Bewegungen in naturwissenschaftlichen Narrativen

Helena Kersting

Februar / February - 2020

Hochschule für bildende Künste Hamburg

Was ist es?

Eine performative Übersetzung der Bewegungen in naturwissenschaftlichen Narrativen eines lokalen Ökosystems – vor Ort. In diesem ersten Versuch mit einer Gruppe aus 8 Leuten am Wittmoor in Hamburg ging es um glazial bedingte Landschaftsformung, Moos- und damit Moorwachstum sowie Stoffwechselkooperationen von Mikroorganismen.
Dokumentation siehe Videolink.

Was ist das Thema?

Um in die politische Debatte zum komplexen Thema der globalen Klimakrise und ihrer (gestalterischen) Lösungsversuche einzusteigen, bedarf es neuer Zugangsformen zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Im Vergleich zum heute breiten Angebot individueller Recherchemöglichkeiten kann mit der nach „Vollständigkeit“ strebenden Themenexegese in Umweltausstellungen wenig angefangen werden, zumal dort umgekehrt auch der Fokus auf wesentliche Zugangspunkte verloren geht. Wie gestaltet man also solche Ansätze, die wissenschaftliche Erkenntnisse nachvollziehen und die gleichzeitig die räumliche Vorstellung zur weiteren thematischen Auseinandersetzung anregen? Hier wird probiert, wie Übersetzungen von Dynamiken der Natur auf Körperbewegungen aussehen und sich anfühlen können. Und auch, ob durch ihre Konzentration auf den Bewegungsaspekt des Narratives und auf den Körper des Übersetzenden eine diesen Fokus übernehmende Vorstellung von Natur hervorgerufen wird.

Warum sieht es so aus?

Der Versuch basiert inhaltlich auf Fragmenten recherchierter, naturwissenschaftlicher Narrative und fokussiert formal deren wesentliche, universelle Bestandteile: Ort, Maßstab und Prozess. Die Vorgabe des Recherchethemas und den räumlichen Rahmen bildet ein lokales Ökosystem – in diesem Fall das Wittmoor in Hamburg. Die Form der Bewegung entspringt der individuellen als auch kollektiven Interpretation der diversen Narrative. So spezifisch diese auch sein mag, erinnert eine einheitliche Farbe an die universellen Bestandteile, welche durch Objekte, wie Orientierungsstäbe (für die Verortung der Bewegung z.B. Himmelsrichtung oder Bodenschicht), ein Skalierungsmeter (für den Maßstab der Bewegung) und Overalls (für die Hervorhebung der Bewegung selbst) optisch und praktisch aufgegriffen werden.

Was ist das Besondere?

Gegenüber dem ökologischen Design in Form konkreter Klimakrise-„Lösungen“ tritt dieser Ansatz einen Schritt zurück und setzt beim Verständnis von Natur und Umwelt an. Auf zusätzliche Mittel, wie Schilder oder Apps, so wie auf illustrative Ausschmückungen wird durch die direkte Kombination von naturwissenschaftlicher Erzählung und Performance vor Ort verzichtet.

Was ist neu?

Was wir als Natur sehen sind „Teile“ und Zusammenhänge von Makro- und Mikroprozessen, welche von der Forschung laufend nachvollzogen werden. Da so nie eine umfassende Darstellung von Naturerkenntnissen möglich ist, zielt dieser Versuch gar nicht erst darauf ab, sondern behandelt sie direkt fragmentarisch und hebt dabei die Prozesshaftigkeit formal hervor.