Controlled Collapse: Gestaltung hybrider Materialien

Das Projekt erforscht neue Möglichkeiten nachhaltiger und materialbewusster Fertigung, indem biobasierte Materialien und keramischer 3D-Druck kombiniert werden. Dabei entsteht ein experimenteller Herstellungsprozess, der gezielt mit dem Einfluss der Schwerkraft auf das Material arbeitet.

Im Zuge der Verlagerung des Fachbereichs Materialdesign in die Räumlichkeiten der Höchster Porzellanmanufaktur wurde die dort verwendete Schlickergussmasse für den 3D-Druck angepasst und weiterentwickelt. Dabei wird das Material im Prozess nicht nur verarbeitet, sondern auch in seinem Verhalten untersucht.

Schwerkraft, Feuchtigkeit und Zeit beeinflussen dabei die entstehenden Formen. Stützstrukturen aus biologisch abbaubarem Schaum stabilisieren die Porzellanmasse, sind in Wasser löslich oder verbrennen rückstandslos im Ofen.

Typologies of temporality. A material research.

„Die Welt ist voller Objekte, mehr oder weniger interessant, ich möchte keine weiteren hinzufügen“ – Douglas Huebler

Dieses Zitat diente als Ausgangspunkt für ein Objekt, das sich bewusst mit Vergänglichkeit auseinandersetzt und Zeitlichkeit als gestalterisches Potenzial begreift. Es basiert auf einem biobasierten Material aus Kasein, inspiriert vom historischen Galalith. Im Rahmen der Materialentwicklung wurde auch dessen Eignung für den 3D-Druck untersucht. Das Material ist vollständig kompostierbar und frei von schädlichen Zusatzstoffen. Asche dient als Füllstoff und verleiht der Arbeit sowohl materielle als auch symbolische Bedeutung.

In Anlehnung an das barocke Konzept der Vanitas setzt sich das Objekt mit den Themen Sterblichkeit, Erinnerung und Konsum auseinander. Die Asche der Verstorbenen wird Teil des Objekts selbst und verwandelt es in ein zeitgenössisches Memento Mori. Als Erinnerungsstück für die Hinterbliebenen konzipiert, kann es im eigenen Garten vergraben werden und fungiert als poetische Brücke zwischen Leben und Tod.

Textur_Struktur

Texturen begegnen uns überall. Sie sind fester Bestandteil der Natur und bestimmen die physische Oberflächenbeschaffenheit von Gegenständen und Materialien.

Die Struktur, die entwickelt wurde, gehört zu den auxetischen Strukturen. Diese zeichnen sich vor allem durch ihrem Aufbau aus und sind Materialunabhängig. Die spezielle Struktur kann sich bei Zugbelastung quer ausdehnen (expandieren) und bei Druck kontrahieren, im Gegensatz zu normalen Materialien, die schwinden; dies wird durch ihre innere, gitterartige Struktur erreicht. Daraus ergibt sich eine Beweglichkeit, die für den weiteren Aufbau der Textur genutzt wird.

Die Ebenenhierachie zwischen Textur und Struktur hängt unmittelbar zusammen und kann immer weiter gedacht werden. Jede Ebene beeinflusst die darüber liegenden Ebenen. Dadurch ergibt sich ein Wechselspiel zwischen Struktur und Textur sowie Textur und Struktur.

Von Kontrolle zu Kooperation – Eine gestalterische Praxis mit Mikroorganismen

Die Textilindustrie zählt zu den umweltschädlichsten Industriezweigen. Konventionelle Färbeprozesse verursachen hohe Wasser-, Energie- und Chemikalienverbräuche. Das Projekt erforscht pigmentproduzierende Bakterien als nachhaltige Alternative zur Textilfärbung und untersucht zugleich neue Formen gestalterischer Zusammenarbeit mit lebenden Organismen. Im Zentrum steht das Bakterium Janthinobacterium lividum, dessen Pigmente direkt auf Textilien kultiviert werden.

Durch experimentelle Laborarbeit an der Schnittstelle von Design und Wissenschaft entstehen von biologischen Wachstumsprozessen geprägte Färbungen. Die Arbeit versteht Mikroorganismen nicht nur als Material oder Werkzeug, sondern als aktive Mitgestalter. Dadurch verschiebt sich die Rolle der Designer*in von Kontrolle hin zu Beobachtung, Fürsorge und Kooperation.

Das Projekt verbindet Materialforschung mit einer mehr-als-menschlichen Designperspektive und eröffnet neue Ansätze für nachhaltige textile Gestaltungsprozesse.

MYCOPLAY

MYCOPLAY ist ein akustisches Legespiel für den Klassenraum, das Kreativität und strategisches Denken fördert und zu einer ruhigeren Atmosphäre beiträgt. Die magnetischen Formelemente aus nachhaltigem Myzelmaterial lassen sich innerhalb einer Spielfläche immer wieder neu anordnen und eröffnen vielfältige Möglichkeiten für Muster, Bilder und Kompositionen. Farb- und Formkonzept orientieren sich an waldorfpädagogischen Ansätzen und fügen sich harmonisch in das schulische Umfeld ein.

Als fest an der Wand montiertes Element ist MYCOPLAY dauerhaft im Raum präsent und kann durch die poröse Struktur des Myzelmaterials zur Reduktion störender Geräuschpegel beitragen. Gleichzeitig ermöglicht das Spiel eine direkte Materialerfahrung und setzt auf ein kompostierbares, bei Bedarf austauschbares Material.

Gastronomieabfälle als Ressource

Diese Arbeit untersucht die gestalterische Weiterverwendung organischer Lebensmittelabfälle aus gastronomischen Betrieben. Häufig gehen diese Materialien durch mangelnde Trennung frühzeitig für mögliche Kreisläufe verloren. Ziel ist es, organische Reststoffe wieder in funktionierende Materialkreisläufe einzubinden.

Im Mittelpunkt steht eine experimentelle Materialforschung, die Schwindung und Verzug beim Trocknen gezielt als Gestaltungsmittel nutzt. Dafür wurden Einflüsse wie Materialzusammensetzung, Dicke, Untergrund und Temperatur untersucht. Aus den Versuchen entstanden verschiedene Konstruktionsprinzipien: röhrenartige, raumbildende und schalenartige Formen.

Die Arbeit zeigt, wie Materialverhalten und Prozess für zirkuläre und kreative Gestaltung genutzt werden können.

fungi follows form – Potential von Pilzmyzel im Interior Design

Was wäre, wenn Möbel nicht als Wegwerfprodukt, sondern als Teil eines natürlichen Kreislaufs gedacht wären? „fungi follows form“ untersucht das Potenzial von Pilzmyzel als nachhaltige Alternative zu konventionellen Möbelmaterialien im Kontext von Fast Furniture. Im Mittelpunkt steht ein lebendiger Werkstoff, der auf organischen Reststoffen wächst, vollständig kompostierbar ist und gleichzeitig eine einzigartige Materialästhetik besitzt.

Durch theoretische Recherche, Workshops und eigene Materialexperimente wurden unterschiedliche Substrate, Wachstumsprozesse und Herstellungsverfahren untersucht. Dabei standen Fragen nach Stabilität, Haptik, Formbarkeit und gestalterischem Ausdruck im Fokus.

Das Ergebnis ist ein modulares Raumelement aus Pilzmyzel und Hanf, das flexibel kombiniert und vielseitig im Interior Design eingesetzt werden kann. Der Entwurf zeigt, wie zirkuläre Gestaltung, Materialforschung und neue Formen des Wohnens zusammenfinden können.

Poroform

Poroform untersucht Schaum als strukturelles Prinzip, dessen Eigenschaften sich bereits während der Entstehung modulieren lassen. Während herkömmliche Polsterungen aus Polyurethan-Schäumen auf schwer recycelbaren Verbundsystemen beruhen, entwickelt das Projekt ein nachhaltiges Monomaterial-System mit variierender Porosität – und damit gezielt einstellbarem Materialverhalten.

Ein robotischer Demonstrator extrudiert vorgeschäumtes Gel und platziert Mikroblasen präzise in der Bauteilgeometrie.

SALVINIA

SALVINIA ist ein System zur Entfernung von Ölverschmutzungen aus Gewässern. Grundlage ist ein bionisches Textil, das von Dr.-Ing. Leonie Beek nach dem Vorbild der Wasserpflanze Salvinia molesta entwickelt wurde. Das Textil trennt Öl rein physikalisch vom Wasser und benötigt weder chemische Hilfsmittel noch externe Energie.

Im Rahmen des Projekts wurde diese wissenschaftliche Entwicklung erstmals in konkrete Produkte für die Ölbekämpfung übertragen. Entstanden sind drei aufeinander abgestimmte Systeme: eine Ölsperre, ein mobiler Skimmer und ein stationärer Skimmer. Sie ermöglichen die präventive und reaktive Entfernung von Öl in Häfen, Binnen- und Küstengewässern.

Alle Systeme sind wiederverwendbar, reparierbar und auf eine lange Nutzungsdauer ausgelegt. Das aufgenommene Öl wird gesammelt und kann zurückgewonnen werden. Durch die stromfreie Funktionsweise, den Verzicht auf Verbrauchsmaterialien und die mehrfache Nutzbarkeit werden Ressourcen geschont und Abfälle reduziert.

Myzel im Möbelbau

Im Rahmen der Arbeit wurde untersucht, wie Möbel nachhaltiger und kreislauforientierter gestaltet werden können. Ausgangspunkt der Untersuchung waren kurze Produktlebenszyklen, hohe Möbelabfallmengen und schwer trennbare Materialverbunde in der Möbelindustrie. Im Fokus stand die Erforschung eines biobasierten Materials namens Pilzmyzel, dem wurzelartigen Geflecht von Pilzen, das organische Materialien auf natürliche Weise verbindet. Analysiert wurden die Materialeigenschaften sowie Möglichkeiten der Weiterverarbeitung durch Pressverfahren, Strukturierung und Färbung.

Auf Grundlage dieser Untersuchungen entstand ein modulares Regalsystem aus Vollholz und gepressten Myzelpaneelen. Die Paneele verbessern die Raumakustik und prägen zugleich die gestalterische Wirkung des Möbels. Ergänzend entstand ein Lichtsystem, bei dem gepresstes Myzel als Lichtdiffusor eingesetzt wird. Beide Objekte folgen einem kreislauforientierten Ansatz mit Fokus auf Materialtrennung und Wiederverwendbarkeit.