltweit führenden Magazine in den Bereichen Produkt-, Industrie- und Kommunikationsdesign etabliert.

Mit News, Schwerpunktthemen und Analysen setzt die form Themen, sorgt für Orientierung und stößt den Designdiskurs an.

Das Magazin sieht sich als Forum fachspezifischer Inhalte über alle Medien und Formate hinweg. Neben Print- und Onlinepublikationen sind auch Messen, Seminare, Vortragsveranstaltungen, Workshops und Lectures Teile des Portfolios.

Notiert

Was ist Ihnen aufgefallen an den Projekten, die eingereicht wurden?Insgesamt war ich von der Qualität der Arbeiten angetan. Vor allem die Tatsache, dass Studierende vermehrt konzeptionell arbeiten und nicht ausschließlich gegenständlich, hat mich gefreut. Zukünftig fände ich eine breitere Beteiligung aller Designbereiche beziehungsweise -fakultäten wünschenswert. 

Welchen Wert hat das German Design Graduates Projekt für Sie? Ich halte das German Design Graduate-Projekt für eine wichtige Inititative. Zum einen, um Abschlussarbeiten selbst mehr Gewicht zu verleihen, zum anderen aber auch, um den Leistungen von Absolventen zu einer breiteren Öffentlichkeit zu verhelfen. 

Wo und wie kann Design wichtig sein in den nächsten Jahren? Ich bin davon überzeugt, dass zukünftig der Designwissenschaft und der Designforschung eine bedeutende Rolle zukommen wird. Der wissenschaftliche Diskurs wird auch zur praktischen Eigenständigkeit des Designs als Disziplin beitragen.