Antikörper

Tobias Bihlmeyer & Ivo Erichsen

Juli / July - 2019

Fachhochschule Potsdam

Was ist es?

Ein Staubsaugerkonzept, dass sich auf die Integration des Gerätes in den Wohnkontext konzentriert, um dessen nicht aufgabenbezogene Funktionen zu stärken.

Was ist das Thema?

Elektronische Haushaltsgeräte, Möbel und Accessoires werden zwar am selben Ort gebraucht, aber mit zu stark abweichenden Intentionen entwickelt. Haushaltsgeräte werden zuallererst als technische Herausforderungen für Ingenieure verstanden, die bestimmte Funktionen repetitiv ermöglichen sollen. Die Ästhetik orientiert sich an Science-Fiction-Requisiten und der Automobil-, Flugzeug- und Powertoolindustrie um ihre Leistung und Funktion sichtbar zu machen. Dieser Fehlgriff in Gestaltungsvorbildern versucht Industriegüter in einen Wohnkontext zu setzen, ohne dessen Regeln zu beachten. Möbeldesign scheint hier einen weitaus sinnvolleren Ansatz zu vertreten, bei dem Funktion und Umgebung in Einklang gebracht werden. Diese unterschiedlichen Auffassungen der Funktionsweise der Objekte im Kontext des Wohnens haben eine Kommunikationslücke zwischen Industrie Design und Möbel/ Produkt Design entstehen lassen. Verkeilt in der Lücke dieser Denkweisen gelingt die Verbindung nur selten und es entstehen Produkte mit »pseudo-aerodynamischer« Anmutung und unbefriedigender Haptik, kreiert durch die mangelhafte Imitation hochwertiger Materialien. Diese Art der Gestaltung hat dafür gesorgt, dass elektronischen Haushaltsgeräten eine gewisse Gleichgültigkeit entgegengebracht wird und diese sich mitunter auf ihre Lebenszeit auswirkt. Werte verändern sich mit der Zeit. Verbraucher unserer Generation konsumieren zunehmend unter der Prämisse einer politischen Einstellung zur Ökologie. Weiter Performance in Wohnumfeld fremde Formen zu spritzen scheint daher nicht mehr angebracht. Ausgehend von dieser Beobachtung haben wir ein Staubsaugerkonzept entwickelt, welches sich an der Ästhetik des Wohnkontextes orientiert sowie dessen Nutzung überdenkt. Ein Staubsauger für den Heimgebrauch ist zu 90% seiner Lebenszeit ausgeschaltet, daher haben wir uns beim Entwurf unser Augenmerk besonders auf diesen Zustand gelegt.

Warum sieht es so aus?

Die Formgebung kombiniert die Idee eines zylindrischen Industriestaubsauger mit einem beutellosen Bodenstaubsauger, dies schafft Stauraum für Saugkopf, Rohre und Schlauch. Um sich besonders gut im Wohnumfeld zu integrieren orientiert sich der rotationssymmetrische Körper und dessen Höhe bewusst an Objekten des Wohnkontextes und bietet Optionen zur Umnutzung. Der konvexe und ausgestellte untere Teil des Körpers dient als Stoßfänger und ist gleichzeitig der Schwerpunkt des Objekts.

Was ist das Besondere?

Die Verlagerung des Fokus weg vom reinen Nutzungsszenario, hin zu einer gesamtheitlichen Betrachtung des Gerätes und seiner Umgebung. Durchschnittlich sind Staubsauger nur 16 Minuten pro Woche in Verwendung, in den restlichen 10.064 Minuten stehen sie störend in Ecken oder werden versteckt. Deswegen haben wir einen Staubsauger entworfen der "ON" und "OFF" einen Nutzen erfüllt, denn unser Lebensraum ist kostbar und sollte nicht mit Dingen belagert werden die sich nicht in ihren Kontext eingliedern.

Was ist neu?

Der Gedanke den Staubsauger und technische Geräte für Zuhause als Teil des Interieurs zu betrachten und diese folglich angepasst und integrativ zu gestalten. Das Verstauen der gesamten Anbauteile im verschlossenen Korpus ermöglicht eine individuelle, integrative und effiziente Platzierung in jedem Raum. Drei unterschiedliche Holzdeckel die das Konzept gezielt durch Umnutzungsmöglichkeiten erweitern und den Staubsauger zu einem Hocker, Beistelltisch oder Stummen Diener transformieren.